Bahn reagiert auf #MUCFAILS

Nach MVV-Falle: Leser haben noch Schlimmeres erlebt

München - Nachdem MVV-Kontrolleure eine Mutter in der S-Bahn abgezockt haben, sind die Reaktionen unserer Leser zweigeteilt. Einige schildern noch drastischere Vorfälle:

+++ Update vom 23. September 2016 +++

Die Reaktionen unserer Leser

Eines vorweg: Die Reaktionen auf die Geschichte um eine fiese Kontrollfalle der MVV waren sehr zweigeteilt. Es gab einen unsichtbaren und einen sichtbaren Teil. Und beide Seiten waren unglaublich.

Auf die offene Bühne von Facebook und die Leserkommentare zum Artikel drängt es vor allem die Befürworter von strengen Kontrollen. Dass die betroffene Frau ein „ausländischer Fahrgast“ ist, reicht heutzutage, um reflexartig gröbste Beleidigungen freizusetzen. „Wir müssen uns im Ausland ja auch an Recht und Ordnung halten“ war hier noch der netteste Kommentar, den wir veröffentlicht haben. Daneben gab es auch einige sachliche Verteidiger des MVV und der Bahn: „Der Fahrpreis wäre günstiger, wenn alle Schwarzfahrer erwischt würden,“ meinte etwa Erwin auf der Facebook-Seite von Merkur.de.

Bei Twitter schreibt "DerMeier": 

Elena per Mail: „Bildschirm war geblendet von Sonne, neben mir standen zwei Männer, die mich drängten einzusteigen. Es waren Kontrolleure, die mir dann 60 Euro abnahmen..“ 

Jessica per Mail: „Eine Freundin fuhr schwarz und bezahlte die 60 Euro ohne Theater zu machen. Sie fragte, ob sie damit weiterfahren könnte und der Kontrolleur bejahte das. Ein weiter Kontrolleur, der daneben stand, wartete ab und kassierte dann noch einmal 60 Euro.“ 

Andreas per Mail: „Ich bat einen Kontrolleur nach seinem Ausweis, den er mir widerwillig zeigte. Sie haben sich grade meinen Ausweis genau angesehen, jetzt schaue ich mir Ihre Fahrkarte auch genau an – und dann suchte er so lange, bis er was fand und verlangte 60 Euro"

Reaktionen wie diese zeigen vor allem eines: Der von uns geschilderte Fall war kein Einzelfall. Und er zeigt auch: Die S-Bahn ist ein wichtiger Teil unseres Pendler-Lebens. Grantige Kontrolleure sind vielleicht auch nur dazu da, um seinen Unmut an sonstigen Pannen abzulassen.

Insgesamt war der Artikel ein Ventil für aufgestaute Kritik am öffentlichen Nahverkehr in München. Leser haben uns auf Twitter, per Facebook, in Kommentaren, per Anruf und E-Mail rund 30 Fälle dieser Art geschildert.

Betrügerische Fahrkarten-Verkäufer, Hilfe bei S-Bahn-Ausfällen, Nachzahlungen bei unklaren Ticketpreises, unsaubere Toiletten am Bahnhof, Probleme mit den Automaten und vieles mehr – die Themen werden wir unabhängig von diesem Fall aufarbeiten.

Jetzt reagiert die Bahn: Wir nehmen den Vorfall sehr ernst

Sehr professionell arbeitet die Bahn den Vorfall auf: „Die S-Bahn München nimmt den Vorfall sehr ernst und hat deutlich gemacht, dass ein Fehlverhalten von Kontrolleuren nicht geduldet wird. Wenn sich der Vorfall wie von Ihrer Leserin geschildert abgespielt hätte, hätte dies schwerwiegende arbeitsrechtliche Konsequenzen für unsere Mitarbeiter zur Folge“, berichtet uns ein Bahn-Sprecher am Freitag nach dem Vorfall.

Am Ende steht wohl Aussage gegen Aussage. Nach Angaben der Bahn weisen die Kontrolleure die Vorwürfe von sich: Sie hätten der ausländischen Passagierin deutlich gesagt, dass sie ein Ticket nachlösen müsse.

In diesem Zusammenhang weist die Bahn auf ein ernstes Problem hin, mit dem sich die Bediensteten auf den Flughafen-Strecken immer wieder auseinandersetzen müssen. „Ob ein Fahrgast tatsächlich kein Deutsch oder Englisch spricht oder nur vorgibt, nichts zu verstehen, kann von unseren Prüfern nicht beurteilt werden. Viele ehrliche Fahrgäste haben aber kein Verständnis dafür“, erklärt der Bahn-Sprecher.

Das Foto links schickt uns die Bahn, um zu zeigen, dass man sich am Flughafen sehr bemüht, die Tickets deutlich zu kennzeichnen. Die betroffene Frau hätte zum Beispiel ein "Airport-City-Day-Ticket" lösen können. 

+ + + Erstmeldung vom 20. September 2016 + + + 

Ärger mit Kontrolleuren: MVV stellt Mutter fiese Falle

Erneut Ärger mit S-Bahn-Kontrolleuren in München. Hat der MVV einer Mutter mit Kind eine Ticket-Falle gestellt? Der Trick jedenfalls ist ziemlich gemein: 

Karin B. (37, Name von der Redaktion geändert) kann ihr Entsetzen kaum unterdrücken. Was die Münchnerin am Donnerstag vor der Wiesn selbst miterlebte, nimmt sie jetzt noch mit: "Die haben die Frau absichtlich auflaufen lassen", erzählt Karin B. Im Stil eines "Schlägertrupp" sollen die Passagiere zur Kasse gebeten worden sein. 

