Zum Schulstart

München schafft Platz für 100 000 Schüler

Zum Schulbeginn bricht München wieder den eigenen Rekord: Nie gab es mehr Schüler in der Stadt. Der Ausbau der Schulen geht voran. Doch es winken bereits neue Herausforderungen wie die G8/G9-Reform. Und beim Ganztag zeichnet sich eine neue Entwicklung ab.

101 675 Schüler besuchen ab heute Münchens allgemeinbildende Schulen, hinzu kommen 6009 Förderschüler. Damit hat sich die Stadt wieder selbst überholt: Es sind 2712 Schüler mehr als vergangenes Schuljahr. 10 891 sind Schulanfänger, ein Plus von vier Prozent. „München erhält irgendwann noch den Titel ,Fruchtbarste Kommune Deutschlands‘“, witzelte Beatrix Zurek (SPD), die neue Referentin für Bildung und Sport, gestern bei der Bekanntgabe zum neuen Schuljahr, das heute beginnt.

Die Gebärfreudigkeit, der Arbeitszuzug, die Flüchtlinge: Immer mehr Schüler brauchen mehr Schulen, mehr Betreuungsplätze und spezielle Klassen für Kinder, die kein Deutsch können. Was neu ist:

Neue Schulen

In diesem Schuljahr starten drei neue städtische und staatliche Schulen: die Grundschule an der Baierbrunner Straße, das Gymnasium München Nord (Eliteschule des Sports) und das Förderzentrum Margarethe-Danzi-Straße. Im Februar hatte der Stadtrat das erste Schulbauprogramm beschlossen, das 10 500 Plätze schaffen soll. Von 39 Baumaßnahmen laufen 33, vor allem Grundschulen sollen gebaut oder erweitert werden.

Weil aber neue Schulplätze schneller hermüssen als Schulen gebaut werden, stellt die Stadt seit Jahren Pavillons auf, flexible Modulbauten, die als Zwischenlösung dienen. Aktuell stehen in München rund 80 Anlagen. Zum Schulbeginn gehen 18 neue in Betrieb, bei neun verzögert sich der Start – teils weil noch Schadstoffmessungen durchgeführt werden, teils weil Baumängel aufgetreten sind. Zurek nannte die Pavillons aufgrund einiger Ärgernisse ironisch einen „Quell steter Freude“. Nichtsdestotrotz seien sie „notwendig“.

Bis 2023 will die Stadt weitere sechs bis sieben Gymnasien und drei Realschulen bauen – der Bildungsausschuss soll morgen vorentscheiden.

Ganztagsbetreuung

Hort, Tagesheim, Mittagsbetreuung, gebundener und offener Ganztag: Das Betreuungsangebot für Schulkinder deckt noch nicht den Bedarf, auch wenn aktuell 75 Prozent (Vorjahr: 74 Prozent) der Schüler versorgt sind. Schlusslicht bei den Stadtvierteln sind Sendling-Westpark und Laim mit 63 Prozent Versorgungsgrad. 1749 neue Plätze wurden geschaffen – in allen Formen.

Neu ist die offene Ganztagsschule: Vier Grundschulen bieten diese heuer erstmals an. Die geringe Zahl erklärte Zurek so: Schulen mit einer funktionierenden Mittagsbetreuung führten eher keinen offenen Ganztag ein, weil die Angebote kollidierten.

Gebundene Ganztagsklassen bieten 53 der 134 Grundschulen an, drei sind neu dabei. Neu ist aber auch, dass drei Grundschulen heuer keinen gebundenen Ganztag einführen konnten, weil es zu wenig Anmeldungen gab. Auch die Helmholtzschule, die letztes Jahr mit dem Ganztag startete, konnte das heuer mit keiner ersten Klasse fortführen – mangels Interesse der Eltern. Zurek sagt, offenbar bevorzugten viele Eltern flexiblere Angebote für ihre Kinder, etwa die Mittagsbetreuung. Damit setzt sie einen anderen Akzent als ihr Amtsvorgänger Rainer Schweppe: Dieser hatte den gebundenen Ganztag energisch vorangetrieben, weil er ihn für pädagogisch überlegen hielt. Zurek sagte, sie befürworte auch den Ganztag, „aber offenbar fragen die Eltern auch andere Angebote nach“. Der Vorzug des gebundenen Ganztags – Wechsel von Lern-, Freizeit- und Ruhephasen – sei zugleich sein Nachteil, eben weil er „gebunden“ sei, sagte Alexandra Brumann, Leiterin des Staatlichen Schulamts. Vielen Eltern biete er zu wenig Spielraum, etwa für nachmittägliche Musik- oder Sportkurse. Ob das nachlassende Interesse einmalig sei oder ein Trend, „das muss man sehen“. Zurek gab zu, dass das System „sich noch entwickeln“ müsse: bei der Ferienbetreuung, doch auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung.

Flüchtlingskinder

110 Übergangsklassen gibt es heuer, davon 34 an der Grund- und 76 an der Mittelschule. Hier werden nicht nur Flüchtlingskinder, sondern alle Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse unterrichtet, bis sie in die Regelklasse können. Vor zwei Jahren waren es erst halb soviel Übergangsklassen. Stadt und Schulamt bemühen sich, dem Bedarf an Sozialarbeitern gerecht zu werden. Im November will das Bildungsreferat einen Plan zu „Integration in Bildung und Sport“ vorlegen.

G8/G9

Den Plänen von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) zufolge sollen sich Gymnasien zum Schuljahr 2018/19 selbst entscheiden, ob sie acht- oder neunjährigen Unterricht anbieten. Wie viele dann auf G9 umstellen, weiß noch niemand. Sollten jedoch – wie in bayernweiten Umfragen – 60 Prozent der Gymnasiasten die längere Variante bevorzugen, bräuchte es wiederum mehr Platz: Nach Zureks Berechnungen müssten dann in München drei zusätzliche Gymnasien neu gebaut werden.

31,6 Prozent aller Münchner Schüler besuchen heuer das Gymnasium, 11,7 Prozent die Mittelschule, 12,7 Prozent die Realschule. Vor allem die städtischen Realschulen erleben enormen Zuwachs: Stolze 16 neue Klassen gibt es heuer – laut Zurek auch, weil viele Schüler vom Gymnasium herüberwechseln

Christine Ulrich

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