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Fröhlich und ernst: Schrille Outfits sorgten für Spaß bei den Zuschauern.  

Über 100.000 Zuschauer

Christopher Street Day: Ein buntes Zeichen für Vielfalt

München - Vor dem Hintergrund des Attentats in Orlando und fortwährender Anfeindungen haben Münchens Schwule und Lesben ein Zeichen gesetzt. Bunt, ausgelassen und rekordverdächtig zeigte sich der Christopher Street Day: 86 Wagen, 10.000 Teilnehmer und 115.000 Zuschauer waren auf der Straße. Erstmals auch ein Wagen der CSU.

Viele Teilnehmer zeigten ihre Solidarität mit den Opfern von Orlando.

Die einen feierten sich in der Sommerhitze selbst: Etwa die Ex-Maikönigin „Mylady Charleen“, mit schwarzem Dirndl, hochhackigen Schuhen und Vollbart. Andere waren Werbeträger für ökopolitische Anliegen: Etwa die Dame im grünen Kostüm, das besetzt war mit weißen Windmühlrädern und einer idyllischen Modellbau-Landschaft. Doch nicht alle stachen bei diesem Christopher Street Day (CSD, Motto: „Vielfalt verdient Respekt. Grenzenlos!“) durch bunte Outfits, hippe Musik oder ausgefallene Motive heraus: Vergleichsweise schlicht und blass wirkte ein weißer Wagen mit Löwengrafik und vielversprechenden Botschaften: „Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“, war dort zum Beispiel zu lesen. Die politische Bedeutung des unauffälligen Wagens war jedoch umso größer. Denn er gehörte zur CSU, die sich mit rund 50 Teilnehmern erstmals an der Parade beteiligte.

Fröhlich und ernst: Schrille Outfits sorgten für Spaß bei den Zuschauern.

Organisiert hatten die Aktion die Lesben und Schwulen in der Union in Zusammenarbeit mit dem lesbisch-schwulen Netzwerk in der CSU (wir berichteten). „Es war ein unglaublich tolles Erlebnis,“ erzählt der CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius, der die 115 000 Besucher vom Wagen aus hautnah miterlebte. Doch neben vielen positiven Reaktionen habe er auch einige gesenkte Daumen im Vorbeifahren beobachten können. „Wir haben auch Ablehnung erfahren,“ gibt Fabritius zu. Insgesamt aber habe sich gezeigt, dass München eine weltoffene Stadt sei – und die CSU eine ebensolche Partei. Freilich gibt es auch hier Grenzen. Zwar befürworte er eine Gleichsetzung verpartnerter Homosexueller mit heterosexuellen Ehepaaren, sagte Fabritius. Es gehe allerdings nicht um Gleichmacherei. „Man muss die Ehe schützen.“

Der CSU-Wagen war prominent besetzt. So waren auch die Bundestagsabgeordneten Gudrun Zollner und Julia Obermeier vertreten. Sogar Horst Seehofer habe man eingeladen, berichtet Patrick Slapal, Mitorganisator von der Jungen Union. Doch habe der Ministerpräsident in einem netten Schreiben dankend abgesagt. „Eine positive Anerkennung“, findet Slapal. Der Landesvater war immerhin auf Aufklebern mit von der Partie. Die bunten, bierdeckelgroßen Sticker an der Seite des Wagens trugen Aufschriften wie „Crazy Horst“, „Super Horst“ und „Voll Horst“.

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hatte sich bereits zum politischen Auftakt des CSD auf dem Marienplatz als offen und engagiert präsentiert. Neben dem Schirmherrn der Veranstaltung, Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), und Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl lief er zwischen den „Schwuhplattlern“ und der Wähler-Initiative Rosa Liste an der Spitze der Parade. Gegen Ende kletterte er dann auch noch auf den CSU-Wagen und fuhr ein letztes Stück mit. Das Zeichen, das die CSU nun mit ihrem Wagen setzte, wertete Lydia Dietrich die lesbische Vertreterin der Grünen im Rathaus, als positiv. Doch forderte sie: „Es müssen auch Taten folgen.“

Der Christopher Street Day ist aber nicht nur bunt, sondern vor allem immer auch politisch.

Dass die USA Deutschland bei der Gleichstellung der Lesben und Schwulen in einigen Punkten voraus ist, verkündeten die Läufer des amerikanischen Konsulats auf ihren Plakaten. Nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, dürften nun dort auch Transsexuelle offen in allen Bereichen des Militär dienen, berichtet Anthony Miranda, Pressesprecher im US Konsulat in München.

Doch neben Forderungen nach Gleichstellung wurde auch der Opfer des Attentats von Orlando gedacht. Bei dem Massaker in einem Homosexuellen-Club am 12. Juni waren 49 Menschen gestorben und zahlreiche verletzt worden. „Es war eine Attacke auf uns alle“, betonte Miranda. Viele Gruppen bekundeten auf Schildern ihre Solidarität mit den Opfern und Angehörigen. Über eine Zunahme rechtsradikaler Tendenzen und Homophobie klagten einige Redner am Marienplatz. Alexander Miklosy (Rosa Liste), Vorsitzender im Bezirksausschuss Ludwigs-/Isarvorstadt, zu dem das Glockenbachviertel gehört, und damit gewissermaßen Hausherr der Veranstaltung, schlug trotz aller demonstrierten Lebensfreude nachdenkliche Töne an: „Wir wandern auf einem schmalen Grad der Toleranz.“

Bunte Kostüme, hämmernder Techno: Bilder vom CSD in München

Christina Seipel

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