Kandidaten bringen sich in Stellung

Bundestagswahl 2017: Diese Münchner wollen nach Berlin

München - 2017 wird der neue Bundestag gewählt. In allen Münchner Wahlkreisen zeichnet sich schon ab, wer um die Direktmandate kämpfen könnte – und mancherorts auch, was die prägenden Themen sein werden.

Sie alle werden auf die Bildschirme starren. Mancher wird jubeln, mancher schnell wieder verschwinden. An einem Sonntagabend im September 2017 treffen sich die Münchner Bundestagskandidaten im Kreisverwaltungsreferat. Am Wahlabend gibt es dort traditionell zuerst die Ergebnisse aus den Stimmlokalen zu sehen. Bis irgendwann feststeht, wer es nach Berlin geschafft hat – und wer nicht. Der öffentliche Wahlkampf für die Wahl 2017 hat noch nicht begonnen. Noch werben die Kandidaten in den Parteien um Unterstützung, um antreten zu dürfen. In den nächsten Monaten wird parteiintern gewählt. Aber es zeichnet sich schon ab, wer im Herbst 2017 als Kandidat mitzittern darf – und wer nicht. Wir geben einen Überblick über die vier Münchner Wahlkreise.

Wahlkreis Süd

Bundespolitisch gesehen ist der Münchner Süden Niemandsland – seit Peter Gauweiler im März 2015 sein Mandat zurückgab und eine CSU-Frau vom Lande nachrückte. CSU-intern gibt es keine Zweifel daran, wer dort nächster Bundestagskandidat wird: Michael Kuffer, Jahrgang 1972, ambitionierter Fraktions-Vize im Rathaus. Kuffer gilt als extrem angriffslustig, er weiß, was die Parteifreunde im Gauweiler-Land erwarten. Sicherheit, Bürgerbeteiligung, Europapolitik nennt er als seine Themen. Einen langweiligen Wahlkampf dürfte es im Süden nicht geben. Das weiß auch Sebastian Roloff, der SPD-intern als Favorit auf die Kandidatur gilt. Roloff ist 33, Rechtsanwalt bei der IG Metall, war mal im Bundesvorstand der Jusos. Er stellt sich auf einen polarisierenden Wahlkampf ein, würde gegen Kuffer wohl die Erfolge der Willkommenskultur herausstreichen. Dass der Süden als schweres Terrain für die SPD gilt, stört ihn nicht. Er komme schließlich aus der Oberpfalz, sagt er – da sei man noch schlimmere Ergebnisse gewöhnt. In der SPD könnte das sein großer Nachteil sein: dass Roloff zu wenig verwurzelt ist. Auch Heike Krämer aus Harlaching und Alexander Schmitt-Geiger, Chef des Ortsvereins in Giesing, werden Chancen eingeräumt.

Wahlkreis Nord

Einst galt der Münchner Norden für die CSU als schwerster Wahlkreis in ganz Bayern. 2013 aber holte ihn Johannes Singhammer mit fast 12 Prozent Vorsprung vor SPD-Mann Florian Post. Post zog trotzdem über die Liste in den Bundestag ein. Beide kandidieren 2017 wieder. Richtig spannend wird es im Norden wohl erst wieder 2021 – dann, so vermutet man in der CSU, macht der populäre Singhammer endgültig Schluss.

