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Die Buchautorin von „111 Gründe, München zu hassen“ Eva Wuest. Sie lebt heute in Berlin.

Mit einigen hat sie recht

Ex-Münchnerin rechnet ab: Das sind Gründe, die Stadt zu hassen

München - Das neue Buch der Ex-Münchnerin Eva Wuest heißt „111 Gründe München zu hassen“. 101 Gründe davon sind Quatsch - an zehn ist wirklich was dran.

München ist die Weltstadt mit Herz, die nördlichste Stadt Italiens (13 Klischees hier im Faktencheck) oder die Metropole am Rand der Alpen. Trotzdem verbrachte Buchautorin Eva Wuest „viele hasserfüllte Jahre“ in München. 

Dann machte sie drei Weltreisen und entschied sich, nach Berlin zu ziehen. Mit ihrer Ex-Heimat München rechnet sie in ihrem Buch „111 Gründe München zu hassen“ ab. 

Sie spricht von Berlin als der „eindeutig besseren Stadt“.

Ist an den Gründen, München zu hassen, etwas dran?

Hat sie denn recht? Teilweise. Gleichzeitig ist der Titel „111 Gründe etwas zu hassen“ Verkaufsstrategie des Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlags: Ob Berlin, Wien, Bayern oder jetzt eben München.

Auch Eva Wuest gibt genau 111 Gründe an, München zu hassen. Kein Wunder, dass sich viele davon wie an den Haaren herbeigezogen anhören, wie zum Beispiel „Weil es die Frauenkirche auch in Dresden gibt“, „Weil Münchner ihren Fraß für den besten halten“, „Weil die Wiesn sich wiederholt“ oder „Weil es über den FC Bayern auch nichts mehr zu sagen gibt“. 

Diese 10 Fakten sind dennoch Gründe, die Weltstadt mit Herz München ein wenig zu hassen:

1) ... Weil es (k)ein Denkmal für Michael Jackson gibt

Der US-Star Michael Jackson ist im Jahr 2009 gestorben. Seitdem pflegen seine Münchner Fans das Jacko-Denkmal am Promenadeplatz. Doch ein wirkliches Memorial für den King of Pop ist es eigentlich nicht: Denn das Denkmal ist eigentlich dem Komponisten Orlando di Lasso gewidmet. Doch seit Jahren gibt es Ärger zwischen den zwei Fan-Gruppen, da beide das Besitzrecht an den Sockel beanspruchten. Auch eine Facebook-Gruppe „Denkmal-fuer-Michael-Jackson“ hat sich inzwischen gegründet.

2) ... Weil Studenten systematisch ausgelagert werden

„Die LMU ist keine Campus-Uni, obwohl sie auf den ersten Blick so aussehen könnte“, schreibt Eva Wuest in ihrem Buch. Studenten würden systematisch aus der Innenstadt ausgelagert - sie müssen zum Beispiel zum Seminar nach Schwabing-Freimann. Astrophysiker müssen nach Bogenhausen, Tierärzte nach Oberschleißheim und Studenten von der Technischen Uni München nach Garching.

3) ... Weil man übers Getto nicht spricht

Wie Paris seine Banlieues hat, hat auch München seine Problemviertel wie das Hasenbergl, Milbertshofen oder Neuperlach - aber sie werden verschwiegen. 

München wälzt sich vor allem in seinem Image der reichen Weltstadt. Die sozialen und demografischen Probleme wie in Milbertshofen oder Trudering-Riem wie die hohe Arbeitslosenquote werden oft unter den Tisch gekehrt.

Auch viele Rentner in München sind arm dran: In Trudering-Riem beziehen zum Beispiel rund 29 Prozent der Senioren über 65 Grundsicherung - der städtische Durchschnittswert liegt bei 4,2 Prozent.

4) ... Weil man mittlerweile auch „Glockenbach“ einfach durch „München“ ersetzen kann

Das Glockenbachviertel war bekannt als buntes, tolerantes und schwules Szeneviertel in München. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Schwule und Lesben bezeichnen das Glockenbach zwar weiterhin als „ihr“ Viertel. Doch gehe etwas verloren. Das Glockenbach-Viertel ist vor allem Münchner In- und nicht mehr „Schwulen-Viertel“.

5) ... Weil Subkultur vorbei ist

Viel Hoch- und wenig Subkultur - das kritisiert nicht nur Buchautorin und Wahl-Berlinerin Eva Wuest in ihrem Buch. Auch der Münchner Elektro-Jazz-Musiker Belp stimmt ihr zu: In München regiere das Geld. Deshalb seien die Möglichkeiten für Künstler vor allem in der Hochkultur und im Mainstream angesiedelt. Plätze für „wildere Musik“ zum Beispiel in die Hard-Metal- oder Elektro-Jazz-Richtung bietet München nur wenige.

