Die Schuhe, der Filmer, das Handynetz

Drei Verschwörungstheorien zum Amoklauf im Faktencheck

München - Der Amoklauf war noch nicht zu Ende - schon schossen die ersten kruden Theorien ins Kraut. Was ist Fakt, was Fake? Drei der gängigsten Verschwörungstheorien und ihre Auflösung.

Die Realität ist komplex, Verschwörungstheorien machen die Welt einfach. Sie entstehen aber auch, wenn die Wahrheit nicht spektakulär genug erscheint. Wenn den Verbreitern eine fantastische Komponente fehlt. Das "gewisse Etwas", das jede jede Geschichte ein klein wenig interessanter macht. Zwielichtige Gestalten, die im Hintergrund die Fäden ziehen, Regierungen, die vertuschen. Verborgene Mächte, Mossad, Mondlandung eben.   

Je schlimmer die Ereignisse, desto schneller tauchen Verschwörungstheorien dazu auf. Da bildet auch der Amoklauf von München keine Ausnahme.

Die Schuhe des Amokläufers: mehrere Täter?

Eine besonders hartnäckige Verschwörungstheorie stellt die Fotomontage dar, wie sie zum Amoklauf in München kursiert. Angeblich, so die Verschwörungstheoretiker, zeigt die Kombination zweier Fotos jeweils eine Szene des Amoklaufs. Beide Fotos sollen den Täter zeigen - allerdings mit unterschiedlicher Kleidung. 

Auf dem linken Foto, genauer gesagt einem Screenshot aus einem Video, trägt der Mann ein schwarzes Kurzarm-Shirt und dunkle Schuhe. Auf dem rechten Foto ein kariertes, langärmeliges Shirt und weiße Turnschuhe.

Einzig mögliche Erklärung aus Sicht der Verschwörungstheoretiker: Der Täter könne gar nicht tot sein, er läuft noch frei herum. Bei dem Mann rechts handele sich um eine andere Person! Das stimmt auch. Schon die Statur lässt erahnen: Das ist nicht der selbe Mensch. Gab - oder noch viel schlimmer: Gibt es also doch mehrere Täter?

Stopp! Die Bilder stammen noch nicht einmal vom selben Tag. Das linke Foto zeigt tatsächlich den Attentäter - das rechte jedoch einen Vater, über den im Rahmen eines eskalierten Sorgerechtsstreits im April berichtet worden war. Das Foto war etwa in einem alten Bild-Artikel aufgetaucht; Quellenangabe dort: "Privat".

Trotzdem ist an der Sache mit den unterschiedlichen Klamotten etwas dran: Der Täter hatte während des Amoklaufs zwei T-Shirts übereinander getragen. Nach den Schüssen zog er ein Oberteil aus und steckte es in seinen Rucksack. Das erklärt, warum er bei seinem Suizid ein anderes Shirt trug. 

Das Video vor dem McDonald's: Mittäter?

Wer filmt hier den Amokläufer? Und warum?

Dann gibt's da ja noch dieses Video, das den Beginn des Amoklaufs zeigt. Der von einem Amateur mit einer Handykamera aufgenommener Clip lässt erkennen, wie der Schütze aus dem McDonald's-Restaurant läuft und draußen auf Passanten schießt. (Um hier gleich einzuhaken: Nein, die Person, die filmt ist kein Mittäter. Der Mann hat sich bei der Polizei gemeldet und wurde verhört. Nach Angaben des LKA handelt es sich um einen Münchner, der gefilmt hatte, weil er Schüsse und Schreie im McDonald's gehört hatte. Wir haben darüber berichtet.)

Zurück zum Video: Da die Pixel verschwimmen, ist der Attentäter auf dem Amateurvideo nicht dauerhaft deutlich zu erkennen. Das Blog Mimikama hat das Phänomen genauer erklärt. Es ist eben nicht die einzige Option, dass der Schütze nachträglich in das Video - mit panisch fliehenden Menschen! - eingesetzt wurde. Oder einfach "aus dem Nichts" kommt, wie bisweilen behauptet wird. 

"Wenn ein Video wirklich manipuliert wurde, warum melden sich da nicht die Menschen aus der Film- und Videozunft zu Wort?", fragt der Mimikama-Autor. "Es gibt so eine große Menge an Menschen, die sich beruflich mit Videoschnitt und Tricktechnik beschäftigen, es gibt Medienfakultäten an Universitäten, die über Schnitträume verfügen, in denen Studierende Videoeffekte und Bearbeitung erlernen, warum vermeldet aus diesen großen Kreisen niemand diese Zweifel?" 

Mobilfunknetz: Von der Regierung abgeschaltet?

Eine andere Theorie spricht von einem Ausfall des Mobilfunknetzes. Ja sogar, dass es von der Regierung abgeschaltet wurde, wird spekuliert. Es gibt verschiedene Portale, bei denen Nutzer Störungen melden können, jedoch gab es am 22. Juli um 18.30 Uhr nicht mehr Störungsmeldungen als sonst. Die Störungskarte weist keine übermäßigen Nutzermeldungen auf. Ja, es gab in der Tat vereinzelt Probleme mit dem Mobilfunknetz, diese sind jedoch logisch nachvollziehbar und traten auch nur im Bereich München auf. Das Handelsblatt schreibt dazu:

Amoklauf in München: Mobilfunknetz zeitweise überlastet.

"Während des Anschlags in München war das Mobilfunknetz zeitweise überlastet. Es sei ab etwa 19.00 Uhr für etwa anderthalb Stunden sehr stark beansprucht worden, teilte ein Sprecher vom Mobilfunkanbieter Telefonica mit. Auch im Netz der Telekom habe es vereinzelt Überlastungen gegeben, sagte ein Sprecher. Bei Vodafone habe es nach Unternehmensangaben keine Störungen gegeben. Zwischen 18.00 und 24.00 Uhr habe die Münchener Polizei 4310 Notrufe gezählt, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Das sei das Vierfache eines normalen Tages gewesen."

Aber von "flächendeckend" und über einen "längeren Zeitraum", oder gar über einen Ausfall des Netzes in ganz Deutschland berichtet niemand.

mm/tz

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