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Hoffen auf mehr Rechte für homosexuelle Mütter: Barbara Stenzel (links) und Tanja Pröbstl sind guter Dinge.

Christopher Street Day

Wie lesbische Mütter in München leben

München - Viele tausend lesbische Frauen werden am Samstag zum Christopher Street Day auf die Straße gehen. Zum Beispiel Barbara Stenzel und Tanja Pröbstl. Im Münchner Alltag sehen sie nur wenige Probleme. Doch die rechtlichen Hürden machen es Frauenpaaren mit Kinderwunsch immer noch schwer.

In der Schule geht es um Menschenrechte, als Barbara Stenzels Tochter Regenbogen-Familien anspricht. Familien also, in denen die Kinder zwei Väter haben – oder zwei Mütter. Die Lehrerin erzählt, sie habe kürzlich einen Christopher Street Day gesehen. Sie könne sich nicht vorstellen, dass es gut für die Kinder sei, wenn sie lesbische oder schwule Eltern haben. Barbara Stenzels Tochter widerspricht. „Übrigens“, sagt sie. „Meine Eltern sind lesbisch.“

Stenzel, 60, Fotografin, breites Lächeln, ist eine fröhliche Frau. Doch wenn sie beim Interview im Stadtcafé die Geschichte von der Lehrerin ihrer Tochter erzählt, wirkt sie immer noch entsetzt. Stolz auf ihr selbstbewusstes Mädchen schwingt auch mit, klar, aber vor allem schwebt die Frage über den Restaurant-Tisch: Wie groß ist das Unbehagen gegenüber Mütterpaaren noch im München des Jahres 2016? Und: Wie kann man Vorurteilen begegnen?

Barbara Stenzel ist engagiert im Netzwerk „Les Mamas – Lesbische Frauen mit Wunschkindern und Kinderwunsch“. Am Samstag wird sie auf den Christopher Street Day (CSD) gehen. So wie sie es seit Jahrzehnten tut. Es ist ein Feiertag für Stenzel. Sie ärgert, dass der CSD oft nur als eine Parade schwuler Männer wahrgenommen wird. Schon immer seien Frauen mit dabei gewesen: 1980, beim ersten Münchner CSD, waren es immerhin 30 (und 120 Männer).

Mit am Tisch sitzt Tanja Pröbstl. Die 33-Jährige gehört der jungen Generation politisch aktiver lesbischer Frauen an. Sie engagiert sich ebenfalls bei „Les Mamas“, arbeitet als Stiftungs-Sprecherin. Und wird in wenigen Wochen Mutter. Stenzel und Pröbstl sprechen sehr positiv von der toleranten Atmosphäre in München, davon, dass Normalität eingekehrt sei. „Der Alltag mit Kindern ist dem von Heteropaaren sehr ähnlich“, betont Stenzel. Auch Pröbstl sagt, im Alltag gebe es „sehr wenige Probleme“. Zumindest hier, in der Großstadt. Und: Wenn man die Kinder erstmal hat.

Denn lesbische Frauen kämpfen immer noch um mehr Rechte. Und gegen Vorurteile. „Sogar manche Ärzte glauben, es sei verboten, lesbischen Frauen zum Kind zu verhelfen“, sagt Pröbstl. „Und Krankenkassen tragen die erheblichen Kosten in der Reproduktionsmedizin nicht.“

Dazu kommt: Frauen können das leibliche Kind ihrer Partnerin nicht vor der Geburt als ihres anerkennen lassen – anders als Väter. Wunschkinder, die in eine lesbische Beziehung geboren werden, werden behandelt, als handele es sich um eine Adoption. Selbst wenn Frauen mit eingetragener Lebenspartnerschaft ein Kind bekommen, muss das Verfahren einer Stiefkindadoption durchlaufen werden, was nach der Geburt oft ein ganzes Jahr dauert, wie Stenzel sagt. „Das verschärft die Sorgen, die jede Familie vor einer Geburt hat“, ergänzt Pröbstl. „Was ist, wenn der leiblichen Mutter etwas passiert? Das empfinden viele in dieser aufregenden Lebenssituation als besonders belastend.“

Den mühsamen Weg zum gemeinsamen, anerkannten Kind findet Pröbstl einfach nur sinnlos. „Frauen werden in ihren Beziehungen doch immer Kinder gebären“, sagt Pröbstl. „Das wird niemand verhindern können.“ Sie hofft, dass das irgendwann auch Konservative überzeugt. „Ich habe schon Hoffnung, dass rechtlich noch mehr in Bewegung kommt – schließlich sollte das Kindswohl im Vordergrund stehen.“

Bei aller Hoffnung auf Besserung: Manche Entwicklung sehen die beiden auch mit Sorge. Zum Beispiel, dass in Talkshows zum Thema immer auch Gäste eingeladen sind, die Kinder in homosexuellen Beziehungen ablehnen, „Unsere Familien sitzen auch vor dem Fernseher!“, sagt Stenzel bestimmt. „Das sollte unseren Kindern nicht zugemutet werden!“ Homophobe Äußerungen seien in Deutschland aber eben bisher nicht so geächtet wie andere diskriminierende Aussagen.

Pröbstl und Stenzel hoffen, dass sich das ändert. Dass sie Heterosexuellen rechtlich ganz gleich gestellt werden. Dass in Schulen mehr und anders über das Thema gesprochen wird. Auch die Kinder von herkömmlichen Münchner Paaren würden zwei Mütter zunehmend als normal empfinden. „Ein Sohn von Freunden“, erzählt Pröbstl und strahlt über das ganze Gesicht, „läuft immer im Kindergarten rum und erzählt: Natürlich können auch zwei Frauen Kinder haben.“

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