Kritik an Integrationspolitik 

"Annas" Abschiedsbrief: Kontroverse Reaktionen unserer Leser

München - Der Brief einer verzweifelten Mutter zum Thema Integration hat eine große Diskussion in München ausgelöst. Von unseren Lesern erhält "Anna" viel Zustimmung für ihre offenen Worte. Andere sehen die Situation in München weniger kritisch.

Unsere Redaktion hat seit der Veröffentlichung des Briefes einer verzweifelten Münchner Mutter alias Anna jede Menge Zuschriften über unser Kontaktformular und per E-Mail erhalten, aber auch der Artikel selbst ist heftig kommentiert worden. Hunderte Beiträge sind bis Sonntagmorgen* zusammengekommen.

Eines steht dabei fest: Das Thema, wie Integration in München derzeit und bereits seit Jahren passiert, bewegt die Menschen. Der sehr ehrlich geschriebene, offene Brief der 35-Jährigen, die ihren Alltag im Stadtteil Milbertshofen/Am Hart beschreibt, und darlegt, weshalb sie und ihre Familie die Stadt verlassen, ruft viel Zustimmung hervor - aber auch Vorwürfe wegen "rassistischer Aussagen" und Zweifel an deren Wahrheitsgehalt.

Hier einige Reaktionen unserer User. 

Bavariator: Was ich [in dem Brief, Ergänzung der Redaktion] gelesen habe macht mich wütend und traurig zugleich. Ich kann die darin geäußerten Gedanken und Empfindungen der Schreiberin nachvollziehen, da ich die Entwicklung dieses Stadtteiles - regelmäßig und gottseidank - aus größerer Distanz miterlebt habe. Ich glaube, dass unsere rot-grün-bunten und/oder von zu starkem Sozialempfinden geprägten Volksvertreter aus Staat und Kirche schnell aufwachen sollten. Hier setzt eine Entwicklung ein, die aus meiner Sicht Lawinencharakter hat und uns Normalos alle überrollen wird. Es ist kaum zu begreifen, wie Vertreter aus Staat und Kirche in ihren gebauten oder selbst herbeiphantasierten Elfenbeintürmen davon nicht Notiz nehmen können/wollen.

Plüschi:  Liebe Anna! Danke für Deinen Artikel!!! Ich bin Münchnerin und habe 3 Kinder im Grundschulalter. Jedes Deiner Worte stimmt! Ich habe eine Zeit lang mit meinen Kindern in der Nähe von Frankfurt gelebt und dort war es noch schlimmer. Meine Kinder durften auch dort keine Salami auf ihrem Pausenbrot haben, weil man sich nun mal "an der Mehrheit" der Kinder im Kindergarten orientiert. Es gab im Kindergarten auch kein Ostern, nur ein Hasenfest. Also bin ich von Hessen nach Bayern geflüchtet, in der Hoffnung hier meinen Kindern die Werte vermitteln zu können, die mir wichtig sind. Aber auch hier in München entwickeln sich die Dinge negativ, anstatt von Ausländern Integration zu fordern, wird von uns Anpassung und überzogene Toleranz gefordert. Übrigens Anna, ich bin diesen Monat auch von München Stadt aufs Land gezogen und meine Kinder gehen jetzt auch auf eine Privatschule. Demnächst lernen sie einen Kampfsport. Bin gespannt, was andere Mütter berichten. Liebe Grüße

Freie Fahrt: Ja klar, Anna. Das glauben wir dir alle sofort. Wir glauben ja auch, dass der Klimawandel ein linksrotgrüne Erfindung ist, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen und dass die Bundesregierung einen geheimen Plan verfolgt, die deutsche Bevölkerung auszutauschen. Uns kann man alles und nichts erzählen. Wir glauben eh nur das, was in unser Weltbild passt. Natürlich gibt es viele Migranten und natürlich gibt es auch mal Probleme. 

Aber meine Erfahrungen sind auch nicht negativer als mit der einheimischen Bevölkerung. Bei Migranten haben viele Leute halt das Gefühl, dass an jedem Problem der Migrationshintergrund das entscheidende ist. Dass der Brief dieser angeblichen Anna durchaus auch rassistische Elemente enthält müsste ja eigentlich auch der Redaktion aufgefallen sein. Und da er auch Elemente enthält, die zumindest stark übertreiben, wenn nicht der Fantasie entsprungen sind, verwundert es schon, wenn dann zu einer sachlichen und mit Belegen unterfütterten Debatte aufgefordert wird. Gleichzeitig sollen angebliche persönliche Erlebnisse diese Sachlichkeit gewährleisten. Und da gibt es natürlich auch keine Belege, sondern jeder kann erzählen, was ihm gerade so einfällt, kein Mensch kann da den Wahrheitsgehalt überprüfen. Das ist absurd, was die tz hier anbietet. Wo doch jeder weiss, dass diesbezüglich im Internet sehr viel manipuliert wird.

