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Die bosnischen Bauarbeiter protestierten vor der Baustelle der Glockenbachsuiten für ihre Rechte.

Seit Wochen warten sie auf ihr Geld

Luxus-Baustelle: Bosnische Bauarbeiter kämpfen um ihren Lohn

München  - Den gesetzlichen Mindestlohn bekamen sie von Anfang an nicht. Weil sie nun seit Wochen gar keinen Lohn mehr bekommen, haben bosnische Bauarbeiter an dem neu entstehenden Luxus-Komplex „Glockenbachsuiten“ für ihre Rechte demonstriert.

Der Hilferuf erreichte die Münchner Tafel am Donnerstag vergangener Woche. Eine Gruppe bosnischer Bauarbeiter habe seit Wochen keinen Lohn bekommen, könne sich nichts mehr zu essen kaufen. Mitarbeiter der Tafel versorgten die Männer mit Lebensmitteln.

Und Hilfe bekommen sie auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern. „Da ist von Anfang an viel schief gelaufen“, sagt Nadja Kluge von der DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“, die sich für gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten einsetzt.

Angestellt sind die Arbeiter bei einer Firma im slowenischen Ljubljana. Diese agiert als Subunternehmer für eine Baufirma in Grünwald, entsendet ihre Arbeiter nach München. Diese Grünwalder Firma wiederum hat laut DGB Aufträge von zwei anderen großen oberbayerischen Bauunternehmen bekommen. Auf deren Baustellen im Stadtgebiet haben die Männer gearbeitet.

Die Firma in Slowenien hatte laut DGB mit den Arbeitern Nettostundenlöhne zwischen acht und zehn Euro vereinbart. „Schon das ist rechtswidrig“, sagt Nadja Kluge. Im Bauhauptgewerbe gilt seit Januar 2015 für Fachwerker – auch für ausländische – ein Branchenmindestlohn von 14,20 Euro pro Stunde.

„Nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und Steuern müsste der Nettostundenlohn bei mindestens elf Euro liegen“, so Kluge. Mitte Februar stoppte die slowenische Firma die Lohnzahlungen ganz. „Sie behaupten, die deutschen Firmen hätten noch nicht bezahlt“, sagt Nadja Kluge.

Kaum einer der Arbeiter spricht Deutsch oder Englisch

Dem widerspricht die Grünwalder Baufirma. Man habe mit der slowenischen Firma einen Vertrag abgeschlossen, wonach es für bestimmte Arbeiten einen bestimmten Geldbetrag gab. Man vermute, dass die slowenische Firma die Arbeiten nicht gut genug begleitet habe, deshalb mit dem Budget nicht ausgekommen sei.

Die Arbeiter selbst verstehen die ganzen Diskussionen nicht. Kaum einer spricht Deutsch oder Englisch. Sie wissen nur: Ohne Geld können sie hier nicht leben und auch kein Geld an die Familie in der Heimat schicken.

Vladimir D. zum Beispiel macht sich große Sorgen deshalb. Der 45-jährige Maurer hat zuhause eine Frau und drei Kinder. Seit 2013 arbeitet er in Deutschland. Seine Familie braucht das Geld. „Zuhause gibt es keine Arbeit“, sagt er. Über das Arbeitsamt kam er an die Firma in Ljubljana.

Jetzt hat er seit Februar kein Geld bekommen. Der Betreuer der slowenischen Firma, der mit in München ist, meinte nur lapidar, sie sollten halt ihr Geld einklagen. Genau das wollen die Männer. Am Donnerstag demonstrierten sie vor den „Glockenbachsuiten“, auf deren Baustelle einige gearbeitet haben, für ihre Rechte. Mit Hilfe des DGB wollen sie klagen gegen die beiden großen Baufirmen – denn als Generalunternehmer haften sie für die Lohnausfälle.

Ob es soweit kommt, ist unklar. Die Firma LogicBau wollte Donnerstagabend nochmals mit dem DGB verhandeln und auch Geld für die Arbeiter bezahlen. Laut Nadja Kluger ist der Vorfall kein Einzelfall. Immer öfter würden sich Gruppen ausländischer Bauarbeiter melden, die keinen oder zu wenig Lohn bekommen. Der DGB findet das skandalös.

Keine deutsche Baufirma könne ernsthaft behaupten, sie wüsste nicht, zu welchen Bedingungen die Arbeiter auf ihren Baustellen arbeiten, sagt der DGB-Vorsitzende Matthias Jena. Deshalb sei die Gernalunternehmerhaftung so wichtig. Er fordert mehr Kontrollen auf den Baustellen. „Nur wenn die Lohndumping-Firmen mit ihren illegalen Praktiken fürchten müssen, entdeckt zu werden, kann sich eine abschreckende Wirkung entfalten.“

Doris Richter

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