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Ein Profi im Spiele machen: Marco Teubner vor einem Regal mit seinen Erfindungen. „Stone Age Junior“ wurde als „Kinderspiel des Jahres 2016“ prämiert.

Interview

„Ein guter Autor muss ein Teamplayer sein“

Marco Teubner im Merkur-Interview über die Kunst des Spieleerfindens und die vielen Hürden, die es bis ins Ladenregal zu nehmen gilt.

Mammutstoßzähne, Pfeilspitzen, Fische. Das ist ein Teil des Geheimrezepts, mit dem der Spieleautor Marco Teubner den Preis für das „Kinderspiel des Jahres 2016“ abgeräumt hat. Der 44-Jährige aus Antdorf in Oberbayern hat schon viele Spiele für Kinder erfunden, sein neuestes Spiel – „Stone Age Junior“ – ist wohl eines der erfolgreichsten. In dem Spiel für Kinder ab fünf geht es darum, Rohstoffe zu sammeln und mit diesen eine erste Steinzeitsiedlung zu erbauen. Wer will, kann Teubner auf der „Spielwiesn“ treffen, die von heute bis Sonntag im Veranstaltungscenter MOC an der Lilienthalallee stattfindet. Ein Gespräch darüber, wie man Spieleautor wird und was man dafür können muss.

-Herr Teubner, wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Spiele?

Die Ideen kommen an den unterschiedlichsten Orten. Es gibt nicht so den einen Schalter, wo ich sag: Wenn ich das mach, dann hab ich eine Idee. Die Ideen liegen eigentlich auf der Straße, das Problem ist, sie jedes Mal zu sehen. Das sind manchmal die verrücktesten Sachen, die man beobachtet, und plötzlich entdeckt man eine Idee dabei.

-Und dann?

Oft ist es so, dass man den Gedanken mit sich herumträgt, man versucht ein paar Sachen und merkt, dass es nicht so einfach ist. Ich lasse die Sachen ab einem bestimmten Zeitpunkt wieder liegen. Ich habe ein großes Regal, da liegen viele Spieleentwürfe in den verschiedensten Stadien drin. Ich versuche dann nicht mehr daran zu denken und mache mit einem neuen Projekt weiter. Dann passiert das, was typisch für den Kreativitätsprozess ist. Durch das Vergessen fängt das Unterbewusstsein an weiterzuarbeiten. Irgendwie ist es wie bei Wickie – man reibt sich an der Nase und plötzlich ist die Glühbirne über’m Kopf und man sagt sich: Ja klar, logisch.

-An wie vielen Spielen arbeiten Sie gerade parallel?

(überlegt) Ich würde sagen so ungefähr acht bis zwölf.

-Wie lange brauchen Sie, bis ein Spiel fertig ist?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Es kann sein, dass man in der Früh einen Gedanken hat und am Abend schon den ersten spielbaren Prototypen fertig hat. Es kann sich aber auch über Monate hinziehen. In der Regel dauert es zwischen einem Viertel- und einem halben Jahr.

-Wie läuft denn der Prozess von der Idee bis zur Fertigstellung ab?

Ich mache vorwiegend Kinderspiele. Kinderspiele leben stark von den haptischen Komponenten. Welches Material? Wie wird mit dem Material umgegangen? Es geht um Balance, um Gleichgewicht, um Massen, um Größen. Ich baue sehr schnell einen Prototypen. Ich geb die Prototypen dann Kindern in die Hand und versuche aus zweiter Reihe zu beobachten: Was machen die damit?

-Da mussten Ihre eigenen Kinder vermutlich schon öfter als Testspieler herhalten.

Nicht mehr so. Die könnten es natürlich machen, sie sind aber schon etwas vorbelastet, weil ich das jetzt schon 16 Jahre mache. Ich gebe die Prototypen meistens in Kindergärten. Das hat natürlich den Vorteil, dass alle paar Jahre neue Kinder da sind. Ich habe also einen steten Fluss an neuen Testspielern. Und es gibt nichts ehrlicheres als Kinder.

-Kinder müssen das Verlieren erst lernen. Bauen Sie das in Ihre Spiele mit ein?

Man beachtet das schon. Es gibt gewisse Strategien, die man als Entwickler verfolgt, um den Zugang für Kinder einfacher zu machen. Ein Erwachsenenspiel macht zum Beispiel wesentlich größere Spannungsbögen. Bei Kinderspielen versuche ich viel schneller, den Kindern kleine Erfolgshäppchen zu geben. Nicht das einmal große Verlieren, sondern du bekommst was und bekommst was und einmal bekommst du halt nichts. Man versucht also schon, den Kindern das Verlieren beizubringen.

-Was sollen Kinder aus Ihren Spielen mitnehmen?

