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Im Krematorium am Ostfriedhof gibt es auch Führungen nach Anmeldung. 
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Das Lapidarium auf dem Alten Südfriedhof ist die einstige Aussegnungshalle. 
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Die Anastasia-Kapelle fügt sich harmonisch in  die Umgebung des Waldfriedhofs ein. 
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Florian Scheungraber am Grabstein der Familie Pschorr. 
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Friedrich von Gärtners Grabstätte. 
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Hier ruht Leo von Klenze. 
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Große Kunst: Carl Spitzwegs Grab. 

Mythische Plätze zu Allerheiligen

Münchens besondere Orte der Stille

München - Die Friedhöfe sind Trauerorte. Aber auch Stätten des Rückzugs und der Erholung. Wir haben uns auf die Suche nach ganz besonderen, ja fast magischen Orten gemacht.

 Einer davon ist das sogenannte Lapidarium, die ehemalige Aussegnungshalle aufdem Alten Südfriedhof. Durch ein Gitter können Spaziergänger in die Halle blicken, erzählt Peter Lippert von den Städtischen Friedhöfen München. „Ein Licht geht an – und die Besucher sehen Grabmalkunst.“ Eintritt in die Halle bei Führungen (etwa einmal pro Monat, Tel. 23199303).

Ein fast magisches Flair umgibt die Anastasia-Kapelle. Sie ist aus Holz, liegt im alten Teil des Waldfriedhofs und passt sich perfekt an ihre Umgebung an. Drinnen sind Fresken des Münchner Künstlers Max Lacher. Öffnungszeiten: Kapelle wie Friedhof 8 bis 19 Uhr. 

„Viele beschäftigen sich intensiv damit, wie sie beerdigt werden wollen“, so Experte Peter Lippert. Daher bieten die Städtischen Friedhöfe Führungen durchs Krematorium am Ostfriedhof(St.-Martin-Str. 41, Tel. 23199303).

Eine liebevoll gestaltete Grabanlage für Föten und Säuglinge gibt es im neuen Teil des Waldfriedhofs. Bis Allerseelen ist im Gräberfeld 601 eine Ausstellung zu sehen: Es werden „Liebensbriefe“ trauernder Angehöriger gezeigt. Kunstpädagogin Marielle Seitz (62) hat die Kinder und Erwachsenen angeleitet,ihre Trauer mit weißen Stiften und Kreiden auf transparenten Folien zu verarbeiten. 

Beim Friedhof am Perlacher Forst ist die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Hier liegen u. a. die Geschwister Scholl und Alexander Schmorell begraben. 

Wer mit der Familie noch einen Friedhofsspaziergang unternehmen will, kann auf den Alten Südfriedhof oder Alten Nordfriedhof gehen. Auf beiden wird nicht mehr bestattet, beide stehen unter Naturschutz. So wurde etwa auf dem Alten Südfriedhof der extrem seltene Efeu-Kugelkäfer entdeckt,und viele Münchner decken sich hier im Frühjahr mit Bärlauch ein. Die zwei Friedhöfe sind auch die einzigen,in denen joggen erlaubt ist. Auch eine Decke auszubreiten ist kein Problem. „Wir freuen uns, wenn die Münchner die Friedhöfe zur Erholung nutzen“, so Lippert. Freilich in angemessenem Rahmen: Laute Partys oder sonnen im Bikini sind nicht erwünscht.

Schmuckstücke für Verstorbene

Florian Scheungraber am Grabstein der Familie Pschorr. 

Florian Scheungraber weiß Bescheid. Über das Leben. Über das Sterben. Über den Tod. Seit Jahren führt er Besucher über den Alten Südlichen Friedhof, den er kennt wie seine Westentasche. Denn hier liegen nicht nur große Münchner Namen beerdigt, sondern es gibt auch prächtige Gräber zu sehen – die Schmuckstücke der Verstorbenen.

Die letzte Ruhestätte der Familie Pschorr etwa: mehr als zwei Meter hoch übereinander geschachtelt. Im herbstlichen Glanz wirkt der Grabstein besonders edel. Oder Leo von Klenze, der berühmte Hof-Architekt von König Ludwig I. Sein Grabstein findet sich nebendem Eingang des Lapidariums: meterhoch, verziert und frisch geschmückt. Mit einer Büste, die auf einer Säule steht. 

Nur besonderen Bürgern der Stadt wird posthum so viel Ehre zuteil. Gleich daneben: Friedrich von Gärtner, neben Klenze der zweite bedeutende Baumeister Ludwig I. am Alten Südlichen Friedhof wird er mit einem dreistöckigen Grab geehrt. In der Stadt ist der Gärtnerplatz nach ihm benannt. 

Eher schlicht dagegen das Grab des Malers Carl Spitzweg: Geboren am 5. Februar 1808 in Unterpfaffenhofen, gestorben am 23. September 1885 in München. Erlieferte im Laufe seines Lebens 1500 Bilder. Humorvoll und traurig in einem – auf jeden Fall wunderbar. Ein flaschenförmiger Stein erinnert an ihn. Hellgrau. Mannshoch. Ein Schmuckstück für den Unverstandenen.

Ramona Weise

Ramona Weise

E-Mail:ramona.weise@tz.de

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