Was war passiert? Karin B. war gegen 18.20 Uhr beim Besucherpark in die S8 Richtung Stadt eingestiegen. Die Managerin wird auf eine Situation am Nachbarsitz aufmerksam. Eine ausländische Mutter mit Kind, westlich gekleidet, ist sichtlich nicht in der Lage sich auf Deutsch auszudrücken. Die Frau zeigt zwei Kontrolleuren um die 30 Jahre den Fahrschein. Doch es gibt Probleme: "Wo wollen Sie hin, zum Hauptbahnhof?", fragt einer der beiden. "Ihr Ticket ist nicht bis zum Hauptbahnhof gültig." Die Passagierin versteht kein Wort, erklärt mit Händen und Füßen, dass sie am Flughafen einem fremden Mädchen Geld gegeben hat. Sie vertraute darauf, dass sie das richtige Ticket erhielt.
Die Schaffner ziehen wortlos weiter. Die Sache ist aber noch nicht ausgestanden.

"Die haben ihr richtig aufgelauert"

Haltestelle Hallbergmoos. Die beiden Männer warten, bis die S-Bahn wieder losfährt. Das beobachtet Karin B. "Die haben hinter der Frau gelauert." Dann fordert der Kontrolleur mit der schwarzen Jacke: "Sie zeigen mir jetzt ihren Ausweis!" Die Mutter zittert am ganzen Körper, traut sich nicht ihren Ausweis aus der Hand zu geben. Stattdessen versucht sie anhand eines Reiseplans zu erklären, wohin sie muss. Karin B. will vermitteln; die Kontrolleure weisen sie ruppig ab.

Wie ein "Schlägertrupp" abkassiert

"Die haben behauptet, sie hätten der Frau genau erklärt, dass sie an der Halteselle Hallbergmoos aussteigen muss, nun sei sie selbst schuld", erinnert sie sich. Entsetzt muss die Münchnerin mit ansehen, wie die Mutter mit Kind und Gepäck gewaltsam zum Aussteigen genötigt wird. Schließlich muss sie 60 Euro Strafgeld zahlen.

"Die haben ihr bewusst eine Falle gestellt und dann wie ein Schlägertrupp abkassiert." Die Geschäftsfrau will eigentlich nicht so ein Wort wie "Schläger" verwenden, aber sie sucht nach Worten, um ihre Hilflosigkeit über die Aggressivität der Kontrolleure zu beschreiben.

"Das kann doch nicht sein, dass die so brutal auftreten", meint sie, "die hätten der Frau doch auch erklären können, dass sie aussteigen muss und sich ein Ticket nachlösen." So sei das reine Abzocke.

Die Bahn will den Vorfall nun "genauestens prüfen". Die Kontrolleure hätten sich nicht korrekt verhalten, sagt ein Sprecher. Man gehe aber von einem Einzelfall aus. Der Sprecher weist auch darauf hin, dass gerade ausländische Gäste leicht eine Fahrkarte am Automaten bekommen, etwa durch das "Airport-City-Day-Ticket". 

Michael Praetorius: Niemand übernimmt Verantwortung

Wenig verwundert über den Vorfall ist der Münchner Journalist Michael Praetorius. Der hatte im Mai 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil er sein MVV-Ticket aus Ärger über einen rüden Kontrolleur verbrannt hatte. Der Schaffner hatte in seinem Fall einer chinesischen Passagierin den Pass abgenommen und damit seine Rechte weit überschritten. Praetorius’ Video verbreitete sich im Nu über die sozialen Netzwerke und der MVV wurde mit Hunderten negativen Kommentaren bombardiert.

"Ich hatte denen die Möglichkeit gegeben zu reagieren", erklärt er im Gespräch. "Alles was denen eingefallen ist, war ein Treffen mit zwei Mitarbeitern, die mir zwei Stunden lang das Tarifsystem erklärten. Nichts von Innovation, keine Reaktion auf den Shitstorm und die vielen negativen Kommentare."

Anbindung zum Flughafen "allenfalls Kreisklasse"

"Auch bei diesem Vorfall wird sich wieder niemand zuständig fühlen: Die S-Bahn wird von der Deutschen Bahn betrieben, die MVG macht die U-Bahn, der MVV das Tarifsystem", erklärt Praetorius. "Dort schiebt man die Verantwortung gerne hin und her. Beschwerden werden wegverwaltet.“

Ärgerlich findet das auch ein Sprecher des Flughafens: "Der Flughafen München wird immer wieder mit Bestnoten bedacht, nur die Anbindung ist unser Manko und wird von Passagieren häufig kritisiert." "Allenfalls Kreisklasse" findet er die derzeitige Situation im Vergleich mit anderen europäischen Flughäfen.

Unser Kommentar: Standortnachteil S-Bahn

#MUCFAILS Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse!

Wir möchten gerne wissen, ob dies ein Einzelfall war, oder ob Sie Ähnliches erlebt haben. Schreiben Sie Kommentare unter diesen Artikel. Berichten Sie auf Facebook oder Twitter unter dem Hashtag #MUCFAILS - wir greifen Ihre Geschichten auf und berichten.

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