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Gegenwart und Zukunft: So soll der Tunnel durch den Englischen Garten einmal aussehen.

Durch den Englischen Garten

Bund lehnt Finanzhilfe für Tunnel ab

München - Im Oktober will der Stadtrat den Bau des Tunnels durch den Englischen Garten beschließen. Vom Bund hatte die Stadt auf Zuschüsse gehofft. Doch das Bauministerium entschied sich, lieber andere Projekte zu unterstützen.

Der Entscheidungsprozess zur Wiedervereinigung des Englischen Gartens ist auf der Zielgeraden angekommen. Nachdem der Freistaat im Juli angekündigt hatte, 35 Millionen Euro für den Bau eines Tunnels bereitzustellen, will die Stadt in Bälde nachziehen. Schon nächsten Monat soll nach Angaben von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SDP) im Stadtrat ein Grundsatzbeschluss gefasst werden. 125 Millionen Euro soll der 390 Meter lange Tunnel kosten. Abzüglich der 35 Millionen Euro vom Freistaat bleiben noch 90 Millionen Euro, die zum überwiegenden Teil von der Stadt getragen werden. Reiter hatte gefordert, dass sich auch private Spender engagieren und als Zielmarke fünf Millionen Euro genannt.

Das Schwabinger Architekten-Ehepaar Hermann Grub und Petra Grub-Lejeune, Initiatoren des Projekts „Ein Englischer Garten“, ist optimistisch, diese Forderung erfüllen zu können. „Stand heute haben wir Zusagen von privater Seite über 1,6 Millionen Euro“, sagt Hermann Grub im Gespräch mit unserer Zeitung. Der größte Batzen, eine Million Euro, wird von der Umweltstiftung der Allianz zur Verfügung gestellt. Das Geld liegt bereits bereit. Grub glaubt, dass der Stadtratsbeschluss für den Bau des Tunnels eine Initialzündung sein wird. „Viele potentielle Spender halten sich noch zurück und warten auf den Beschluss“, sagt Grub. Er hat in den vergangenen Jahren einen namhaften Unterstützerkreis gewonnen, darunter Alt-OB Hans-Jochen Vogel, der über seine Kontakte Spender akquiriert hat. Auch Herzog Franz von Bayern und Unternehmensberater Roland Berger haben sich dem Projekt verschrieben.

Sobald die Stadt grünes Licht gegeben hat, wollen Grubs mit einer Kampagne Spenden einwerben. Mut macht dem Architekten-Ehepaar das Beispiel der Pinakothek der Moderne. Der Freistaat hatte als Bedingung für den Bau gefordert, dass zehn Prozent der Kosten von privaten Spendern kommen. Das wären rund 20 Millionen Euro gewesen. „Am Ende wurden für das Museum aber 45 Millionen Euro eingesammelt“, sagt Grub. Ob für einen Tunnel ähnlich viel zusammen kommt wie für ein Museum? Das weiß auch Grub nicht zu beantworten. Er hat aber keinen Zweifel, dass zumindest die fünf Millionen Euro realistisch sind.

Die Hoffnung der Stadt, dass sich auch der Bund finanziell beteiligen könnte, hat sich indes zerschlagen. Das Rathaus hatte sich um eine Förderung im Rahmen des Fördertopfs „Nationale Projekte des Städtebaus“ beworben, den das Bundesbauministerium aufgelegt hat. Im Juni bewertete eine Expertenjury, die sich je zur Hälfte aus Abgeordneten des Bundestages und aus Experten verschiedener Fachdisziplinen zusammengesetzt hat, die eingereichten Anträge. Die Jury zeigte zwar großes Interesse an der geplanten Untertunnelung des Englischen Gartens, entschied sich aber gegen eine Förderung. Einen der größten innerstädtischen Parks der Welt wiederzuvereinen und 110 000 Autos täglich unter die Erde zu verbannen – offenbar zu wenig aus Sicht der Experten.

Daran konnte auch Jury-Vorsitzender Florian Pronold, Chef der bayerischen SPD und Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und Bau, nichts ändern. Pronold sieht in der Zusammenführung des Englischen Gartens einen „Gewinn“ für München. Die Pläne hatte er sich bei einem Besuch des Info-Pavillons im Englischen Garten angesehen und dabei eine Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro aus dem Fördertopf „Projekte des Städtebaus“ als realistisch bezeichnet. So zumindest erinnert sich Grub. München hat nun die Möglichkeit, sich für die nächste Förderrunde 2017 zu bewerben.

Dringend nötig hat die Stadt die Bundesmittel freilich nicht, willkommen wären sie durchaus. Im Oktober will OB Reiter den Beschluss vom Stadtrat fassen lassen. Die Zustimmung gilt als sicher. Einen kleinen Haken gibt es aber noch. Der Freistaat in Person von Finanzminister Markus Söder hat bislang nur mündlich seine Förder-Bereitschaft erklärt. „Es ist nicht so, dass ich Herrn Söder misstrauen würde, aber die Zusage, dass der Freistaat 35 Millionen Euro beisteuert, hätte ich gerne schriftlich, bevor der Stadtrat darüber entscheidet. Ich habe aber keinen Zweifel daran, dass das zugesagte Geld auch kommt“, sagt Reiter.

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