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„Nichts will ich lieber, als auch wieder Notizen zu machen“, sagte Noori Nasrullah sehnsüchtig, als er eine Redakteurin zum Termin begleitete.

Flüchtling aus Afghanistan

Gekommen, um in Freiheit zu arbeiten

München - Noori Nasrullah flüchtete von Afghanistan nach München – und will hier Journalist werden. Hier erzählt er seine Geschichte.

Noori Nasrullah, 27 Jahre alt, stammt aus Afghanistan. Er hat bei unserer Zeitung zwei Wochen lang hospitiert, die Redaktionsabläufe kennen gelernt und sich mit seinem noch brüchigen Deutsch beim Schreiben ausprobiert. In Afghanistan hat er Wirtschaft studiert und als Journalist gearbeitet. Hier erzählt er seine Geschichte:

„Ich war ein junger Journalist in Afghanistan und zufrieden mit meiner Arbeit. Regelmäßig habe ich Politiker interviewt. Einmal in der Woche arbeitete ich für eine Jugendsendung. Dafür habe ich mit Schülerinnen und Schülern über ihren Alltag und ihre Probleme gesprochen. Mit meiner Heimat und meinen Pflichten war ich zufrieden. Täglich ging ich ins Büro und traf draußen wichtige Leute, die mir meine Fragen beantworteten. Das Wichtigste habe ich mir immer notiert.

Wir hatten auch einen Auftrag vom Kunduz Education Department (Bildungsdezernat der afghanischen Stadt Kunduz) angenommen. So besuchte ich jede Woche gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Schule in Kunduz und sprach dort mit den Schülern über ihren Alltag. Diese Berichte wurden einmal in der Woche veröffentlicht. Die Schüler hatten die Gelegenheit, uns übers Internet ihre Meinung und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen.

Ich war sehr froh darüber, dass ich durch meine Arbeit bekanntmachen konnte, dass Afghanistan ein Problem mit Analphabetismus hat. Es dürfen weniger Frauen und Mädchen zur Schule gehen als Jungen. Das liegt daran, dass primitive Männer – oft ihre eigenen Verwandten – sie mit dem Tod bedrohen, wenn sie zur Schule gehen möchten.

Doch nicht nur die Frauen und Mädchen, auch ich als Journalist wurde mehrmals von den Taliban bedroht. Ich sollte mit meiner Arbeit aufhören, sagten sie. Ich ließ mich jedoch davon nicht einschüchtern.

Eines Tages wollte ich zu einer Mädchenschule fahren, die ein paar Kilometer entfernt war. Auf dem Weg dorthin wurde mein Auto von einem Schützen der Taliban beschossen. Die Kugeln trafen die Scheiben und zerbrachen sie. Ich fuhr jedoch weiter. Die zersplitterten Glasscheiben verletzen mich am ganzen Körper, ich blutete. Ich fuhr ins nächstgelegene Krankenhaus und wurde dort behandelt. Meine Wunde an der Stirn musste genäht werden.

Es gab zahlreiche solcher Angriffe auf Journalisten. Wir gaben jedoch niemals auf, sondern führten unsere Arbeit fort. Doch die Anschläge der Taliban auf die Journalisten nahmen derart zu, dass es mir leider nicht mehr möglich war, meine Arbeit als Journalist fortzuführen, ohne mein Leben aufs Spiel zu setzen.

Ich sah mich gezwungen, meine geliebte Heimat Afghanistan zu verlassen, um lieber in Deutschland in Freiheit zu leben und meinen Beruf als Journalist frei und ohne Lebensgefahr ausüben zu können.

Nun lebe ich seit gut drei Jahren in Deutschland und warte auf meine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Ich habe noch keine Perspektive. Das Leben in Deutschland ist zwar besser als das Leben in Afghanistan, aber jeder Tag sieht für mich gleich aus. Ich verbringe die meiste Zeit im Asylbewerberheim, und abends gehe ich zu Bett, ohne etwas Neues erlebt zu haben. Ich hoffe auf eine bessere Zukunft mit einer guten Arbeit in Deutschland.“

Redigat: phk / chu

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