Wahlkreis West-Mitte

Der Westen ist altes CSU-Stammland. Und trotzdem wird es spannend, denn die Karten werden neu gemischt. In der SPD läuft alles auf Bernhard Goodwin heraus. Goodwin, 37, ist Pressesprecher der Münchner SPD. Er arbeitet als Kommunikationswissenschaftler an der Universität. In der CSU hingegen ist die Sache noch nicht klar. Hans-Peter Uhl hört auf, der Wahlkreis gilt als sichere Bank. Das hat Begehrlichkeiten geweckt. Seit mehr als einem Jahr kursieren die Namen etlicher Interessenten. Und doch zeichnet sich ab, wer sich im Kreisverband von Bürgermeister Josef Schmid durchsetzen dürfte. Etliche Interessenten sind wohl aus dem Rennen – darunter die Bundestagsabgeordnete Julia Obermeier, die mitten in der Legislaturperiode aus dem Kreis Mühldorf in den Wahlkreis gezogen ist. Chancen werden nur noch zwei Kandidaten zugerechnet: Hans-Peter Hoh, 52, und Stephan Pilsinger, 29. Hoh ist Jurist, saß einst im Stadtrat. „Im Wahlkampf wird Sicherheit das Thema sein“, sagt er. Sein Konkurrent Pilsinger ist Arzt und Chef der Jungen Union. „Ich stehe dafür, die Kernwähler einzubinden, aber auch Migranten, Alleinerziehende, Homosexuelle anzusprechen“, sagt er. Den Großstadt-Kurs Schmids unterstütze er „inhaltlich und persönlich voll“. Gut möglich, dass es am Ende auf Pilsinger zuläuft. Denn keiner in der Partei kann sich vorstellen, dass im Westen ein Kandidat gegen Schmids Willen durchgesetzt wird. Hoh aber ist Chef des CSU-Ortsverbands Aubing. Zwischen den Aubingern und Schmid soll es zuletzt immer wieder ordentlich gerumpelt haben. „Wenn Hoh in den Bundestag geht“, so drückt es einer aus der Partei aus, „dann wäre Schmid nur noch ein Kreisvorsitzender unter Hoh“.

Wahlkreis Ost

Im Osten wiederholt sich wohl der Wahlkampf von 2013: Der junge Wolfgang Stefinger, CSU, setzte sich damals problemlos gegen Claudia Tausend durch – die über die Liste in den Bundestag einzog und inzwischen Münchner SPD-Chefin ist. Wie Tausend ihre Chancen auf ein Direktmandat einschätzt? 35 Prozent brauche die SPD im Bund, damit sie im Münchner Osten überhaupt eine Chance darauf habe, sagt Tausend. „Wir müssen uns über die Liste absichern, das ist das Wichtigste“, erklärt sie. Die einst so stolze Münchner SPD, sie geht 2017 in allen Wahlkreisen als Außenseiter ins Rennen.

So planen die kleinen Parteien

Die Münchner Grünen haben derzeit zwei Bundestagsabgeordnete: Dieter Janecek und Doris Wagner. Janecek dürfte problemlos einen sicheren Listenplatz bekommen, dahinter wird es spannend.

Offiziell hat sich Landtags-Fraktionschefin Margarete Bause noch nicht festgelegt, parteiintern wird aber davon ausgegangen, dass sie in München antritt, wahrscheinlich im Osten– was zum Problem für Doris Wagner (München-Nord) werden könnte, weil wohl nur eine Münchner Frau einen sicheren Listenplatz bekommt.

Im Süden will für die Grünen wohl Peter Heilrath antreten, der im Landesverband für Europa-Themen zuständig ist. Aber auch Marcel Rohrlack hat Ambitionen, der Vorsitzende der Grünen Jugend München.

In der FDP will es Daniel Föst probieren. Der 39-Jährige ist Generalsekretär der FDP Bayern – und strebt den Listenplatz 1 an. Gelingt das, ist Föst im Bundestag. Zumindest dann, wenn die FDP in den Bundestag zurückkehrt.

Ein zweiter aussichtsreicher Münchner Kandidat könnte dem Vernehmen nach Lukas Köhler werden, der Bayern-Chef der Jungen Liberalen.

Die Münchner Linkspartei-Abgeordnete Nicole Gohlke erklärt auf Nachfrage, noch einmal antreten zu wollen. Bei der AfD heißt es, man könne noch nichts zu möglichen Kandidaten sagen.

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