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In die Jahre gekommen: das Schlachthofgelände in der Isarvorstadt.

Gerücht um Abwanderung nach Aschheim

Verschwindet der Münchner Schlachthof aus der Stadt?

München - Der in die Jahre gekommene Münchner Schlachthof könnte Stück für Stück nach Aschheim abwandern. Im Landkreis München entsteht ein Fleischgroßhandelszentrum. Einige Fleischerbetriebe, die an der Zenettistraße firmieren, haben bereits Vorverträge unterschrieben.

Elf Hektar groß ist das Gelände an der Aschheimer Klausnerstraße. Hier, ganz in der Nähe der Autobahnausfahrt Aschheim der A99, will der Immobilieninvestor Opus Munich GmbH & Co. aus Nordrhein-Westfalen ein großes, zweistöckiges Zentrum für Schlacht- und Fleischereigroßhandelsunternehmen errichten. Und was da entsteht, hat viel mit dem Münchner Schlachthof zu tun. Es könnte ihm sehr schaden. Am Dienstag berät der Bauausschuss der Gemeinde Aschheim über das Bebauungsplanverfahren. Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) erklärt: „Einige Firmen aus dem Münchner Schlachthof haben bereits Vorverträge unterzeichnet.“ In Aschheim geht man davon aus, dass nach und nach weitere folgen werden.

Vom Schlachthof gibt es kein Statement

Aus München dagegen ist noch keine Bestätigung für einen Umzug zu erhalten. Anfang der 2000er-Jahre wurden die Schlachtbetriebe für Rinder und Schweine im Schlachthof privatisiert, daneben agieren Dutzende Fleischhändler auf dem Areal an der Zenettistraße. Die Münchner Schlachthof Betriebs GmbH, die den Schlachtbereich für Rinder betreibt, hüllt sich in Schweigen. Gibt es Umzugspläne? „Derzeit werden wir uns zu diesem Thema nicht äußern“, teilt Geschäftsführerin Andrea Attenberger mit. Auch bei Vinzenzmurr – der Großmetzger ist neben MRT Leidmann und dem Fleischgroßhandel Bauer für die Schweineschlachtung verantwortlich – war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

Das Gelände gehört der Stadt, aber...

Das Schlachthofgelände in der Isarvorstadt gehört der Stadt, allerdings gilt für die Privateigentümer das Erbbaurecht. Da überrascht es wenig, dass auch Axel Markwardt, SPD, als Kommunalreferent Erster Werkleiter des Schlachthofs, mitteilen lässt: Das Gerücht über die Verlagerung des Schlachthofs nach Aschheim sei bekannt. Von Tatsachen aber wisse man nichts. Dass die Gebäude des Schlachthofs in die Jahre gekommen sind, ist dagegen kein Geheimnis. Unter der Hand bestätigt ein Branchenkenner, dass der Tierschutz außerhalb der Stadt sicherlich besser gewährleistet werden könne. Denn: Der Transport in großen Lastwagen in die Innenstadt verursacht Stress bei den Tieren – und der wirkt sich negativ auf die Fleischqualität aus.

Lokalpolitiker aus dem Viertel wissen nichts vom Wegzug

Im Viertel selbst will man an den Wegzug der Schlachtbetriebe noch nicht glauben. „Das ist mir vollkommen neu“, sagt der zuständige Bezirksausschuss-Chef Alexander Miklosy (Rosa Liste). Er sehe für die Betriebe im Viertel keinen Grund, wegzuziehen. Manuele Massari betreibt neben dem Areal einen Laden für Messerschleiferei und Metzgereiartikel. „Seit sicher zehn Jahren gibt es immer mal wieder solche Überlegungen“, sagt er. Auch deshalb hat Massari sein Kerngeschäft ausgeweitet und macht einen Großteil seines Umsatzes mit dem Verkauf neuer und gebrauchter Gastronomiemaschinen. Um nicht nur von den Metzgern auf dem Schlachthof-Areal abhängig zu sein, arbeitet er mittlerweile viel mit Betrieben im Bahnhofsviertel zusammen. Trotzdem würde ihn ein Wegzug der alteingesessenen Schlachthof-Fleischer treffen. Rund ein Drittel seiner Kunden könne ihn das kosten, schätzt er.

