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Rekord-CSD in München: Ein Fest für die Menschenrechte

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Von: Felix Müller

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© Reinhard Kurzendörfer

München - Rekord-Besuch beim Christopher Street Day: Am Samstag kamen erstmals mehr als 100 000 Menschen zu der Parade. Bürgermeister Schmid (CSU) forderte die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe. Doch trotz aller gefeierten Toleranz: Am Ende wurde ein Mann im Frauenkleid verprügelt.

Schrill und ernst, männlich, weiblich und ziemlich viel dazwischen: Schwule, Lesben, Transgender und Unterstützer haben am Samstag mit einer eindrucksvollen Parade durch die Innenstadt für mehr Rechte demonstriert. 105 000 Teilnehmer und Zuschauer zählte die Polizei, so viele wie noch nie. In München ist der Christopher Street Day (CSD) längst keine Schwulen-Parade mehr.

Natürlich gibt es sie noch, die bunten Vögel, die Leder-Männer, die schwulen Schuhplattler. Aber die Parade wird immer mehr geprägt von lesbischen Frauen, von Jugendlichen – und auch von Heterosexuellen, die einfach mitfeiern und -demonstrieren wollen. Zum Beispiel Swenja, 16, und Sophie, 18, aus Dachau, die am Samstagmittag auf dem Marienplatz stehen. „Ich bin nicht lesbisch“, betont Swenja. „Ich habe einen Freund.“ Ihr gehe es hier um Menschrechte. „Wer ein Herz hat“, sagt sie, „muss einfach für die Ehe für alle sein.“

Versprechungen von Reiter und Schmid

Dieses Herz, das haben an diesem sonnigen Samstagmittag viele. Gut gelaunt zieht der Zug durch die Stadt – und die Politiker haben den Demonstranten das eine oder andere Zuckerl mitgebracht. So verspricht Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) spontan ein Begegnungszentrum für lesbische Frauen. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt Bürgermeister Josef Schmid mit seiner Rede. Der Mann ist von der CSU, wird aber gar nicht mehr ausgepfiffen, sondern ziemlich positiv aufgenommen. Schmid fordert die rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe und ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner. Beim OB stößt er da auf offene Ohren. Dieter Reiter, weißes Hemd, Goldkettchen, steht zum Beginn des Umzugs am Startpunkt der Parade. Er stimme in dem Punkt mit Schmid „vollkommen überein“, sagt der SPD-Politiker. „Aber ob die CSU das auch so sieht wie Josef Schmid?“

Viele Besucher zeigen: "Familie ist, was wir draus machen"

Es ist diesmal eine besonders politische Parade, denn durch die Diskussion um eine Öffnung der Ehe haben Schwule und Lesben ein brisantes aktuelles Thema. Auf dem Marienhof feiern lesbische Mütter mit ihren Kindern. „Familie ist, was wir draus machen“, ist das Motto des CSD, und Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl ruft: „Familie ist ein Kampfbegriff der Homohasser geworden. Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Besonders selbstbewusst sind die Schwulen und Lesben immer noch im Glockenbachviertel. Hier hängen an diesem Samstag wieder viele Regenbogenfahnen aus den Häusern, Nachbarn räumen Camping-Stühle auf den Gehweg, um den Demonstrationszug zu bejubeln. Die Veranstalter sind hochzufrieden mit dem Rekord-CSD. „Wir sind sehr happy über dieses entspannte, friedliche Fest“, sagt Pressesprecherin Rita Braaz am Tag darauf. Da weiß sie allerdings noch nicht, dass ein Übergriff den Christopher Street Day überschattet.

Grünen-Politiker nach dem CSD verprügelt

Marcel Rohrlack, der Vorsitzende der Grünen Jugend München, wurde am Abend in Haidhausen verprügelt. Der 18-Jährige war in einem weißen Kleid und mit Stöckelschuhen auf der Parade gewesen. „Ich hatte den ganzen Tag viel positiven Zuspruch bekommen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf dem Rückweg seien er und sein Freund dann um 19 Uhr am Ostbahnhof angepöbelt worden. An der Orleansstraße hätte ihm ein Mann aus der Gruppe der Angreifer einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Rohrlack wurde im Krankenhaus genäht. Der Schock ist ihm am Sonntag noch anzuhören. Er betont aber auch, dass Passanten geholfen hätten. Und er sagt: „Ich lasse mich ganz sicher nicht einschüchtern.“ Er werde auch in Zukunft im Kleid auf den CSD gehen. „Jetzt erst recht.“

Felix Müller

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