6) ... Weil Alkohol in den öffentlichen Verkehrsmitteln verboten ist

Ein Becher Champagner zum Junggesellen-Abschied, ein Feierabendbier oder ein Cocktail-to-go in der S-Bahn - das ist seit Dezember 2014 nicht mehr möglich. Auch in den Trams, Bussen und U-Bahnen des MVV gilt Alkoholverbot. Außerdem müssen  Passagiere in Regional- und Fernzügen auf Champagner und Bier als Reiseproviant verzichten. 

Nachvollziehbar ist, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln keine wilden Orgien stattfinden sollen. Aber warum müssen sich die Fahrgäste beim Thema Alkohol von der Bahn bevormunden lassen?

7) ... Weil immer noch Straßen nach Rassisten benannt sind

München in der NS-Zeit hat sich zu einem Sammelbecken antisemitischer und nationalistischer Kräfte entwickelt. Sie hinterlassen leider auch heute noch Spuren. 

Die Hilblestraße in Neuhausen-Nymphenburg ist seit 1956 nach Friedrich Hilble benannt. Er hat bis 1937 das städtische Wohlfahrtsamt geleitet. Der „Verein Geschichtswerkstatt Neuhausen“ kritisiert: „Rund zehn Jahre nach der NS-Herrschaft eine Straße nach einem Mann zu benennen, der das System der Nazis und damit den verordneten Antisemitismus stützte und diesen in die Tat umsetzte, ist eigentlich unverständlich.“ Hilbles Wirken in München ist umstritten.

Außerdem wurde auch die Waterbergstraße in Trudering nie umbenannt: Der Waterberg ist ein Tafelberg in Namibia und bezeichnend für die Schlacht am Waterberg. Dabei unterlag das ehemalige Hirtenvolk Herero den deutschen Truppen und ihren einheimischen Verbündeten.  In München wird dieser Erfolg offenbar weiterhin gefeiert.                                                                        

8) ... Weil Freibäder nur bis 18 Uhr geöffnet sind       

Einige Freibäder in München schließen schon um 18 Uhr, wie das Schyrenbad in Untergiesing. Das macht es vor allem der arbeitenden Bevölkerung schwer, das kühle Nass nach Feierabend zu genießen. Andere Münchner Freibäder sind länger geöffnet. Denn die Wetterlagen innerhalb der Stadt können unterschiedlich sein, so die Begründung der Stadtwerke München. Nur an heißen Tagen haben einige Bäder länger geöffnet.

Gleichzeitig fragen sich viele Münchner: Warum öffnen Münchens Freibäder erst um 9 Uhr?

9) ... Weil man Innenstadtverkehr nur auf Valium überlebt

Mit dem Auto vom Umland morgens nach München zu fahren? Schlichtweg eine Katastrophe. Viele Münchner entscheiden sich deshalb bewusst für U-Bahn oder Tram, um in die Arbeit zu kommen. Eigentlich eine gute Idee - aus Liebe zur Umwelt. 

Trotzdem steht München vor dem Verkehrskollaps. Stau auf dem Mittleren Ring ist jeden Tag vorprogrammiert. Keinen kostenlosen Parkplatz in der Innenstadt finden? Wahrscheinlichkeit 99 Prozent. 

10) ... Weil man sich genauso gut ein Brot schmieren kann

Das Buch „111 Gründe, München zu hassen“ kostet 9,99 Euro.

„Wenn man sich lange genug für Münchens Preis-Leistungs-Verhältnis aufopfert, kann man sich irgendwann, tatsächlich, endlich, genauso gut ein Brot schmieren“. 

In diesem Kapital von „111 Gründe, München zu hassen“ kritisiert die Wahl-Berlinerin Eva Wuest vor allem die hohen Mietpreise in München

Und sie hat in diesem Punkt recht: Die Durchschnittsmiete für ein Zuhause in München beträgt 13,58 Euro kalt pro Quadratmeter. Tendenz steigend. Da steht Berlin mit 10,25 Euro noch besser da.

Unser Rechner verrät: So viel Miete sollten Sie eigentlich zahlen.

Das Buch „111 Gründe, München zu hassen - Die Stadt wie sie wirklich ist“ bekommen Sie für 9,99 Euro beim Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag.

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