Gedenkfeier für Max Mannheimer

„Er hat Zuversicht geschenkt“

Es war eine Gedenkfeier, auf der auch gelacht werden durfte: Im Jüdischen Gemeindezentrum kamen ranghohe Politiker zu Ehren des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer zusammen. Alt-OB Hans-Jochen Vogel verabschiedete sich mit einer großen Geste von seinem Freund.

Es ist ein intimer Moment, der von dieser Gedenkfeier in Erinnerung bleiben wird. Mit den Worten „Leb wohl, lieber Max“, schließt Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel seine Rede zu Ehren Max Mannheimers. „Ich verneige mich vor dir.“ Vogel, 90 Jahre alt, dreht sich zum Porträt des Verstorbenen, das auf die Leinwand projiziert ist, beugt sich hinab, und schließt die Augen. Sekundenlang steht er so da. Viele der Anwesenden halten den Atem an.

Rund 500 geladene Gäste verfolgen am Sonntag im Jüdischen Gemeindezentrum bei der Gedenkfeier für den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer diese große Geste. Vogel bezeichnet Mannheimer als einen Mann, der den Menschen „Humor statt Hass“ vermittelte. Der es schaffte, junge Menschen für sich zu gewinnen, „ohne den Nachgeborenen Schuldvorwürfe zu machen“.

Mannheimer, der am 23. September im Alter von 96 Jahren in München gestorben ist, hatte seit Mitte der 80er-Jahre unzählige Schulen und Bildungseinrichtungen besucht, um jungen Menschen seine Geschichte zu erzählen. Er wurde zu einem wichtigen und angesehenen Zeitzeugen. Als junger Mann hatte Mannheimer im Holocaust fast seine ganze Familie verloren. Er selbst war in Konzentrationslagern gefangen, bevor US-Soldaten ihn kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs befreiten. Doch der in Tschechien geborene Jude berichtete den Menschen von seinem Schicksal „nicht um Mitleid zu erwecken“, wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagt. Sondern um seine Botschaft weiterzugeben: Dass solche Unmenschlichkeit nicht wieder geschehen soll. Nie wieder. „Er kämpfte ein Leben lang für unsere Demokratie“, würdigt ihn Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde.

OB Reiter sagt: „Er war niemals anklagend, ohne jede Verbitterung, und ausgestattet mit jeder Menge Humor.“ Mannheimer habe „unsere dunkle Vergangenheit mit leichter Hand angefasst“.

Berührende und sehr persönliche Worte findet auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Er habe Mannheimer als „einzigartige Persönlichkeit kennengelernt“, als einen Menschen, der viel Herzenswärme und einen unerschütterlichen Optimismus in sich trug. „Er hat mir viel Zuversicht geschenkt“, sagt Seehofer. „Jede Begegnung mit ihm war ein Gewinn.“

Besonders im Gedächtnis sei ihm die gemeinsame Israelreise aus dem Jahr 2012 geblieben. Nach einem Tag voller Termine kamen alle Reisenden im Hotel an, der Service war schon eingestellt. „Doch Mannheimer hat uns alle daran gehindert, ins Bett zu gehen“, erzählt der Ministerpräsident. Der damals 92-Jährige habe dafür gesorgt, dass der Betrieb wieder aufgenommen wurde, dann habe er die Reisegesellschaft „weit bis nach Mitternacht mit seinen Geschichten gefesselt“.

Seehofer erntet viele Lacher und viel Applaus. Und Lachen ist erlaubt an diesem Sonntag der Erinnerung, auch als auf der Leinwand Bilder des Verstorbenen erscheinen: Mannheimer als junger Mann beim Tennisspielen; Mannheimer, wie er seinen neugeborenen Sohn Ernst im Arm hält; wie er mit seinem Enkel Fußball spielt; wie er Kanzlerin Angela Merkel die Hand gibt; wie er die Zunge in die Kamera streckt – und dabei aussieht wie Albert Einstein.

Zum Abschluss tritt Mannheimers Sohn Ernst an das Rednerpult. Die Worte seiner Vorredner haben ihn berührt. „Wie schade, dass unser Vater heute nicht da sein kann“, sagt er. Auf der Leinwand ist derweil ein Bild zu sehen, das Max Mannheimer in einer Straßenbahn zeigt. Er hebt die Hand zum Gruß und – er lächelt.

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