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Die Spurensicherung sicherte mögliche Beweismittel am Brandort.

Drei Menschen starben

Brand in der Dachauer Straße: Freunde und Verwandte unter Schock

München - Ein fahrlässig oder vorsätzlich gelegter Brand in einem Wohnhaus an der Dachauer Straße hat in der Nacht zum Mittwoch zwei Mädchen und ihren Vater das Leben gekostet. Sechs Personen erlitten schwere Rauchvergiftungen. Ein zwölfköpfiges Team der Kriminalpolizei ermittelt.

Auf diese Leiter im Innenhof hatten sich die Bewohner gerettet, als sie das feuer bemerkt hatten. 

Das Inferno überraschte viele der Bewohner im Schlaf. Um 1.54 Uhr gingen die ersten Notrufe ein: Das hölzerne Treppenhaus des fünfstöckigen Gebäudes an der Dachauer Straße 24 brannte vom dritten Stock aufwärts lichterloh. Als die Feuerwehr eintraf, schrien zahlreiche Bewohner in den Fenstern um Hilfe. Etliche Menschen waren aus den Fenstern auf eine fest installierte Kaminkehrer-Leiter geklettert, die sechs Meter über dem Erdboden endet, und klammerten sich dort fest. Die Einsatzkräfte brachten Dutzende Menschen mit Drehleitern und tragbaren Leitern in Sicherheit. Doch für drei Hausbewohner kam jede Hilfe zu spät: Ihre stark verbrannten Leichen fand die Feuerwehr in einem Gang, der im Dachgeschoss vom Treppenhaus zu fünf kleinen Appartements führt. Die Polizei ist nahezu sicher, dass es sich um einen 37-jährigen Bulgaren und seine neun und 16 Jahre alten Töchter handelt. Die Obduktion ergab Rauchgasvergiftung und Hitzeeinwirkung als Todesursache. Die Mutter der Mädchen sei in Bulgarien, erfuhren die Ermittler. Man habe sie noch nicht erreicht, stehe aber in Kontakt mit Verwandten, sagte Leitender Kriminaldirektor Frank Hellwig.

Die Wohnverhältnisse sind unübersichtlich

Im Dachgeschoss lagen die Toten. Die Feuerwehrmänner transportierten sie über eine Drehleiter ab. 

In dem Vordergebäude sind laut Hellwig 97 Menschen gemeldet, vorwiegend Osteuropäer. Die Wohnverhältnisse seien aber „sehr unübersichtlich“. Es handle sich „um eine Art Arbeiterwohnheim“, in dem die Polizei schon mehrfach Einsätze zu verzeichnen hatte, so Hellwig. Welcher Art diese Einsätze waren, müsse noch genauer untersucht werden. Erinnerungen an das„Elendshaus“ von Trudering, wo osteuropäische Arbeiterfamilien unter entsetzlichen Bedingungen zu horrenden Mieten hausten, werden wach. Das Einsatzgeschehen habe aber im vorliegenden Fall keine Hinweise auf Überbelegung ergeben, so Hellwig.

Etwa 150 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Kriseninterventionsteam waren in der Nacht angerückt. Seitdem die Flammen gelöscht sind, versucht eine zwölfköpfige Ermittlungsgruppe, „EG Dachau“ genannt, das Chaos zu ordnen. Sicher sei bisher lediglich der Ausgangspunkt des verheerenden Feuers, sagte Hellwig: „Eine Matratze, die im dritten Stock im Treppenhaus abgelegt war. Die ist bis aufs Metallskelett abgebrannt.“ Von dort habe sich das Feuer im hölzernen Treppenhaus „schnell nach oben durchgebrannt“ und den Bewohnern dort den Fluchtweg abgeschnitten.

Entstand der Brand durch Fahrlässigkeit?

Dass ein technischer Defekt die Matratze in Brand gesetzt hat, glaubt Hellwig ausschließen zu können. Bleibt der Verdacht auf Brandstiftung. Ob fahrlässig, etwa durch eine Zigarettenkippe, oder vorsätzlich – das ist die wichtigste Frage, die die EG Dachau zu klären hat. Doch sie untersucht auch, ob Brandschutzbestimmungen verletzt worden sind. Das Haus, so Hellwig, gehöre einer Privatperson.

Elf Menschen erlitten Rauchvergiftungen und wurden ins Krankenhaus gebracht. Sechs waren am Mittwochmittag noch in der Klinik.

Die Menschen sind immer noch völlig geschockt

Die Bewohner, die in der Nacht gerettet worden sind, stehen am Tag nach dem Feuer im Nieselregen auf dem Gehweg und im Innenhof. Sie starren hinauf zu den ausgebrannten Fenstern. Kaum jemand spricht Deutsch. Die Menschen können immer noch nicht fassen, welche dramatischen Szenen sich in den frühen Morgenstunden hier abgespielt haben. Mit ausdruckslosen Mienen beobachten die Männer, Frauen und Kinder, wie die Mitarbeiter der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen im Gebäude verschwinden. „Sascha“, sagen sie immer wieder. Freunde des Familienvaters unterhalten sich leise. Auch Freunde der Hausbewohner fahren mit dem Auto vor. Sie holen die Menschen ab, deren Zimmer durch das Feuer unbewohnbar geworden sind. Ein junger Mann erzählt, dass er eine Familie vorübergehend bei sich aufnimmt. Zahlreiche Obdachlose sind fürs Erste im King’s Hotel gegenüber untergekommen.

Der 37-Jährige, der bei dem Feuer sein Leben verloren hat, soll seit etwa einem Jahr in München gelebt und gearbeitet haben. Er verdiente sein Geld bei einer Putzfirma und wohnte laut Polizei mit seinen beiden Töchtern in einer Wohnung im ausgebauten Dachgeschoss des Hauses. Bevor er nach München kam, lebte der Familienvater einige Zeit in Spanien. Ein Freund zeigt am Mittwoch auf ein Auto, das an der Dachauer Straße abgestellt ist. Ein Wischmop und ein Putzeimer liegen noch im Kofferraum. „Sascha“, sagt er. Der Kombi habe seinem Kumpel gehört, erzählt der schlanke junge Mann. Er wohnt auch in dem Gebäude, das gegenüber einer Spielothek und einer Tabledancebar liegt.

Bilder: Drei Tote bei Feuer an der Dachauer Straße

Stefanie Wegele

Stefanie Wegele

E-Mail:stefanie.wegele@merkur.de

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