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BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Schüler brauchen Raum zu diskutieren

BLLV-Präsidentin: Lehrer sollten den Amoklauf thematisieren

München - Nach dem Amoklauf in München fordert die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, dass die Schulen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Man muss darüber reden.

Stundenlange Sondersendungen im Fernsehen, schockierende Video-Sequenzen, Schüsse des Täters, die zur besten Sendezeit via Fernsehen beinahe live durch die Wohnzimmer hallten – die allermeisten Schüler sind mit Nachrichten vom Münchner Amoklauf direkt konfrontiert worden.

Dies im Schulunterricht einfach auszusparen, sei unangemessen, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Lehrerverbands BLLV. „Die Lehrer sollten das heute ab der 1. Schulstunde zum Thema machen.“ Dabei sollte sich auch der Mathelehrer, wenn er denn die erste Stunde hat, nicht scheuen, den Fachunterricht heute ausfallen zu lassen und über die Ereignisse zu reden. In der letzten Schulwoche vor den Ferien gebe es keinen zeitlichen Engpass, sagt Fleischmann. Im Gegenteil: „Dazu kann man sie sehr gut nutzen.“ Wem das Thema als Pädagoge aus irgendeinem Grund unangenehm sei, für den gebe es einen Ausweg: Er könnte das in der Früh im Lehrerzimmer ansprechen und einen Ersatz-Lehrer schicken.

Allerdings sei zu berücksichtigen, dass manche Schüler „vielleicht die ganze Nacht geguckt haben“, während andere Eltern ihre Kinder frühzeitig von den Fernsehern weggezogen hätten. Diesen unterschiedlichen Wissensstand müssten die Lehrer vorab erkunden. Angemessen sei ein je nach Jahrgangsstufe unterschiedlicher Umgang. Grundschullehrer könnten so zum Beispiel die Fakten zum Terror in einigen Sätzen kurz mit wenig Emotionen referieren. In einer zweiten Runde wären dann die Schüler dran. „Was habt Ihr gehört?“, „Welche Gerüchte gibt es?“ oder „Was wissen wir nicht? – das seien so Fragen, die im Unterricht besprochen werden könnten.

Themen: Gewaltspiele, Facebook und internationale Reaktionen

In den höheren Jahrgangsstufen könnten die Lehrer differenzierter vorgehen. „Da gehört das Thema letztlich zur politischen Bildung.“ Auch hier nennt Fleischmann Themenbeispiele: „Was passierte an jenem Abend bei Facebook und Twitter?“, „Wie gehen wir mit den Gewaltspielen auf dem Handy um?“ oder auch: „Wie waren die internationalen Reaktionen auf den Amoklauf, warum meldete sich sogar Obama?“ und schließlich: „Verroht unsere Gesellschaft, unsere Sprache durch die sozialen Medien?“

Fleischmann betont, dass ihre Tipps nur für jene Schulen gelten, die nicht direkt durch den Amoklauf betroffen sein. An Schulen, an denen ein Schüler gestorben sei, sei nicht der Lehrer der richtige Ansprechpartner, sondern ein professionelles Psychologen-Team.

Dies betonte am Sonntag auch Schulminister Ludwig Spaenle: Mitarbeiter des so genannten Kriseninterventions- und bewältigungsteams der Bayerischen Schulpsychologen (KIBBS) seien an den betroffenen Schulen am Montag präsent, versicherte er. Sie hätten eine notfallpsychologische Ausbildung und würden auch Schulleiter und Lehrer beraten.

Video: Schüsse auf Parkdeck

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