Treibt’s bunt: Matthias Köhler alias „Loomit“ veranstaltet am Samstag im Werksviertel einen Graffiti-Workshop.

„Straight Outta Whitebox"

Street-Art-Festival: Magie aus der Dose fürs Werksviertel

München - Rund um Straßenkunst dreht sich die Veranstaltung „Straight Outta Whitebox“ am morgigen Samstag, 20. August, im neuen Werksviertel. Graffiti-Künstler Matthias Köhler alias „Loomit“ lehrt das kreative Sprühen – die Werke an der Wand sollen dauerhaft bestehen bleiben.

Loomit und seine Werke: (v. li.) die Wand vor seinem ehemaligen Atelier, der Bauzaun des neuen Konzertsaals und eine Wand in unmittelbarer Nähe.

Jahrelang waren die ehemaligen Pfanni-Fabrikhallen eine beliebte Spielwiese für Graffiti-Künstler. Nun will der Kultur-Veranstalter „Whitebox“ sein Gelände an der Atelierstraße einen Tag lang für Sprüher, Tänzer und Neugierige öffnen. Ab 11 Uhr kann sich jeder, der sich zuvor angemeldet hat, an Hip-Hop-Tanz und Graffiti-Kunst versuchen. Letztgenannte betreut Münchens wohl bekanntester Sprüher Matthias Köhler – unter dem Pseudonym „Loomit“ gestaltet er bereits seit den 80er-Jahren Züge, Wände und Unterführungen der Landeshauptstadt . Seit neuestem ist er damit beauftragt, dem neuen Werksviertel urbanen Charme zu verleihen (wir berichteten).

In seinen Workshops möchte Köhler zuerst die Zeichenkompetenz der Teilnehmer ermitteln. „Es ist ja nicht so, dass in der Sprühdose lauter tolle Buchstaben darauf warten, dass man den Knopf drückt und sie rausspringen können.“ Dazu werde er am Anfang die Zeichnungen der Teilnehmer begutachten. „Wenn ich es dann etwas besser beurteilen kann, werde ich Tipps geben, was die schnellste und effizienteste Möglichkeit ist, die Ideen umzusetzen.“

Mitbringen müsse man daher nicht nur die Lust am Zeichnen, sondern auch ein gewisses Maß an Erfahrung. Die Zielgruppe: „Leute, die vielleicht schon ein bisschen was gesprüht haben. Oder solche, die viel zeichnen und sich nun zum ersten Mal an eine Wand wagen wollen.“

Letztgenannte befindet sich hinter dem Whitebox-Gebäude. Und genau genommen sind es zwei. „Es sind 30 Meter Wand auf zwei Seiten“, verrät Köhler. Es gebe also genügend Fläche für alle Teilnehmer. „Die wettergeschützte Seite ist etwas rauer, während die, die theoretisch im Regen stehen könnte, glatter Beton ist.“ Jede Seite habe also, ganz nach Wetterlage, ihre eigenen Vorzüge. Das Besondere, erklärt Werksviertel-Sprecherin Angelika Schindel: Die im Workshop entstandenen Kunstwerke werden – in direkter Nachbarschaft zum geplanten neuen Münchner Konzertsaal – dauerhaft bestehen bleiben.

Loomit und seine Werke: (v. li.) die Wand vor seinem ehemaligen Atelier, der Bauzaun des neuen Konzertsaals und eine Wand in unmittelbarer Nähe.

Nun geht es bei der Veranstaltung aber nicht nur ums Zeichnen und sprühen, sondern auch um Hip Hop. Dieser Tanz- und Musikstil ist untrennbar mit der Geschichte der Straßenkunst verwoben. Auch das will das Whitebox-Team am Wochenende demonstrieren.

Loomit und seine Werke: (v. li.) die Wand vor seinem ehemaligen Atelier, der Bauzaun des neuen Konzertsaals und eine Wand in unmittelbarer Nähe.

„Graffiti und Hip Hop sind an denselben Orten zur selben Zeit mit denselben Leuten entstanden“, erklärt Matthias Köhler. Die zwei wichtigsten Ursprungsorte lägen beide in den USA: Philadelphia und New York. „Anfang der 70er-Jahre war die Kriminalitätsrate dort irrsinnig hoch.“ Graffiti auf Zugwaggons und Gebäuden seien vor diesem Hintergrund Delikte gewesen, mit denen sich die Polizei kaum auseinandersetzte. „Für die Jugendlichen war es aber eine gewaltfreie Art, sich zu beweisen.“ Anfangs hätten kriminelle Jugend-Gangs ihre Reviere noch mit Graffiti markiert, doch dann habe sich diese Kunstform schnell als Stilmittel einer gewaltfreien Gegenbewegung entwickelt. „Die Künstler haben das umgedreht, indem sie gesagt haben: ,Wir wollen in keinem Gefängnis leben – wir hinterlassen unsere Signatur überall in der Stadt, auf Wänden, Zügen, wo immer wir sind‘.“ Auf diese Weise befreiten sie die Straßenkunst vom strengen Revier-Denken der Banden. Und die Verbindung zum Hip Hop? Ganz einfach: Zwischen den Graffiti-Sprühern und den Rappern oder Tänzern der Hip-Hop-Szene habe es stets personelle Überschneidungen gegeben. „Zum Beispiel hat der Künstler Doze, der als Mitglied der Breakdance-Gruppe ,Rocksteady Crew‘ bekannt wurde, früher auch auf Züge gemalt. Genauso ,Fab Five Freddy’, der später ins Musikfach gewechselt ist“, erzählt Köhler. „Das waren oft einfach dieselben Leute.“

Ein weiterer Vorzug der Hip-Hop-Kultur sei gewesen, dass es auch immer Straßenparties gegeben habe – sogenannte „Jams“. „Dort konnten sich die jungen Künstler treffen und austauschen.“ Um Teil dieser Szene zu sein, habe man rausgehen und in irgendeiner Weise kreativ sein müssen. „Das war eine wunderbare Zeit“, sagt Köhler. „Es war nämlich nicht so, dass man dort einfach Konsument sein konnte – die Bilder, die Musik, die Tänze, das musste man alles selbst produzieren!“

Das einzigartige Lebensgefühl dieser Subkultur soll die Veranstaltung „Straight Outta Whitebox“ nun auch jenen Münchnern nahebringen, die mit ihr bislang keine Berührungspunkte hatten – klar, dass da auch der „Jam“ am Samstagabend nicht fehlen darf. Auf dem Freigelände vor der Halle Technikum laden die Veranstalter ab 19 Uhr zur „Street Life Block Party“, sprich: zur authentischen Straßenfeier im Stil der Hip-Hop-Kultur. Am heutigen Freitagabend laden die Veranstalter ab 19 Uhr außerdem zu einer thematisch passenden Filmnacht.

Das ganze Programm gibt es im Internet unter www.whitebox-muenchen.de. Dort besteht bis Samstagfrüh auch noch die Möglichkeit, sich für die Workshops anzumelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Marian Meidel

 

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