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Anton Kaiser mit einem seiner drei Lamas. Künftig will der Zirkus-Direktor seine Gehege mit Video überwachen.

Auf dem Mittleren Ring

Schon wieder: Zirkustier freigelassen - von Lkw überfahren

München - Schon wieder haben Unbekannte Tiere eines Zirkus freigelassen. Diesmal wurde in Bogenhausen das Gehege mehrere Rinder und Kamele geöffnet. Ein Kalb konnte nicht mehr eingefangen werden - es lief auf den Mittleren Ring. 

Es soll ein Tag voll Spaß und Freude für die ganze Familie werden. Der Circus Baldoni öffnet am Montag wie jeden Tag um 14 Uhr sein Hüpfburgenland an der Ecke Cosima- und Johanneskirchner Straße. Knapp 20 Besucher sind kurz vor 16 Uhr auf dem Gelände. Von diesem gelangt man durch ein Türchen zu den Tiergehegen des Zirkus mit Kamelen, Pferden, Lamas, ein paar Ziegen und den zwei Zwergzebu-Kälbern Ilka und Zabu. „Ich finde es schön, wenn die Kinder den Bezug zu den Tieren haben“, sagt Zirkusdirektor Anton Kaiser (44).

Doch plötzlich kommt Hektik auf. Ein Sohn von Kaiser, der für die Aufsicht der Tiere zuständig ist, sieht, wie sich ein älterer, grauhaariger Mann am Tor des Zebu-ZiGeheges zu schaffen macht. In der Nähe stehen noch ein weiterer, jüngerer Mann und eine Frau. Bevor der Sohn die Täter aufhalten kann, fliegt das Tor schon auf, und die kleine Ilka rennt heraus. Die Täter flüchten laut Kaiser sofort durch ein Gebüsch in Richtung der Johanneskirchner Straße – und entkommen. Und Ilka stürmt über das Gelände. Ein Lama und ein Kamel, die gerade für die Kinder herumgeführt werden, gehen wegen des Tumultes ebenfalls durch. Sie können von der Familie Kaiser schnell wieder eingefangen werden – die kleine Ilka ist aber nicht mehr zu stoppen und galoppiert auf die Straße.

Noch an Ort und Stelle von Leiden erlöst

Ist sehr nervös seit dem Vorfall am Montag: Das Zebu-Rind "Zabu" steht jetzt ganz allein in seinem Gehege.

In Panik läuft das Kalb mehrere Kilometer weit durch die Straßen. Auf der Bülowstraße rammt Ilka ein parkendes Auto. Ein Passant versucht vergeblich, das Tier auf der Pienzenauer Straße einzufangen. Schließlich rennt das Kalb auf den Isarring, wo es von einem Lastwagen erfasst und schwer verletzt wird. So schwer, dass das Tier noch an Ort und Stelle von seinen Leiden erlöst wird. Ein Polizist erschießt das Rind.

Die Ereignisse des Vortages gehen Kaiser auch am Dienstag noch sehr nahe. Vor allem die Frage nach dem „Warum“ lässt dem Zirkus-Direktor keine Ruhe. Vorher hatte der kleine Zirkus, der nur in München und Umgebung unterwegs und seit Jahrzehnten in Familienhand ist, keine Probleme dieser Art. Ab und zu kommt es vor, dass Tierschützer mal vor dem Zirkus demonstrieren. Aber die waren immer friedlich. „Und das soll jetzt Tierschutz sein?“, fragt der sichtlich mitgenommene Zirkus-Chef zynisch. „Lieber sollen sie zu mir kommen und mir eine verpassen, als es an meinen Tieren auszulassen.“ Bei dem Gedanken an sein totes Tier bekommt er eine Gänsehaut, der sonst bestimmte Tonfall wird zittrig. Und es geht ihm nicht nur um die Tiere. „Es hätte sonst was passieren können – auch Menschen verletzt werden.“

Nicht der erste Vorfall dieser Art

Die Vorfälle mit freigelassenen Zirkustieren haben sich zuletzt in München gehäuft. Erst vor drei Wochen wurden beim Zirkus Kaiser mehrere Tiere freigelassen, ein Strauß lief vor ein Auto und starb. Damals wurde schnell die Tierschutzorganisation „Peta“ als möglicher Drahtzieher vermutet. Beweise hierfür gibt es bis heute nicht. Auch von den Tätern am Montag fehlt bislang jede Spur. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung – auch wegen des Sachschadens von mehreren tausend Euro. Der Zirkus verstärkt unterdessen seine Sicherheitsmaßnahmen: „Wir werden den Platz künftig auf Anraten der Polizei videoüberwachen“, sagt Kaiser.

Moment, mal?! Exotischer Gast am Mittleren Ring

Lisa-Marie Birnbeck

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