In erster Linie Spaß. Von den Verlagen wird oft auf den Zusammenhang von Spielen und Lernen hingewiesen – wie toll und wie wichtig das ist. Ich glaube, dass das automatisch passiert. Am besten funktioniert das, wenn die Kinder Spaß dabei haben. Mir nützt ja das beste Lernspiel nichts, wenn’s keinen Spaß macht und die Kinder es nicht spielen.

-Worauf muss man beim Spiele erfinden achten?

(lacht) Wenn man das immer alles so genau wüsste, würde ich nur noch gute Spiele bauen. Es ist ein Mix aus ganz verschiedenen Dingen. Das ist nicht nur die Spielweise, das ist auch die Spielgeschichte, das ist das Eintauchen. Wir haben bei „Stone Age Junior“ zum Beispiel eine Geschichte geschrieben mit dem Versuch, das Kind wirklich mit auf eine Reise durch die Steinzeit zu nehmen. Das Gesamtpaket führt dann dazu, dass es Spaß macht.

-Wie werde ich Spieleerfinder?

Das allerwichtigste: Erst mal anfangen. Es gibt ganz viele, die sagen, sie haben eine Idee und die müsste man mal umsetzen. Dieses „müsste man” ist schon das erste Problem. Die werde ich mal umsetzen, das mach ich jetzt. Das ist das erste. Dann gibt’s sogenannte Autorentreffen, da sollte man sich eins suchen – die beiden größten sind in Göttingen und in Haar. Da kommt man in Kontakt mit anderen Autoren, kann sich austauschen und wird ganz schnell lernen. Dann wird einen wahrscheinlich das Virus befallen. Ein Kollege hat mal gesagt: Spiele erfinden, das ist kein Beruf, das ist eine Krankheit.

-Wie verdient ein Spieleautor sein Geld?

Wie Buchautoren auch verdient ein Spieleautor an jedem Spiel das verkauft wird mit – nur um einiges schlechter: Pro verkauftes Spiel bekomme ich zwischen 50 Cent und einem Euro. Aber das ist mein Beruf, ich mach das von früh bis spät. Und ich schaffe damit auch, eine Familie mit drei Kindern zu ernähren, aber es ist nicht immer einfach. Da hilft ein Preis wie das Kinderspiel des Jahres natürlich immens.

-Was macht einen guten Spieleerfinder aus?

Er muss mit Leuten gut zusammenarbeiten können, obwohl er die Ideen alleine entwickelt. Und obwohl das Spiel von ihm kommt. Wenn es dann letztendlich umgesetzt wird, braucht er einen Verlag, eine braucht eine Redaktion, einen Grafiker, einen Illustrator. Das fertige Spiel ist eigentlich ein Produkt von vielen guten Leuten. Es nützt wenig, wenn sich der Autor nicht öffnet. Er muss sein Baby zur Verfügung stellen, damit die anderen noch daran herumfeilen können. Ein guter Autor muss ein guter Teamplayer sein.

-Sie geben auch Seminare für angehende Spieleautoren. Was bringen Sie den Teilnehmern als erstes bei?

Nicht in den gewohnten Bahnen zu denken. Wenn wir Dinge sehen, geben wir ihnen eine Bedeutung und verfallen ganz schnell in bekannte Strukturen. Neues zu erfinden heißt, diese Bahnen zu verlassen. Wenn ich einen Würfel habe, ist das naheliegendste, damit zu würfeln. Man könnte ihn auch stapeln, man kann ihn balancieren. Der Würfel muss ja keine Augen darauf haben. Es kann auf ganz andere Dinge ankommen. Ich könnte den Würfel als eine Art Bowlingkugel verwenden, um etwas anderes umzuhauen.

Interview:Caspar von Au

Die Mitmachmesse „Spielwiesn“

Bereits zum 25. Mal wird München zu einem riesigen Paradies für Brettspiel-Liebhaber. Ab heute bis Sonntag können sich Kinder und Erwachsene auf der „Spielwiesn“ Gesellschaftsspiele aus einer Auswahl von rund 3000 Spielen ausleihen und testen. 60 ehrenamtliche Helfer erklären den Spielern bei Bedarf die Regeln. Zudem wird auf der Spielwiesn das Finale der Deutschen Catan-Meisterschaft ausgetragen. Auch Spieleautor Marco Teubner wird auf der Spielwiesn vertreten sein. Am Samstag zwischen 11 und 12 Uhr gibt er am Stand des Hans-im-Glück Verlags Autogramme. Die Messe findet im MOC statt und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag sogar bis 23 Uhr. Eine Tageskarte kostet für Erwachsene 11 Euro, alle drei Tage 27 Euro. Caspar von Au

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