Ein Verlust für die Atmosphäre des Viertels

„Ich kann mir das nicht vorstellen“, sagt Metzger Heinz Heise. Seit 30 Jahren steht er hinter seiner Theke in der Adlzreiterstraße und hat gute Kontakte aufs Schlachthof-Gelände. „Dort wurde doch erst vor kurzem jede Menge Geld investiert.“ Besonders leid täte es ihm um die Atmosphäre des Viertels. „Das ist so eine tolle Gegend. Hier sieht man auch urige Leute, die es sonst so in der Stadt nicht gibt.“

Ähnlich sehen das auch Anwohner. Waltraud Schwaiger hat früher selbst auf dem Gelände gearbeitet, wohnt seit über 20 Jahren in der Gegend. „Wenn jemand fragt, wo ich wohne, sage ich immer am Schlachthof. Ohne den wäre es nicht mehr das gleiche Viertel“, sagt sie. „Der Schlachthof ist das Wahrzeichen des Viertels“, meint auch der 33-jährige Lutz Hänig. „Ich komme selber vom Land und esse Fleisch. Mich stören die Gerüche nicht“, sagt er. Auch Bezirksausschuss-Chef Miklosy betont, niemand schäme sich zu sagen, er wohne in der Gegend. „Die Leute hier haben ein großes Selbstbewusstsein mit ihrem Schlachthof.“

Der Wegzug der Großproduzenten aus der Stadt

Der Münchner Schlachthof stünde nicht alleine da. Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Koffer gepackt und ihren Produktionsstandort von innerhalb des Mittleren Rings an den Stadtrand oder gar ins Umland verlagert. Zu wenig Platz, keine Möglichkeit, auf energieeffiziente Technologien umzustellen, Probleme mit dem Lieferverkehr: Das waren nur einige der Gründe, die die Betriebe für ihren Wegzug angaben. 

Der Leuchtmittelhersteller Osram hat 2012 nach gut 45 Jahren seinen Stammsitz an der Candidstraße unterhalb des Grünwalder Stadions aufgegeben. 1200 Mitarbeiter sind in den Skyline Tower in Nordschwabing umgezogen. Die alten Gebäude werden derzeit als Unterkunft für 1000 Flüchtlinge genutzt. Ab Mitte 2018 sollen auf dem Areal Wohnungen entstehen. 

Der Brillenproduzent Rodenstock hat sein Quartier im Dreimühlenviertel Ende 2011 aufgegeben und ist an die Elsenheimerstraße in Laim gezogen. 284 Wohnungen sind auf dem Areal entstanden.

Paulaner braut seit Herbst 2015 in Langwied. Am alten Standort entstehen derzeit neben dem neuen Verwaltungsgebäude der Brauerei tausende Wohnungen. Die Bayerische Hausbau startet im Sommer mit dem Bau ihres Quartiers mit 1400 Wohnungen. Im Teilgebiet zwischen Falken- und Ohlmüllerstraße wird ab 2017 gebaut. An der Regerstraße, wo die meisten Wohnungen entstehen, kann erst 2017 mit dem Abriss und 2018 mit dem Bau begonnen werden.

Der Teigwarenhersteller Bernbacher hatte im Januar 2012 angekündigt, seinen Standort in der Oberen Au aufzugeben und nach Hohenbrunn im Landkreis München zu verlegen. Auf dem Gelände am Tassiloplatz entstehen gerade 225 Wohnungen.

Stadtplaner sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits entsteht so Platz für dringend benötigte neue Wohnungen. Andererseits sollen aber Gewerbeflächen in der Stadt erhalten bleiben, damit sich keine Monostruktur herausbildet. Abgewendet wurde der Wegzug der Großmarkthalle von ihrem Traditionsstandort in Sendling. Die Pläne für den Neubau der Halle stehen – und sie sehen vor, dass auf dem Areal westlich der Thalkirchner Straße bis hin zum Gotzinger Platz Wohnungen entstehen können.

C. Wörmann, A. Schall und F. Müller

 

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