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Die Bahnsteigkarte bekommt man an allen Automaten der MVG und der Deutschen Bahn. Bei Bahn-Automaten ist sie aber gut versteckt und nicht bei den normalen Tickets, sondern bei den Freizeitangeboten zu finden. Einfacher geht es beim blauen MVG-Automaten. Hier steht die Bahnsteigkarte schon bei der Übersichtsgrafik mit dabei. Wer sein Bahnsteigticket über die MVG-App kaufen will, wird leider gar nicht fündig.

40-Cent-Relikt aus alten Zeiten

Umstrittene Bahnsteigkarte: Warum München an ihr festhält

München - Im Münchner Nahverkehr kann auch zum Schwarzfahrer werden, wer überhaupt nicht fährt. Denn wer die Stempelanlagen passiert, braucht zumindest eine Bahnsteigkarte. Andere Städte haben dieses Relikt längst abgeschafft. Der MVV hält daran fest.

In der Mittagspause schnell mal an den Bahnsteig eine Brezn holen oder einen Gast zur U-Bahn begleiten – in München kann das teuer werden. Denn wer ohne gültigen Fahrschein hinter die Stempelanlagen des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) tritt, ist rechtlich gesehen ein Schwarzfahrer. Er wird mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro bestraft, auch wenn er die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht nutzt. Es sei denn, er löst eine Bahnsteigkarte.

Eine tückische Falle für alle, die sich mit den hiesigen Tarifbestimmungen nicht auskennen. Und für die übrigen ein Ärgernis. Schwarzfahrer werden zu können, obwohl man gar nicht in den Zug steigt, das leuchtet kaum jemandem ein. Zumal das sogenannte Begleit-Ticket eines der aussterbenden Art ist: Außer in München gibt es die Bahnsteigkarte nur noch in Hamburg. In allen anderen deutschen Städten wurde sie abgeschafft.

Beim MVV hält man das Bahnsteigticket aber offenbar nicht für altmodisch. Es seien „keine Änderungen angedacht“, erklärt Norbert Specht, Abteilungsleiter für Tarife beim MVV. Schließlich, so Specht, gebe es gute Gründe dafür, das bestehende System beizubehalten.

Mit der Verbundgründung im Jahr 1972 war die Bahnsteigkarte für alle Tunnelbahnhöfe der U-Bahn sowie an der Stammstrecke eingeführt worden. Und das „nicht, um die Fahrgäste zu schikanieren“, wie Specht betont, sondern wegen des offenen Zugangssystems. Um überprüfen zu können, ob jemand schwarzgefahren sei, müsse jeder ein gültiges Ticket vorzeigen. Denn die Kontrolleure sind nicht nur in den Zügen unterwegs. Häufig werden die Auf- und Abgänge abgeriegelt – Sperrenkontrolle.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Kontrolliert wird jeder, der vom Bahnsteig kommt. Auch die Mutter, die ihren Kleinen zur Bahn gebracht hat. Trennen, wer aus dem Zug kommt oder gar nicht gefahren ist, können die Kontrolleure nicht. Neben dem Fahrschein ist die Bahnsteigkarte zum Preis von 40 Cent nach MVV-Lesart das geeignete Mittel der Legitimation. „Deshalb kann man sie nicht abschaffen“, sagt Norbert Specht.

In Frankfurt konnte man. Auch dort gibt es ein offenes System, also Zugang zu den Bahnsteigen ohne Schranken. Und auch dort finden Stationskontrollen statt. Der Unterschied zu München: Wer in dieser Zeit einen Fahrgast zur U-Bahn begleitet, erhält von den Kontrolleuren einen Berechtigungsschein, ganz unbürokratisch und kostenlos. Um sicher zu gehen, dass kein Schwarzfahrer entwischt, werde vor den Kontrollen überprüft, wer sich auf dem Bahnsteig befindet, erläutert Karola Brack, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main.

In Berlin verzichtet man auf Sperrenkontrollen gleich ganz. Eine Bahnsteigkarte hat es in der deutschen Hauptstadt nie gegeben, auch nicht, als diese noch in Ost und West geteilt war. Bis in die 1960er-Jahre gab es an allen Bahnhöfen Kartenschalter, an denen jeder Fahrgast vorbei musste. Als die Bahnsteige dann frei zugänglich wurden, wurden mobile Kontrollen in den Zügen eingeführt. Manche U-Bahn-Station sei zudem nah an der Oberfläche und daher ohne Zwischengeschoss gebaut, erläutert Markus Falkner von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Viele Ticketautomaten stehen deshalb direkt an den Gleisen. Auch Geschäfte und Imbisse befinden sich dort. Es sei schwierig zu sagen, „wo fängt der Bahnsteig an, wo hört er auf“, gibt eine Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zu bedenken. Ein Ticket für Begleiter habe daher wenig Sinn. Bei Kontrollen am Gleis würden nur aussteigende Fahrgäste überprüft.

Diese Möglichkeit zieht man in München nicht in Betracht – aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Um die Massen an Fahrgästen besonders bei Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest zu entzerren, setze der MVV auch weiterhin auf Fahrscheinkontrollen hinter den Stempelanlagen im Sperrengeschoss, sagt Norbert Specht. Das habe sich nicht nur als „wirksames Mittel gegen Schwarzfahrer“ bewährt, sondern sei auch „zur Einnahmensicherung notwendig“. Auch um den Preis, dass neben den Schwarzfahrern zugleich ahnungslose Schwarzsteher zur Kasse gebeten werden.

Als Tourist müsse man sich eben an einem der Service-Points vorab informieren, sagt Specht. „Wenn ich mich in einem fremden System bewege, kenne ich mich ja auch nicht aus.“

Münchens schönste U-Bahnhöfe

Christina Seipel

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