User IloveBavaria: Es geht hier um eines der Problemviertel in München

IloveBavaria: [...] München war, ist und wird auch weiterhin paradiesisch bleiben. Ich bin froh in solch einer schönen Stadt Tag für Tag leben zu können und dafür bin ich dankbar. Auch ich fand die Idee des MM gut wenngleich wir hier die Schilderung einer Mutter lesen konnten die in einer der 3-4 Problemviertel Münchens lebt. Das Leben am Hasenbergl, in Milbertshofen oder Perlach war schon immer etwas schwieriger als im Rest von München. Das hat sich auch bis heute nicht geändert und wird sich auch nicht ändern. Es wird immer Menschen geben, egal ob Inländer oder Ausländer, die sich keine bessere Wohnlage leisten können. In diesen Vierteln ist der Ausländeranteil hoch und die Probleme für die dort ebenfalls lebenden Deutschen sind sicher vorhanden, wenngleich auch längst nicht so übertrieben wie in diesem Brief dargestellt. Aber dies als Maßstab für den Rest von München oder gar Bayern zu nehmen, wäre ein großer Fehler. Besonders in den ländlichen Regionen Bayerns gibt es diese geschilderten Problematiken so gut wie gar nicht. Ich wünsche allen eine gute Nacht und denkt daran, wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Ländern der Erde. Viele Menschen weltweit bewundern uns für das was wir geschaffen haben. Darauf sollten wir Stolz sein und es uns nicht von irgendwelchen Griesgrämern schlecht reden lassen. Gute Nacht.

Andreas Holzwart:  Ich finde den Brief im Grundsatz sehr gut und und auch sehr zutreffend, ist bei uns hier nicht anders. Integration ist ein Miteinander aber das ist großteils von den Bevölkerungsgruppen gar nicht gewollt. Ich Suche gerne den Dialog und nehme auch kein Blatt vor dem Mund, aber ich sehe es auch aktuell im Kindergarten unserer Kleinen, 25 Kinder davon drei deutschsprachige Kinder das ist keine Integration und auch nicht Förderungswürdig (Fördergelder). Genauso gibt es ein Vorschulprogramm "Vorkurs Deutsch 240" welches es Kindern mit Migrationshintergrund oder Sprachfehlern ermöglicht im Vorschuljahr verstärkt Deutsch zu lernen, Deutschsprachige Kinder werden hier bewusst ausgeschlossen. So zieht sich das quer durch die Bank egal wo man hinblick. Hier muss sich was ändern, denn es darf nicht sein das radikale Tendenzen in Deutschland die Oberhand gewinnen.

Monika G.: .. na ja ,, ich weiß nicht ,, hört sich ein bisschen "komisch" an ,,das sind schon eigenartige Beschwerden , was mich an diesen Brief "stört" , die Erwähnung freilaufender Hunde im Park ,, da würde eine Beschwerde beim Ordnungsamt ausreichen , denn die sind bekanntlich sofort zur Stelle , wenn es darum geht Bußgelder einzukassieren . auch kenne ich keinen Park , wo das so hergeht , dass die Hunde freilaufen und Leute anfallen ,, das sind eher Ausnahmen, ... auch etwas übertrieben mit den vielen Krabbelgruppen dargestellt ,, obwohl das Problem im Kern bestimmt besteht , das würd ich nicht anzweifeln ,, !

Userin Hanwie: "Leute, kommt mal runter!"

Userin Hanwie:  Leute, kommt mal runter! Auch ich (biodeutsch) wohne mitten in München. Und ich will nicht leugnen, dass es durchaus Integrationsprobleme gibt und Migranten, die lieber bequem in ihrer Community verharren. Aber: Viele Migranten haben auch kaum Chancen, in die homogenen Strukturen von uns Biodeutschen hineinzukommen! Als meine beiden Kinder geboren wurden, habe ich jedesmal Kurse gemacht: Rückbildungsgymnastik, Yoga, Babymassage etc.pp. In Untersendling. Und da waren ausschließlich weiße, sehr deutsche Mamas in den Kursen. Warum? Weil es einen bestimmten Bildungsgrad braucht, um überhaupt von den Kursen zu erfahren. Und genug Kohle, um mitzumachen. Viele Migranten-Mamis treffen sich lieber an der Plinganserstraße unter sich, wo sie ihre Heimatsprache sprechen können, ihre Kinder betreut werden, wo sie sich wohlfühlen - und wo dann leider wiederum kaum eine biodeutsche Mama den Fuß reinsetzt.

Wenn man sich also über die neue Segregation, Verdrängung etc. aufregt, sollte man immer gleichzeitig auch drüber nachdenken, welchen Anteil die Biodeutschen daran selbst haben. Sonst öffnet man Hetze und Rassismus Tor und Tür. Schuhregale im Treppenhaus? Warum nicht! Und ein leckeres Essen vorbeigebracht kriegen? Ich glaube jedenfalls, dass wir von den Migranten auch sehr viel Gutes lernen können. Aber nur, wenn wir uns überlegen, in welchem Land wir leben wollen. Und wenn die Integration von beiden Seiten klappt.

