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Seit 1948 fördert das Amerikahaus die transatlantischen Beziehungen und den Austausch zwischen den USA und Deutschland/Bayern.

Interview zur Präsidentschafts-Wahl

Expertin: „Es könnte eine neue Faszination für die USA entstehen“

München - Meike Zwingenberger ist Geschäftsführerin der Stiftung Bayerisches Amerikahaus in München und kennt sich im transatlantischen Verhältnis bestens aus. Wir haben sie um ihre Einschätzung zur Wahl Donald Trumps gebeten.   

Das Amerikahaus, die Kulturinstitution am Karolinenplatz, fördert seit 1948 die transatlantischen Beziehungen und den Austausch zwischen den USA und Deutschland/Bayern.

In Deutschland hatten viele nicht mit Trumps Sieg gerechnet. Waren Sie darauf vorbereitet?

Meike Zwingenberger: Ein Szenario war ja immer: Wenn Trump Florida und Ohio gewinnt, hat er gute Chancen. Sein Sieg war nie so unrealistisch, wie dies hier oftmals dargestellt wurde.

Was bedeutet dieser Wahlausgang für die Arbeit des Amerikahauses?

Meike Zwingenberger ist Chefin des Amerikahauses.

Zwingenberger: Das Amerikahaus hat ja schon verschiedenste Präsidentschaften mitgemacht. Unsere Aufgabe ist, das Transatlantische zu vermitteln. Schwierigen Themen haben wir uns nie verweigert. Es wird jetzt stark um Analyse gehen, wie sich das Phänomen Trump erklären lässt – diese Aufgabe wird jetzt noch dringender.

Ist die Sorge der Europäer vor Trump berechtigt?

Zwingenberger: Ja, insofern seine politischen Ziele bislang unberechenbar sind und offen ist, wen er sich als Berater holt. Aber viele Themen, die er anspricht, hätten sich ohnehin gestellt. Eine Frage wird auch sein, was unsere Identität als Europäer ausmacht. Etwa bei der Flüchtlingsfrage: Hier gibt es in den USA, die ein Einwanderungsland sind, viel Positives zu finden. Wir wollen die Diversität vermitteln, wollen breit und differenziert informieren und vermitteln Schüler- und Studienaufenthalte.

Glauben Sie, dass die Faszination Amerika bei jungen Leuten nachlässt?

Zwingenberger: Nein, ich denke, die USA bleiben als Wissensgesellschaft mit ihren renommierten Hochschulen interessant. Schon seit Jahrzehnten gelten sie nicht mehr so stark als Lieblingsland, viele Schüler zieht es eher nach Neuseeland oder Australien. Ich glaube nicht, dass diese sich nun von den USA abwenden – eher, dass eine neue Faszination entsteht. Etwa zur Frage: Wie kann Trump, der ja große Niederlagen erlebte, sich selbst als so erfolgreich darstellen?

Was sind weitere Themen Ihres Programms?

Zwingenberger: Wir haben uns immer viel mit Handelsfragen beschäftigt, auch mit Datensicherheit oder Sicherheitspolitik. Diese Themen bleiben fürs Transatlantische bestimmend. Auch, wie sie die beiden Parteien, vor allem die Demokraten, erneuern müssen. Wir machen eine Reihe zu Lateinamerika, das ebenfalls von Populismus geprägt ist, aber von linkem. Unsere Arbeit wird noch mehr gefragt sein, um die transatlantische Basis zu erhalten.

Glauben Sie, Deutsche und Amerikaner könnten sich erstmal entfremden?

Zwingenberger: Das glaube ich nicht. Wir wollen die Themen komparativ, also vergleichend angehen: Welche ähnlichen populistischen Strömungen gibt es hierzulande? Und welche Gefühle wie Wut oder Frustration, von denen die AfD profitiert? Aus diesen Vergleichen entsteht hoffentlich Nähe und Verständnis. Wir wollen zudem positive Elemente vermitteln – über eine Ausstellung zu US-Nationalparks oder Popkultur. Das ist ja in den USA auch alles da. Wir wollen diese Themen verknüpfen. Und Bayern und die USA sind so eng und vielschichtig verbunden – das ist eine Qualität, die keiner leicht aufgeben will.

Nicht zu vergessen, dass es schon unterschiedlichste Präsidenten gab...

Zwingenberger: Genau – etwa auch Ronald Reagan war in Deutschland erklärungsbedürftig. Wir wollen auch die historische Perspektive vermitteln: Für Schüler heute ist der Kalte Krieg lange Vergangenheit. Doch wenn sie etwas darüber lernen und die aktuelle Situation mit Russland betrachten, können sie nachvollziehen, wie es damals war, unter permanenter atomarer Bedrohung zu leben.

Wie sollten Trump-kritische Deutsche mit seinem Wahlsieg umgehen?

Zwingenberger: Oft unterstellen Deutsche arrogant: Wie konnte Trump bei euch Amerikanern nur so weit kommen? Das ist nicht gut. Auch in der EU haben die Populisten zurzeit gute Karten. Die Welt ist so komplex, da ist es einfach, mit populistischen Argumenten zu überzeugen. Trump hat vielen Bürgern, die sich nicht gehört fühlten, eine Stimme gegeben. Auch wenn die Bürger von Obamas Gesundheitsreform viel mehr profitieren als von Trumps Versprechungen: Der Kern ist, dass sie eine Stimme bekommen haben. Das müssen wir vermitteln.

Das Interview führte

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