Auf den Knopf drücken und hoffen, dass der oder die Auserwählte dasselbe tut – das ist Mike Mühlbergers Idee. foto: rk

App fürs Handy

Anflirten, Knopf drücken, kennenlernen

München - Heiße Blicke, eindeutiges Lächeln - aber keiner traut sich, den anderen anzusprechen. Um dem Abhilfe zu schaffen, hat ein Münchner eine App fürs Handy entwickelt, die Flirtende zusammenbringen soll.

Ein Klassiker: Zwei Hundebesitzer treffen sich im Englischen Garten. Die Vierbeiner beschnuppern sich, man kommt ins Gespräch. Der Mann: Mike Mühlberger, blond, 41 Jahre alt. Die Frau: eine schöne Unbekannte - die bis heute eine Unbekannte ist.

Darüber regt sich Mühlberger immer noch auf. „Ich habe mich einfach nicht getraut, nach ihrer Nummer zu fragen“, sagt er. Schon wenige Minuten nach der Begegnung bereute er seine Schüchternheit. Aber: Die Idee für eine Handy-Anwendung war geboren - „sbob.me“, eine App fürs „Streetflirten“.

Und so funktioniert es: Treffen sich auf der Straße oder in der U-Bahn zwei Menschen und tauschen eindeutige Blicke aus, können beide die App öffnen und auf einen Knopf drücken. Sofort werden Ort und Zeit der Begegnung gespeichert. Anschließend kann der Nutzer noch Merkmale der netten Begegnung angeben: Haarfarbe und -länge, Kleidung und Accessoires. „Sbobben“ nennt Mühlberger das - eine Abwandlung von „spotten“, englisch für „entdecken“. Wer zu spät drückt, kann auch später noch Ort und Zeit anpassen. Drückt die andere Person auch auf den Knopf, gibt es einen Treffer - und beide können miteinander chatten und ein Treffen vereinbaren.

Virtuelle Liebe also mal wieder? Nein. Mühlberger will den umgekehrten Weg gehen: „Die Menschen sollen sich wieder anschauen und anlächeln“, sagt der 41-Jährige. Bei den ganzen Online-Partnerbörsen könne man Massen von Details über andere Personen abfragen - aber ob die Chemie stimmt, wisse man nicht. „Ich habe das selbst zweimal ausprobiert“, erzählt Mühlberger. „Das war einfach nichts.“ Deshalb sieht er seine App eher als Werkzeug, das Flirtenden in der echten Welt auf die Sprünge hilft. Weg von Online-Börsen, hin zur Liebe auf den ersten Blick.

Seit etwa einer Woche ist seine App kostenlos verfügbar. Zunächst nur für das iPhone, eine Version für Android-Geräte ist in Arbeit. Rund 1000 Menschen haben die Anwendung bisher auf ihr Handy geladen. „Das sind keine Rekordzahlen“, räumt Mühlberger ein. Es brauche eine gewisse Zeit, bis sich die Idee verbreite. Deshalb setzt er auf Radiowerbung und Plakate in den U-Bahn-Stationen - zunächst nur in München und Regensburg. Statistiker haben errechnet, dass über 100 000 Nutzer in München nötig sind, damit das „Sbobben“ in der Praxis funktionieren kann - also eine gewisse Chance besteht, dass beide Flirtpartner die App benutzen.

Mühlberger glaubt an seine Idee und hofft, dass das „Sbobben“ bald gang und gäbe ist. Das muss er auch: Hunderttausende Euro haben er und seine Investoren bisher in das Projekt gesteckt. Monatelang hat Mühlberger Kontakte geknüpft und Freunde um ihre Einschätzung gebeten - und schließlich den Schritt gewagt. In den kommenden drei Monaten will er die Marke von 100 000 „Sbobbern“ knacken.

„Mein Traum ist, dass sich Leute wieder bewusster wahrnehmen“, sagt Mühlberger. Und dass irgendwann für 16-Jährige der Satz ganz normal ist: „Schau mal, die da hinten, die sbob ich jetzt mal.“

Übrigens: Der ganze Stress mit dem Flirt-App-Projekt scheint paradoxerweise ein echter Liebeskiller zu sein - Mühlberger ist nämlich immer noch Single.

Die „sbob.me“-Flirtapp

Im AppStore ist die Anwedung unter dem Namen „sbob.me“ kostenlos herunterladbar. Weitere Informationen zur App stehen online unter www.sbob.me.

Moritz Homann

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