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Musik hält ihn bei Laune: Bewohnervertreter Reinhard Rohloff in seinem Heim-Zimmer in Ramersdorf.

Vier Mahlzeiten für 4,56 Euro?

Kritik an Münchenstift: Streit um Heim-Essen weitet sich aus

München - Mit seiner öffentlichen Kritik am Essen in einem Münchenstift-Haus hat ein Angehöriger für großen Wirbel gesorgt. Andere Angehörige und auch die Gesamtbewohnervertreterin verteidigen die Küche des Seniorenheimes. Doch die Kritik reißt nicht ab.

Kann ein Pflegeheim für 4,56 Euro täglich vier vernünftige Mahlzeiten inklusive Getränken bieten? Nein, sagt Paul Rusch, dessen Eltern im Münchenstift an der Effnerstraße wohnen. In der Ausgabe unserer Zeitung vom 8. August beklagte er die seiner Ansicht nach schlechte Qualität der Speisen. Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker wies die Kritik vehement zurück. In den folgenden Tagen haben sich mehrere Bewohner und Angehörige in der Redaktion gemeldet, die sich hinter die Heimleitung und die Küche stellten. Das Essen sei weder schlecht noch zu wenig.

Elfriede Modest ist empört. Seit 17 Jahren ist sie für das Münchenstift tätig, seit 2009 Vorsitzende der Gesamtbewohnervertretung. Die Ernährung werde im Münchenstift sehr ernst genommen, sagt sie. „Ich kenne das System im Stift und kann sagen: Es gibt keinen Hunger in den Häusern. Wenn das Essen an der Effnerstraße tatsächlich so scheußlich und unappetitlich wäre, wäre uns das sicher im Laufe der Jahre vorgetragen worden.“

Benker: Kritik ist nicht nachvollziehbar

Schönreden wolle sie nichts, sagt Modest. Das Münchenstift sei ein Riesenunternehmen – „dass da einmal das Fleisch zäh ist oder die Mehlspeise misslingt, kann sein. Aber natürlich soll das nicht vorkommen“. Kritik werde von der Heimleitung und der Küche ernst genommen.

Es gibt Öko-Brot im Heim? Um die Behauptung von Münchenstift-Chef Benker zu widerlegen, schickt Bewohnervertreter Rohloff dieses Bild vom 6. August aus der Küche des Heims St. Maria Ramersdorf.

Den Eindruck hat Reinhard Rohloff nicht. Der Bewohnervertreter aus dem Münchenstift-Haus in Ramersdorf behauptet, dass das Essen bei ihm im Heim nicht besser sei als an der Effnerstraße. Er habe wegen des Essens bereits mehrmals Beschwerden an die Heimleitung geschrieben. Was ihn besonders ärgert, ist die Aussage von Münchenstift-Chef Benker, dass zu viele Essenreste weggeworfen werden müssten. Damit wolle der Geschäftsführer einen ethischen Anspruch suggerieren. Rohloff sieht das anders: „Die Bewohner lassen das Essen ja nicht zurückgehen, weil es zu viel ist, sondern weil es ungenießbar ist.“ Beispiele nennt er 62-Jährige einige: Kaiserschmarrn und Millirahmstrudel bestünden aus Mehlbatzen, die jüngst servierte Ochsenbrust sei zäh gewesen. Bewohner, die die Ochsenbrust nicht kauen konnten, hätten von den Beilagen satt werden müssen. Es gebe Bewohner, die in einem nahegelegenen Supermarkt Brot kaufen und auf dem Stockwerk verteilen.

Für Siegfried Benker ist die Kritik nicht nachvollziehbar. „Ich halte die Aussage für empörend, dass das Essen nicht gegessen werden kann.“ Im Münchenstift gebe es hochwertige und ausreichende Mahlzeiten. Aber es gebe eben zwei, drei oder vier Bewohner, die einfach nicht zufriedenzustellen seien. Er spricht von Einzelmeinungen.

Pro Bewohner sind in den Häusern des Münchenstifts täglich 4,56 Euro für vier Mahlzeiten und Getränke einkalkuliert. Dennoch gutes Essen zu servieren sei möglich, weil die Einrichtung ein Großunternehmen sei und Waren zu besonders guten Konditionen beziehe, sagt Benker. Andere Seniorenheime würden das Münchenstift um seine gute Küche beneiden. Beschwerden seien selten.

"Wir haben tolle Schwestern"

Das sagt auch Elfriede Modest. Im Münchenstift gebe es einen Briefkasten, in den Bewohner oder Angehörige Beschwerdebriefe sogar anonym einwerfen könnten. Richtig sei, dass in den Häusern möglichst wenig Essen weggeworfen werden soll. Geht also auf einem Stockwerk das Brot aus, seien die Bewohner und Mitarbeiter angehalten, zunächst in den anderen Wohnküchen nachzufragen und sich auszuhelfen. Darin sieht Modest kein Problem.

Rohloff wirft der Heimleitung vor, am Essen zu sparen, um die Renditen zu erhöhen. Die Mahlzeiten seien von vorneherein knapp bemessen. Da die Qualität nicht stimme, gehe trotzdem immer wieder ein Teil des Essens zurück. Und die Leitung interpretiere das so, dass die Portionen eben zu groß seien, und reduziere das Essen weiter. So habe es früher mittags eine Nachspeise und nachmittags ein Stück Kuchen gegeben. Seit Dezember müssten die Bewohner nun wählen: Nachspeise oder Kuchen. Das habe die Leute sehr enttäuscht. Benker zufolge ist diese Regelung inzwischen rückgängig gemacht worden.

Rohloff deutet auf einen Krug mit Mineralwasser in seinem Zimmer. Jeden Tag werde den Bewohnern solch ein Krug auf den Tisch gestellt – ohne Deckel. Das findet er unhygienisch. „Da kommen Staub und Fliegen hinein.“ Als Rohloff in den Aufzug steigt, begegnet ihm die Angehörige eines Mitbewohners. Die Frau bedankt sich, dass er sich für eine bessere Verpflegung ihres Mannes stark gemacht habe. Erst auf seinen Beschwerdebrief hin habe die Küche das Essen ihres Mannes umgestellt. Dem Personal will Rohloff keinen Vorwurf machen. Die Mitarbeiter bekämen Ärger, wenn sie nach Meinung der Heimleitung zu viel Essen bestellen. „Wir haben tolle Schwestern“, sagt Rohloff. Als fast rohe Kartoffeln serviert worden seien, hätten die Pflegerinnen sie püriert.

Siegfried Benker wehrt sich: „Ich weise den Vorwurf zurück, dass Leute hungrig vom Tisch aufstehen!“ Tatsache sei aber: „Wir wollen erreichen, dass die Bewohner weniger Essen stehenlassen.“ Man sei bemüht, dafür zu sorgen, dass jeder das Essen kriegt, das er möchte. Bei 2100 Menschen sei das jedoch nicht immer einfach. Die Speisen seien jedenfalls hochqualitativ. „Ich esse selbst jeden Tag im Heim.“

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