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Birigt Kober, mehrfache Goldmedaillen-Gewinnerin der Paralympics.

Birgit Kober trainiert in Perlach

Sanierung von Sportanlage: Stadt vergisst Spitzensportlerin

München - Die Bezirkssportanlage am Krehlebogen in Perlach soll für 2,5 Millionen Euro saniert werden. Vergessen hat die Stadt dabei aber offenbar die völlig heruntergekommene Kugelstoßanlage. Auf ihr trainiert Birgit Kober, mehrfache Goldmedaillen-Gewinnerin der Paralympics.

Die Sanierung der städtischen Sportanlage in Perlach steht schon länger auf der Liste des Sportamtes mit höchster Priorität. Heute soll es im Sportausschuss des Stadtrats grünes Licht für das Projekt geben. Das Paket kostet die Stadtmehr als 2,5 Millionen Euro. Eines haben die Planer jedoch völlig vergessen: die Kugelstoßanlage. Auf ihr trainiert regelmäßig Birgit Kober, die zuletzt in Rio einmal mehr Gold bei den Paralympics holte.

Unter unsäglichen Umständen trainiert sie, denn die Anlage ist in einem desolaten Zustand. Zwei der Ringe sind überhaupt nicht mehr nutzbar, weil sie zu viele Löcher haben. „In dem Ring, in dem ich stoße, ist nur noch eine rudimentäre Linie zu erahnen, aber leider keine Metallseitenbegrenzung, die man wirklich bräuchte und die auch normalerweise in jedem Ring vorhanden sein müsste“, sagt Kober.

Eher ein Biotop als eine Kugelstoßanlage“ sei ihr Ring am Krehlebogen in Perlach, sagt Goldmedaillen-Gewinnerin Birgit Kober. 

Die Sportlerin sitzt mit starken Bewegungs- und Koordinationsstörungen im Rollstuhl. Beim Wettkampf hilft ihr eine spezielle Stuhlkonstruktion zum Abstützen. In Perlach fällt das allerdings schwer, die Anlage gleiche eher einem Biotop, sagt Kober. „Eigentlich sieht man dem Ding gar nicht mehr an, dass es eine Kugelstoßanlage ist.“ Zudem hat sie auch schon öfter tote Mäuse aus dem Ring geklaubt. „Es ist kein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass tote Tiere im Sand lagen.“ Sie desinfiziere sich nach dem Training gerne die Hände – nicht nur wegen der Tierkadaver: Denn die Sandgrube diene auch als „Zweitklo der Fußballer, die keine 150 Meter weiter zum richtigen Klo laufen können“, so die Gehbehinderte.

Der Rest der Anlage bekommt eine Hochglanz-Politur: Der Hartplatz soll umgebaut und mit Kunstrasen ausgelegt werden. Aber auch der bereits vorhandene Kunstrasenplatz und die Leichtathletikanlagen sollen saniert werden. Für die Spielfelder ist viel Neues eingeplant: Eine Flutlichtanlage mit absenkbaren Leuchtenköpfen, eine moderne Beregnungsanlage, neue Spielerkabinen, Fußballtore, Eckfahnen und Abfallbehälter. Außerdem werden neue Ballfangzäune gesetzt. Saniert werden die 400-Meter-Laufbahn, die Anlagen für Hochsprung, Stabhoch- und Weitsprung, Diskus- und Speerwurf. Außerdem erhält die Sportanlage ein Basketball- und ein Volleyballfeld.

Auf Anfrage unserer Zeitung im Referat für Bildung und Sport war erstaunlicherweise die Existenz der Kugelstoßringe auf der Bezirkssportanlage überhaupt nicht bekannt. Dabei sind sie in der Beschreibung der Anlage im städtischen Internetauftritt explizit aufgelistet. Im zweiten Anlauf verweist Referats-Sprecherin Ursula Oberhuber dann darauf, dass die Renovierungsmaßnahmen mit den ansässigen Vereinen abgestimmt worden seien. Dabei habe keiner Interesse an der Kugelstoßanlage gezeigt. Deshalb sei sie nicht ins Investitionspaket aufgenommen worden.

Auch die Fußballer nutzten den Ring schon als Zweit-Klo. Ansonsten teilt sich Birgit Kober die Kugelstoß-Anlage häufig mit Enten oder toten Mäusen. 

Fünf Vereine sind auf der Anlage vertreten. Hauptsächlich Fußballer, vom FC Perlach, FC Niksar Spor oder dem FC Medina. Bei den Ortsterminen im Jahr 2015 war auch der TSV Türk-Gücü-Ataspor auf der Anlage. Darüber hinaus treiben hier die Kinder der Wilhelm-Busch-Realschule und der Privatschule Jules-Verne-Campus Sport, sowie auch die Leichtathleten des TSV 1860 München – unter anderem Birgit Kober.

Und nun? Sollte es doch Interesse für die Kugelstoßanlage geben, könnte sie auch mit Geld aus dem Bauunterhalt saniert werden, heißt es aus dem Sportreferat. Doch derartige Kosmetik wird ob des völlig desolaten Zustands kaum reichen. Birgit Kober ist sauer: „Ich weiß, dass wir in einem Bundesland und einer Stadt des Fußballs leben, das heißt aber nicht, dass wir alles andere vernachlässigen können.“

Kober ist eine bescheidene Frau, wohl auch deshalb lag bei ihr die Schmerzgrenze, sich zu beschweren, ziemlich hoch. Jahrelang hat sie sich mit Trainingseinheiten im Gang ihrer Tiefgarage oder im Park beholfen, hat sich mit Hundebesitzern über die Nutzungszeiten auf der Wiese abgesprochen. Die Anlage in Perlach sei im letzten Jahr ihr Haupttrainingsplatz gewesen, sagt Kober. „Ich müsste 1,5 Stunden bis zum Olympiastützpunkt fahren – da nehme ich halt diese Anlage mit all ihren Tücken in Kauf.“ Jetzt, wo sie bei der Sanierung übergangen wurde, reicht es ihr allerdings. „Es werden immer Versprechungen zur Förderung des Spitzensports gemacht“, sagt sie. „Versprechungen, die dann nicht eingehalten werden.“

Carmen Ick-Dietl

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