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Irmingard Füchsle.

Alarmierende Statistik

Ein Armutszeugnis: Mehr Münchner bekommen "Rentner-Hartz IV"

München - Die Schlinge zieht sich immer mehr zu. Knapp 17.000 Münchner erhielten im vergangenen Jahr die Grundsicherung im Alter, das so genannte „Rentner-Hartz IV“ – 69 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Das besagen die erschreckenden neuen Zahlen des Statistischen Landesamts. „Ich weiß wirklich nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Irmingard Füchsle. Ihre 62-Quadratmeter-Wohnung in Haidhausen, in der sie seit vielen Jahren lebt, muss sie vielleicht bald aufgeben. Ihre geliebte Stadt München wohl verlassen. Der Grund: Sie kann sich das Leben in der Landeshauptstadt einfach nicht mehr leisten. Genau 1203 Euro Rente bekommt Füchsle. Knapp 900 davon frisst allein die Miete der Alleinstehenden auf. Lächerliche 300 Euro bleiben ihr noch zum Leben. Zum Überleben.

Bislang hat Füchsle jeden Monat noch etwas vom Ersparten abzwacken können. Doch auch die Rücklagen gehen allmählich zu Ende. Die Kostenentwicklung ist ihr zum Verhängnis geworden. Früher hat sie 2400 Mark Rente bekommen und nur 800 Mark Miete bezahlt. Die Rente ist fast gleich geblieben, die Miete sich aber mehr als verdoppelt. „Unser Rentensystem ist bescheuert und überholt“, sagt Füchsle. „44 Jahre habe ich gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt.“ Viel hilft das der ehemaligen Presse-Mitarbeiterin von Air France heute nicht mehr. Eine MVV-Monatskarte kann sie sich ohnehin nicht leisten. Sie fährt überall mit dem Fahrrad hin. Tagein, tagaus geht sie zum Flohmarkt, um aus ihrem Hab und Gut noch ein paar Euro herauszuquetschen.

„Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch“, sagt Füchsle. Mittlerweile wolle sie aber ab und an nur noch heulen. Die 79-Jährige ist kein Einzelfall. Für immer mehr Münchner Senioren wird es eng. Altersarmut. „Das ist ein sozialpolitisches Armutszeugnis“, sagt Mustafa Öz, der Geschäftsführer der Münchner Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Füchsle sieht’s nicht anders. Zum 1. Juli wird sie durch die Rentenerhöhung 1242 Euro bekommen. Also 39 Euro mehr als bis zuletzt. Reichen wird ihr das nicht: „Da heißt es, das sei eine Riesensupererhöung, die tollste seit 23 Jahren. Da lach’ ich mich kaputt.“

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