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Tram oder Bus? Der Freistaat möchte die Busspur verschmälern, die Stadt wünscht sich eine Tram durch den Englischen Garten.

Englischer Garten

Streit um Garten-Tram geht weiter

Der Freistaat möchte die Busspur durch den Englischen Garten verschmälern – zugunsten von mehr Grün. Von einer Tram hält die Staatsregierung nach wie vor nichts. Sehr zum Unmut von MVG sowie den Stadtratsfraktionen von SPD und Grünen.

Der Englische Garten, ein Park von Weltrang, ist Chefsache. Finanzminister Markus Söder und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) waren also am Montag höchstpersönlich zum Ortstermin nahe dem Chinesischen Turm erschienen, um neue Pläne für die Busspur zu verkünden. Derzeit verkehren die Buslinien 54, 150 und 154 auf einer Länge von etwa einem Kilometer von der Tivoli- zur Thiemestraße durch den Englischen Garten. Das soll selbstredend so bleiben – allerdings auf einer bis zur Mindestbreite von 6,25 Meter verschmälerten Straße. Ein Begegnungsverkehr der Busse würde zwar noch stattfinden können. Die Straße wird indes auch von vielen Radfahrern und Fußgängern benutzt.

Hintergrund der vorgeschlagenen Maßnahme: „Wir wollen mehr Grün und die Straße ihrem historischen Charakter angleichen“, teilte Söder mit. Der Belag solle den Parkwegen angepasst werden. Derzeit ist die Straße an manchen Stellen bis zu zwölf Meter breit. Söder und Spaenle erklärten, der Vorschlag sei im Kontext mit der Wiederzusammenführung des Englischen Gartens durch den Tunnel am Mittleren Ring zu sehen. „Wir sind auf einem guten Weg, die Wunde der Zerschneidung zu heilen“, sagten die Staatsminister. Der Plan zur künftigen Busspur sei ein „Gesprächsangebot an die Stadt“, wie Söder meinte. Spaenle sprach von einem „starken Signal, um die absurde Diskussion um eine Tram zu beenden“, so der Kultusminister.

Doch da dürfte der Wunsch Vater des Gedankens bleiben. Die Stadtratsfraktionen von SPD und Grünen reagierten verständnislos auf die Initiative des Freistaats, während die CSU den Schritt zu „einer weiteren Verschönerung des Englischen Gartens“ begrüßte. Gleichwohl räumte deren verkehrspolitischer Sprecher Richard Quaas ein: „Die unbehinderte Fahrradquerung, die bislang auf der Busspur abgewickelt wurde, sollte bei der Umbaumaßnahme sichergestellt werden.“

Der planungspolitische Sprecher der SPD, Christian Amlong, erklärte: „Auf dieser Basis wird es keine Einigung geben.“ Der Vorschlag bedeute eine Verschlechterung für den ÖPNV. Die SPD halte nach wie vor eine batteriebetriebene Tram, die ohne Oberleitung auskommen und mit Rasengleisen verlegt würde, für die beste Lösung. Damit hätten wir beides erreicht: „Mehr Grün und eine bessere Nahverkehrsverbindung“, so Amlong. Den ministeriellen Vorschlag bezeichnete er als „unverständliche Luftnummer“. Die Grünen lehnen den Plan auch ab. Stadträtin Sabine Nallinger nannte ihn „halbherzig“. OB Dieter Reiter (SPD) ließ ausrichten, er sei nach wie vor „ein Tram-Fan“ und müsse sich die Pläne erst im Detail anschauen.

Der Freistaat als Grundstückseigentümer sträubt sich gegen die „Garten-Tram“, weil die Verlegung der Gleise einen Eingriff in die Natur bedeuten würde. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte im Jahr 2006 diese Haltung bestätigt und eine Klage der Stadtwerke abgewiesen. Begründung: Der Schutz des Englischen Gartens als Denkmal von außergewöhnlicher Bedeutung sei höher zu bewerten als das Interesse an der Errichtung einer Straßenbahn-Neubaustrecke. Mittlerweile hat die MVG als Betreiber der Bus- und Tramlinien in einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen, dass eine Akku-Tram mit Rasengleis möglich wäre. Die MVG erklärte, sie stehe einem Gesprächsangebot des Freistaats aufgeschlossen gegenüber. Es spreche nichts gegen die Aufwertung des Englischen Gartens.

Der Vorschlag aus dem Finanzministerium könnte nach Meinung der MVG jedoch auf das Gegenteil hinauslaufen: „Eine zu schmale Spur würde die Busse ausbremsen und damit Fahrzeitverluste, weniger Komfort für die Fahrgäste und mehr Anfahrvorgänge verursachen“, so Sprecher Matthias Korte. „Eine Trambahn durch den Englischen Garten wäre das Beste, um die wachsenden Fahrgastzahlen auf dieser wichtigen Tangente zu bewältigen und die drei heute dort in dichtem Takt fahrenden Buslinien zu ersetzen“, betonte er. Laut MVG wäre der Abschnitt ein wirtschaftlich sinnvoller Lückenschluss für eine acht Kilometer lange Nordtangente von Neuhausen nach Bogenhausen.

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