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Facebook-Events gehen zur Zeit viral. Doch steckt wirklich immer eine reale Party dahinter?

Veranstaltungen auf Facebook und ihre Hintergründe

Angrillen und Marienplatz-Sex: Experte warnt vor Facebook-Events

München - Ein Münchner lädt zu Facebook-Events von Isar-Grillen bis Netflix & Chillen, und Zehntausende sind interessiert. Hat der Veranstalter wesentlich mehr im Sinn als eine Party?

Christian Ruffing ist wohl ein Fan von Großveranstaltungen. Zumindest plant er via Facebook eine ganze Menge in Hamburg, Berlin - und viele in München. Mehr als 120.000 Menschen interessieren sich bereits für seine Events, die Titel tragen wie "Full-Moon-Party" und "Angrillen am Flaucher". Tausende haben auch bereits fest zugesagt - und könnten dabei auf einen neuen Marketing-Trick reingefallen sein: Facebook-Events als Mittel, bequem und kostenlos die Massen zu erreichen.

Facebook-Partys der ersten Generation - ein Hype

Eine eigene Facebook-Veranstaltung erstellen kann bei Facebook jeder Nutzer - und er kann auch alle Welt auf Facebook dazu einladen. Vor einigen Jahren sorgten daher "Facebook-Partys" für Schlagzeilen, als bei Teenager-Geburtstagspartys plötzlich hunderte Menschen vor dem Haus standen. Die Kids hatten über das Netzwerk eingeladen - und dabei vergessen, die Party nur für Freunde einsehbar zu machen. 

Behörden in Alarmbereitschaft

Der Münchner Christian Ruffing, Betreiber einer Veranstaltungs-Seite für Oberbayern, macht sich nun genau jenen Effekt zunutze. Sein Aufruf zu einer Schlauchboottour, die ganze Isar bis nach München hinunter, schaffte es bereits, Lokalpolitiker wie Umweltschützer von Bad Tölz bis München in Aufruhr zu versetzen. Über 10.000 Facebook-Nutzer überlegten, mitzumachen. 900 sagten fest zu. Nach großen Protesten im realen Leben nahm Ruffing die Veranstaltung allerdings wieder aus dem Netz. Ruffing ist nicht der einzige, der gefallen an diesen Massen-Events gefunden hat, auch andere probierten ihr Glück - mit ähnlichem Ergebnis. Aber die Welle der Angst, die die Veranstaltungen die Isar entlang ausgelöst haben, wirkt nach.

"Angrillen am Flaucher" - wohl ein Fake-Event

Aber Christian Ruffing scheint relativ unbeeindruckt von der Kritik. Sein Facebook-Event "Angrillen am Flaucher" (mehr als 12.000 Interessierte und gut 1200 Zusagen) ist bei Google immer noch unter diesem Titel zu finden, heißt aber inzwischen ganz anders, nämlich "München Sommer Hotspots". Ob daraus jemals ein reales Event wird, ist mehr als zweifelhaft. 

Sex-Party am Marienplatz?

Sein jüngster Coup: Ein Netflix & Chill Open Air mitten in München. Dazu sollte man wissen: Netflix & Chill ist ein Code für eine Verabredung zum Sex. Filme schauen und dabei entspannen. Dieser schlüpfrige Aufruf brachte ihm allein in München mehr als 15.000 Interessenten. Mehr noch: Mehr als 1300 Facebook-Nutzer haben fest vor, mit Ruffing am 2. August irgendwo in München Filme zu schauen - und zu entspannen. Besonders kurios: Bis dato ist als Ort der Marienplatz eingegeben.

Aufruf zum nächtlichen Gruppenkuscheln - mit fragwürdiger Absicht.

Und Ruffing plant seine Kuschelveranstaltung noch in insgesamt acht deutschen Großstädten. Und auch da hat er Erfolg. Auch wenn seine Seiten inzwischen gar nicht mehr Netflix & Chill, sondern XXX & Chill heißen, wohl weil Netflix seinen Firmennamen nicht für die Aktion hergeben wollte. Nun ist XXX nicht weniger zweideutig. Und funktioniert ebenfalls.

