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Hannes (r.) und ­Christof ­Feneberg in der Filiale.

Gipfelsturm der Fenebergs

Allgäuer Lebensmittelhändler eröffnet dritte Filiale in München

München - Ein neuer Lebensmittelhändler erobert die Landeshauptstadt. Wir sprachen mit einem der beiden Firmenchefs, Hannes Feneberg, über sein Konzept der regionalen Bioprodukte und die München-Pläne seines Lebensmittelunternehmens:

Ein neuer Lebensmittelhändler in der Stadt? Wo doch alles nach Branchenkonzentration der Großen aussieht? Fast unbemerkt hat inmitten der dicken Discounterflotte in München ein neues Unternehmen geankert. Drei Mal gibt es Feneberg schon, die letzte Eröffnung fand am Schwabinger Tor statt. Aber wer ist dieser Feneberg? Das Unternehmen aus dem Allgäu hat 76 Lebensmittelmärkte, die nach dem Konzept „aus der Region für die Region“ funktionieren. Dort gehen unter anderem 400 verschiedene ökologisch erzeugte so genannte „VonHier-Lebensmittel“ über den Tresen. Wir sprachen mit einem der beiden Firmenchefs, Hannes Feneberg, über seine München-Pläne:

Herr Feneberg, wie erklären Sie einem eingefleischten Münchner das Feneberg-Konzept?

Zum Feneberg-Angebot im Schwabinger Tor gehört auch viel ­frisches Obst.

Hannes Feneberg: Feneberg ist eines der letzten familiengeführten regionalen Lebensmittelunternehmen in Deutschland. Wir sind regional fokussiert und haben immer schon unsere Waren rund um unseren Kirchturm gekauft. Das haben wir im Laufe der Zeit systematisiert, wir haben über 600 Vertragslandwirte – zum Beispiel für unsere „VonHier“-Produkte – und damit kann Feneberg was auf regionaler Ebene bieten, das die Großen einem nicht nachmachen können.

Feneberg und München – wie geht es weiter?

Feneberg: Wir möchten in München vorsichtig wachsen. München ist noch in der Nähe unserer Region, die Stadt ist ein Ballungszentrum mit großer Kaufkraft. Wenn wir weitere Standorte bekommen, sagen wir sicher nicht nein. Wenn wir in fünf Jahren so zehn bis 15 Filialen haben, dann wäre das eine sinnvolle Größenordnung.

Das „VonHier“-Konzept, also, dass alle Produkte im Umkreis von 100 Kilometern rund um Kempten stammen, hat das auch in München Bestand?

Feneberg: Für die Herkunft ist das ein Credo, an dem wir nicht rütteln, davon hängt auch die Glaubwürdigkeit unseres Unternehmens ab.

Wie weit geht der 100-Kilometer-Radius eigentlich?

Feneberg: Ziemlich genau bis zum Stachus.

Das heißt, ein Bauer aus Neuaubing oder aus Fürstenfeldbruck könnte auch Ihr Produzent sein?

Feneberg: Klar, wir haben zum Beispiel in Dachau einen großen „VonHier“-Produzenten sitzen, der macht unsere Sauerkonserven.

Was macht Feneberg genau? Sie sind ja nicht nur Händler, sondern auch Hersteller …

Feneberg: Wir bemühen uns, alle wichtigen Prozesse in einer Hand zu haben. Und das ist nicht nur der Verkauf, sondern auch die eigene Produktion im Frischebereich. Wir haben eine Bäckerei und eine Metzgerei. Dazu gehört auch die eigene Rohstoffsicherung durch unsere 600 Vertragslandwirte im ökologischen und weitere 400 im konventionellen Bereich. Unser Konzept geht so tief, dass wir sogar den Landwirten, die Geflügel erzeugen, sagen, von welchem Acker sie das Futter beziehen dürfen. Und damit hat man alle Qualitätsstufen in einer Hand.

Nun klingt Bäckerei und Metzgerei nach Kleinbetrieben mit Theke und Auslage, das ist aber mit Sicherheit nicht so?

Feneberg: Ja, unsere Metzgerei hat ungefähr 200 Mitarbeiter. Wir produzieren dort alles selber. Ich sage immer: Wir sind der größte Gemischtwarenladen Deutschlands, weil wir von der klassischen Wurst über Fertiggerichte bis hin zu Feinkostsalaten alles herstellen. Die Bäckerei hat auch ungefähr so viele Mitarbeiter. Das Besondere ist, dass wir schon seit Jahren ohne Backhilfsmittel produzieren.

Sie haben ja nicht nur bio, sondern ich würde sagen bio-bio? Das heißt: Sie kaufen nicht nur Biomehl von der Mühle, sondern haben auch den Bio-Bauern unter Vertrag, der die Mühle mit Getreide beliefert? Wie kommt man denn auf so was?

Feneberg: Wir haben halt mitgekriegt, dass unsere Kunden immer mehr nachgefragt haben, woher das Produkt kommt und wie es produziert wird. Wenn Sie diese beiden Fragen beantworten, dann sind Sie schnell bei der Regionalität und beim ökologischen Landbau. Nur dafür gab es damals die Bauern nicht, und so bin ich übers Land gezogen und habe mir Bauern gesucht. Wenn ich mich da zurückerinnere: Zuerst waren die Hinterzimmer voll, mit 100 Bauern drin. Dann hat man sein Konzept vorgestellt und gesagt, was man vorhat. Am Schluss sind dann zwei übriggeblieben. Der eine Bauer hat gesagt: Muss das unbedingt bio sein, glaubst Du, unser Zeug ist minder? Und der andere hat gesagt: Das, was Du da zahlen willst, des langt fei nicht. Das waren die Anfänge. Wenn dann einer mitgemacht hat, dann haben die anderen abgewartet, ob es funktioniert und dann sind immer neue dazugekommen. Zum Teil haben wir heute schon Betriebe in der zweiten Generation, zum Beispiel Obst- und Gemüsebauern vom Bodensee.

Als Sie mit Bio anfingen, da war Bio ja noch nicht so weit verbreitet wie heutzutage und eigentlich auch ein unkonventioneller Ansatz gerade auf dem Land. Was war da Ihr Grundgedanke?

Feneberg: Die Erkenntnis, dass aus dem was werden kann, was einem kein Anderer nachmachen kann. Diese enge Verknüpfung mit der Regionalität, die kann nur ein regionales Unternehmen. Das war eine unternehmerische Entscheidung. Also der Krämer hat nachgedacht, wie es in der Zukunft weitergehen kann und hat gemeint: Das mit regionalem Bio – das könnte eine Chance sein. Wenn wir diese starke regionale Profilierung der „VonHier“-Produkte nicht hätten … Ich weiß nicht, ob wir noch eine Chance am Markt hätten.

Interview: Rudolf Bögel

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