Weltbekannte Band zu Besuch

Die Beach Boys staunen über Münchner Eisbachwelle

Die kalifornische Band Beach Boys spielt am 11., 12., und 13. Dezember in der Münchner Olympiahalle. Bevor das erste Konzert am Freitag los ging, schauten sich zwei Bandmitglieder ein Wahrzeichen im Englischen Garten an.

Surfen, das ist Sommer, Sonne, Meer – und die Beach Boys. „If everybody had an ocean / Across the U.S.A / Then everybody’d be surfin’ / Like Californi-a.“ Das sind die ersten Zeilen aus Surfin’ USA. Legendär. Die Aussage: Hätte jeder Amerikaner das Meer vor der Haustür, würde jeder Amerikaner surfen! Klar, logisch. Was müssen die Beach Boys da die Münchner bemitleiden: Kein Meer weit und breit. Wir haben Mike Love und Bruce Johnston von den Beach Boys trotzdem zu einem Besuch am Eisbach überredet.

Wir treffen die Beach Boys am Freitagmittag im Nobel-Hotel, an drei Tagen treten sie bei der Night of the Proms auf (siehe Kritik rechts). Per Luxuskarosse geht’s zum Eisbach. In der Limousine dann keine Spur von Star-Allüren. Die Jungs haben Millionen gescheffelt, seit 1988 ihren Platz in der Hall of Fame – und Bruce Johnston (Keybord, Bass) verteilt artig Komplimente: „Coole Frisur! Kann ich nicht mehr tragen.“

Der Mann ist 71 Jahre alt, sein verbliebenes Haupthaar lugt unter einer grauen Kappe hervor. The Beach Boys – das sind Texte über Sonne, Frauen und schnelle Autos. Und, na klar: Surfen. Die ersten drei Alben heißen so: Surfin’ Safari, Surfin’ USA, Surfer Girl. Soweit das Klischee. War vielleicht alles nur Show? Eine lässige Pose, um Mädchen am Strand zu beeindrucken? „Nix da“, ruft Bruce Johnston empört. „Ich surfe seit 1958!“ Den Vorwurf, wenn überhaupt surfe er doch nur noch im Internet, wischt er lachend beiseite. Noch heute schnappt er sich sein Surfbrett, so oft er kann. Den Traum vom Ozean vor der Haustür hat er sich erfüllt, sein Haus in Santa Barbara, Kalifornien, liegt direkt am Strand.

Apropos Strand: Wenn jemand weiß, wo der beste Strand der Welt liegt, dann ja wohl die Beach Boys. Love? „Hawaii!“ Johnston? „Da, wo die schönsten Mädchen herumlaufen!“ Eine Religion ist Surfen für die beiden nicht. „Unsere Religion heißt Musik“, sagt Love (74). Damals habe man eben über das gesungen, was gerade anfiel. „Wenn wir mit dem Auto zum Strand gefahren sind, dann haben wir eben über das Auto gesungen“, erklärt Love. „Ich kann nicht glauben, dass wir immer noch singen!“, sagt Johnston und kichert.

Als die beiden Rock’n’Roller am Eisbach aussteigen, ruft Johnston plötzlich: „Das hier kenne ich! Da war mal ein Foto in einem Surfer-Magazin.“ Und Love? „Nie gehört.“ Ein sonniger, klarer Nachmittag im Münchner Dezember, die Luft hat neun Grad, das Wasser vier. „Und da wollen die rein?“, fragt Love. „Das ist verrückt!“ Johnston winkt ab: „Das ist mir zu kalt, da geh ich nicht rein.“ Seine Augen blitzen trotzdem vergnügt. Als einer der Surfer kopfüber ins Wasser fällt, lacht Johnston und klatscht in die Hände. „Los, gib mir ein Brett!“ Dann kommen die Eisbachsurfer heran. „Was? Die Beach Boys? Die echten? Das ist ja saucool!“ Es wird nach Smartphones gekramt, Kameras blitzen. Die Surfer Tao Schirrmacher und Patrick Bäuml erklären den beiden Rockstars, wie die Welle funktioniert, Love und Johnston hören interessiert zu. Ein paar Erinnerungsfotos, ein kurzes Video-Interview, dann geht’s zurück zum Auto. Auf der Brücke bleibt Bruce Johnston kurz stehen, beugt sich über die Ballustrade hinunter zu den Surfern und murmelt: „Das war das Coolste, was wir auf der Tour gemacht haben.“ Dabei ist weit und breit kein Meer in Sicht.

Die Beach Boys

Die Beach Boys sind eine der weltweit erfolgreichsten Rock-Bands der 1960er und frühen 1970er Jahre. Hits wie Surfin’ USA oder Good Vibrations haben sich tief ins kollektive Musikgedächtnis eingebrannt. Gegründet wurde die Band 1961 von den Brüdern Brian, Dennis und Carl Wilson, ihrem Cousin Mike Love und dem Schulfreund Alan Jardin – im Surfer-Paradies Kalifornien. Bruce Johnston ist seit 1965 dabei. Mit ihrem Sound haben die Beach Boys ein eigenes Genre geprägt: Die Surfmusik, eine Variante des Rock’n’Roll. 2001 erhielt die Gruppe einen Sonder-Grammy für ihr Lebenswerk.

Tobias Scharnagl

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