Einerseits lockt die anrüchige Aufforderung. Andererseits klicken viele Nutzer auf die Seite, um klarzustellen, dass sie genau wissen, was Netflix & Chill bedeutet. Der Schlaumeier-Effekt sozusagen. "Ihr wisst aber schon was das bedeutet...", ist mehrfach unter dem Aufruf zu lesen, verbunden mit vielen kichernden Smileys. 

Was steckt hinter dem Event-Fieber?

Der Hamburger Onlinemarketing-Experte Roland Eisenbrand von Online Marketing Rockstars hat den neuen Facebook-Event-Wahnsinn genauer unter die Lupe genommen. Seine These: Solche Facebook-Events werden inzwischen als Werbe-Plattformen benutzt. In diesen Events werden laut dem Experten so genannte Affilliate-Links eingebaut, die zu Shopping-Seiten führen. Wenn jemand draufklickt, bekommt der Betreiber Geld. "Reich wird er dadurch erstmal nicht", sagt Eisenbrand auf Nachfrage. Aber ein vierstelliger monatlicher Betrag sei schon drin. 

Ferner kann der Betreiber seine eigenen Seiten einbloggen. Dahin wird der Nutzer von seinen Facebook-Events dann weitergeleitet. So bekommen die Betreiber für ihre Seiten mehr Leser. Und die Reichweite seiner dubiosen Facebook-Veranstaltungen ist richtig groß.

Normale Facebook-Seiten, wie zum Beispiel auch unsere Seite von merkur.de, werden von Facebook künstlich runtergeregelt. Facebook will nicht, dass Posts von Unternehmen vermehrt bei seinen Nutzern erscheinen, ohne dass die Unternehmen dafür bezahlen. Für Geld aufgewertete Postings sind dann die "gesponserten Beiträge", die regelmäßig auf der Timeline erscheinen.

Bei Events ist das laut Experte Eisenbrand noch nicht der Fall. Mit Facebook-Events - vor allem, wenn sie auch noch einigermaßen einfallsreich gestaltet sind - erreicht man also wesentlich mehr Menschen - und das, ohne einen Cent dafür auszugeben.

Laut Eisenbrand ist bei solchen Seiten auch gerne ein Gewinnspiel eingebettet. Wer dort seine Email-Adresse eingibt, müsse damit rechnen, dass diese an einen Dritten weiterverkauft werde. Der Betreiber bekomme dann möglicherweise einen zweistelligen Centbetrag pro Adresse. 

Auch anderer Veranstalter erregt Verdacht

Vor zwei Monaten hatten wir über die Facebook-Veranstaltung "Sommer-Gefühle" berichtet. Diese hat - wie viele andere Events auch - ein anderer Organisator ins Leben gerufen. Und im Gespräch mit unserer Onlineredaktion ausgiebig und blumig seine Pläne für den anberaumten 11. Juni geschildert. Inzwischen gibt es mehr als 15.000 Interessenten und mehr als 1000 Zusagen für dieses Event. Die werden aber allmählich ungeduldig. "Wann ist denn BALD? Wird das WO auch bald verraten?", fragte eine Userin schon Ende März. Denn der Veranstalter hat bisher immer noch keine Details zu dem Event verlauten lassen. Ob es wirklich stattfindet? Oder auch so eine Masche ist?

Was sagt Facebook dazu?

Bisher ist das Unternehmen noch nicht eingeschritten. "Ich gehe davon aus, dass es nicht in deren Sinne ist", sagt Eisenbrand dazu. Schließlich habe Facebook in den vergangenen Jahren alles unternommen, um unbezahlte Werbung innerhalb des Netzwerkes zu verhindern. 

Ruffing will trotz mehrfacher Anfragen unserer Onlineredaktion nichts zu seinem Event-Wahnsinn sagen. Gegenüber Online Marketing Rockstars beteuerte er allerdings, seine XXX-&-Chill-Events alle stattfinden lassen zu wollen. Über zu geringe Teilnehmerzahlen muss er sich jedenfalls keine Gedanken machen.

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