Klaus R.: Wieviel Verzweiflung steckt in einem Menschen, der sich so an die Öffentlichkeit wendet?

Klaus R.:  Ich möchte meine volle Hochachtung für den Mut von Frau Anna zum Ausdruck bringen. Endlich macht jemand den Mund auf und nennt die Dinge beim Namen. Wieviel Verzweiflung steckt in einem Menschen, der sich in dieser Form an die Öffentlichkeit wendet. Ich bin in diesem Stadtteil aufgewachsen und ein Teil meiner Familie lebt immer noch dort. Allerdings stellt sich auch hier seit einiger Zeit die Frage, wie lange noch. Beruflich bedingt bin ich schon vor einiger Zeit von dort weggezogen und sehe dadurch mit einem gewissen Abstand die zum Teil äußerst negativen Veränderungen dieses Stadtteils. Ich bin sehr weit weg von jenem Gedankengut, das uns Deutschen immer unterstellt wird, um uns einzuschüchtern und ein schlechtes Gewissen einzureden. Aber ganz ehrlich: Wenn ich solch einen Brief lese,......... ! Hoffentlich wachen die politisch Verantwortlichen aus Ihrem gut bezahlten Dornröschenschlaf auf und erkennen endlich die Problematik, die viele Menschen so wütend und verzweifelt macht. So jedenfalls ist der Weg in eine nicht mehr beherrschbare Situation vorgezeichnet. Ich wünsche Frau Anna und Ihrer Familie alles Gute und mögen Sie weiterhin so mutig durchs Leben gehen!

Anna:  Wir (Familie mit 1 Sohn) können den Brief zu 100% nachvollziehen. Langsam fühlen wir uns fremd in der eigenen Stadt. Suchen gerade auch eine Bleibe außerhalb. Ein weitere Grund ist das Pilotprojekt von OB Reiter "Wohnen für alle". Die Anwohner wurden dabei völlig Übergangen und die Einwände ignoriert. Sicherlich hat keiner der Politiker eine solche Einrichtung vor der eigenen Haustür.

Anonymer User: Traurig aber wahr - genau so geht es in Deutschland zu. Leider hat die schöne Stadt München viel von ihrem Charme verloren. Integration würde bedeuten Werte, Kultur und vor allem Sprache zu vermitteln. Statt dessen wird Gruppenbildung gefördert. Wer sich der Sprache in seiner neuen Heimat so konsequent verweigert wie hier dargestellt der sollte auch auf die Leistungen des Sozialstaates verzichten. Die jahrzehntelange MultiKulti-Politik der Stadt München hat dazu geführt dass bayrische Durchschnittsfamilien nun die Ausnahme sind und gegenüber allen anderen integriert werden müssen. Wir sind zu Gästen im eigenen Land geworden.

User AlbrechtSchnabel: Integration erreicht man nun einmal durch Begegnung

AlbrechtSchnabel: Hmm, ist natürlich einiges suboptimal bei dem Geschilderten. - Andererseits scheint es eben auch so zu sein, dass man Integration durch Begegnung und Offenheit und Perspektivenwechsel eher erreicht, selbst als "Minderheit in München", wie die Autorin es schildert - und eher nicht durch Selbstgerechtigkeit, Empörung, cultural bias und eine Haltung, die fast ein wenig an "Herrenmenschentum" erinnert; zumindest liest man das zwischen den Zeilen durchaus heraus. - Keine einzige der angegriffenen Familien kann sich vermutlich, wie "Anna", einfach Mal so den Umzug in ein (vermutlich wohlhabendes, "deutsches") neues Viertel in einem der reicheren Vororte von München leisten. - Da der Umzug doch einige Mühe bereitet, "revangiert" sich Anna durch eine Anklage und Klageschrift gegen die Stadt München und gegen die vielen Familien mit Migrationshintergrund, die ihren Weg kreuzten. - Man mag, durchaus auch mit einigem eigenem Zynismus, das gebe ich zu, behaupten: Gerade diese Attitüde von Herrenmenschentum und Besserwisserei, von Überheblichkeit und mangelndem echtem Perspektivenwechsel, wie "Anna" sie vorführt, führt zu den mannigfaltigen Problemen, die wir heute haben. - Allerdings muss ich ehrlich zugeben: ich habe auch keine gute Lösung parat. - Mich widert allerdings der Stil dieser "Klageschrift" und Anklage gegen viele Menschen und Familien mit Migrationshintergrund in Milbertshofen, wie man ihn in diesem Anschreiben von Anna an den Oberbürgermeister der Stadt München Dieter Reiter und das "liebe München" leider gar nicht umhin kann herauszulesen, etwas an. "Lieb" ist das nicht gerade, beim besten Willen nicht. Man könnte sogar sagen: Es ist obere weiße Mittelschicht, die sich über viel Ärmere empört und entrüstet; das ist aber leider der Kern des Problems und keinesfalls die Lösung, wie "Anna" andeutet. - Herzliche Grüße und schönen Abend. 

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