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Gelungener Kompromiss: Am Hettlage-Gebäude bleiben die Arkaden, in der Tiefe leicht reduziert, erhalten. Am Kopfbau rechts verschwinden sie.

Siegerentwurf für Mega-Objekt in der Fußgängerzone

Alte Akademie: So sehen die Umbaupläne aus

München - Die Arkaden bleiben – größtenteils. Mit sensiblen und sparsamen Eingriffen in die Substanz hat ein Basler Büro den Planungswettbewerb für den Umbau der Alten Akademie für sich entschieden. Der Entwurf, so Jury-Chef David Chipperfield, sei „gut für München und die Menschen in dieser Stadt“.

Fast zwölf Stunden lang hat die 14-köpfige Jury am Freitag gerungen, welcher der Wettbewerbs-Vorschläge der beste sei. Am Montag verkündete Christoph Stadlhuber, Chef des Investors Signa, den fast einstimmigen Beschluss: Sieger ist das Baseler Büro Morger Partner Architekten.

„Die Arkaden waren das kritischste Thema“, berichtete der britische Architekt Sir David Chipperfield, per Video aus seinem Londoner Büro live zugeschaltet. Der Stadtrat hatte gefordert, die Arkaden zu erhalten, der Investor wollte die Fläche lieber gewinnbringend nutzen. Morger fand die Lösung, die alle überzeugte: Am Kopfbau der Alten Akademie, wo es sie früher nicht gab, verschwinden die Arkaden wieder. Am ehemaligen Hettlage-Gebäude bleiben sie, allerdings rücken die Schaufenster ein wenig weiter nach vorn ans Licht. Wie weit, steht noch nicht endgültig fest. Es werde genug Platz bleiben, um die Bogengänge nutzen zu können, versicherte Susanne Ritter vom Planungsreferat.

Söder verkaufte die Immobilie meistbietend

Wird öffentlich zugänglich: Der Schmuckhof, den die Basler Planer mit Arkaden eingefasst haben. Hier ist gastronomische Nutzung vorgesehen.

„Eine geniale Lösung“, schwärmte Polit-Rentner Kurt Faltlhauser. Er hatte als Finanzminister vergebens versucht, den Gebäudekomplex als Heimat der Wissenschaft zu erhalten. Institute, Universitäten und Fachministerien, so grollte er, hätten aber kein Interesse gezeigt. Nachfolger Markus Söder verkaufte die Premium-Immobilie schließlich in Erbpacht für 65 Jahre an den Meistbietenden. Auch Bayerns oberster Denkmalschützer Mathias Pfeil kann mit der Arkaden-Lösung leben. Er lobt, dass „die Eingangshalle im Schmuckhof als bedeutendstes Zitat der 50er Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird“.

Der Morger-Entwurf sieht vor, das westliche der beiden Portale der Akademie-Front an der Neuhauser-Straße zum repräsentativen Eingang in den Schmuckhof sowie zu den Büros und Wohnungen in den Obergeschossen zu machen. Die hinter dem Portal liegende Eingangshalle bleibe dadurch als „klassische Verkaufsfläche“ erhalten, so Stadlhuber. Das östliche Portal soll die Shop-Flächen im Erdgeschoss erschließen. Die Fassade längs der Neuhauser Straße bleibt unverändert.

Den Schmuckhof selbst haben die Planer für Gastronomie vorgesehen. Laubenartige Arkaden sollen die Wirkung des Hofs erhöhen und als Lärmschutz für die Wohnungen in den Obergeschossen dienen. Unterm Dach, so Stadlhuber, werde es keine Wohnungen geben. „Die historische Dachlandschaft bleibt im Großen und Ganzen erhalten“. Über die Dachgauben müsse man noch diskutieren.

Ein Fünftel wird mit Wohnungen belegt

Insgesamt bietet das Objekt 22.000 Quadratmeter Mietfläche. Gemäß den Wünschen der Stadt

Wird öffentlich zugänglich: Der Schmuckhof, den die Basler Planer mit Arkaden eingefasst haben. Hier ist gastronomische Nutzung vorgesehen.

soll etwa ein Fünftel mit Wohnungen belegt werden. Stadlhuber geht von Zwei- bis Vier-Zimmer-Einheiten aus, deren Mietpreis „der Lage und Qualität angepasst“ sein werde. Gut zehn Prozent der Fläche ist für Büros vorgesehen, gut zwei Drittel für Gastronomie und Einzelhandel. Beim Handel, so Stadlhuber, habe man „weder Schnäppchenmärkte noch den Luxusbereich“ im Blick. „Wir wollen den Einzelhandel weiterentwickeln, und das geht in Richtung Vermischung von Handel und Gastronomie“, sagte der Chef des Unternehmens, das zur Firmengruppe des österreichischen Milliardärs René Benko gehört. Als Beispiel für diese Entwicklung nannte er den Eataly-Markt in der Schrannenhalle.

Jetzt kommen Details zum Innenausbau

Nun sind zahllose Detailfragen zu klären – unter anderem auch, wie viel Substanz im Inneren der Gebäude erhalten bleibt und wie viel abgebrochen werden muss, so Susanne Ritter. Auch der Stadtrat soll mit dem Projekt befasst werden. Stadlhuber hofft auf eine Baugenehmigung Anfang 2018. Dann könnte der Umbau 2019 fertig sein.

Vorangegangen war dem Wettbewerb fast ein Jahr zähen Ringens mit Stadt und Denkmalschützern. Gut investierte Zeit, wie Architekt David Chipperfield bestätigte. Das Verfahren sei „beispielhaft“. Im Interessenkonflikt zwischen Stadtentwicklung und Bewahrung der historischen Substanz gebe es Städte, die zu forsch agieren, und solche, die zu mutlos sind, sagte Chipperfield. Hier jedoch habe man mit der gebotenen Sensibilität eine Lösung von „außerordentlich hoher Qualität“ gefunden.

Voraussichtlich Anfang Mai sollen alle Wettbewerbsbeiträge in einer Ausstellung gezeigt werden.

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