Tollwood-Kritik

Jan Delay funkt gegen König Fußball

München - Es ist schon ein bitteres Los, wenn man gegen ein EM-Halbfinale mit deutscher Beteiligung anspielen muss. Oder doch nicht? Jan Delay und seine Band Disko No.1 haben dem Publikum mehr Freude bereitet als König Fußball! Die Kritik:

„Wegen König Fußball spielen wir jetzt nur noch drei Songs…“ Zum Glück war Jan Delays Ansage nach „Liebe“ und „Klar“ nur ein Scherz. Immerhin elf Musiker hatte er auf die Bühne in der Münchner Tollwood-Musikarena gestellt, um gegen die 22 Mann anzutreten, die sich eine Stunde nach Konzertbeginn in Marseille publikumswirksam beharken sollten. Dass Jan Delay und seine formidable Hausband „Disko No. 1“ dann doch satte zwei Stunden lang das randvolle Zelt in Bewegung versetzte, war nicht zu erahnen.

Im Hinblick auf die Kultur ist es jedenfalls eine beruhigende Nachricht, dass eine ganze Menge Menschen das Konzert eines deutschen Entertainers einem EM-Halbfinale vorzieht. Nicht nur mit Blick aufs Endergebnis in Marseille war der Abend im Münchner Musikzelt auch die bessere Wahl. Denn das, was Jan Philipp Eißfeldt da unter fabelhaften Sound-Bedingungen auf die Bühne stellte, hatte auch Europa-Niveau. Das aktuelle Album „Hammer & Michel“ von 2014 im Gepäck, zog der umtriebige Musiker seinem von Prince und den Blues Brothers infiltrierten Funk-Reggae-Gemisch den weißen Show-Anzug aus und die Lederjacke an. Um keinen Stilbruch verlegen, mixte er fröhlich Funk, Soul, Reggae, Dub, Hip Hop mit Rock, ließ wie ein DJ von seiner Band die Hits der jüngeren Rock- und Pop-Geschichte als Zitate in die eigenen Songs einbauen.

Bei aller Vielfalt klingt jeder Song zu 100 Prozent nach Jan Delay – ebenfalls eine selten gewordene Originalität, die das Publikum feierte. Der Hanseat hatte es in Nullkommanix um den Finger gewickelt und forderte es als „Background Street Boys“ für Hintergrundgesang oder als „M-Sync“ für Choreographien: Freudig hüpfte es auf sein Geheiß geschlossen von rechts nach links, ließ Shirts über dem Kopf propellern oder ließ sich auf Frage-Antwort-Spielchen ein. Den ohrenbetäubenden und andauernden Schlussapplaus von seinem durchgeschwitzten Publikum hatte sich die fantastische und unglaublich dicht agierende „Disko No. 1“ redlich verdient: Jan Delay und seine elf „Spieler“ hatten Fußball schon zur Halbzeit wieder zur schönsten Nebensache der Welt werden lassen.

Christoph Ullrich

Rubriklistenbild: © dpa

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