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Vor allem unter dem Schwammerl treffen sich Alkohol- und Drogenabhängige.

Schluss mit Schluck

Rund um den Hauptbahnhof: Stadt erlässt nächtliches Alkoholverbot

München - Immer häufiger kommt es nachts rund um den Münchner Hauptbahnhof zu gewalttätigen Zwischenfällen durch Betrunkene. Nun verhängt die Stadt ein Alkoholverbot.

Dass bisher nichts unternommen wurde, kann man den Behörden nicht vorwerfen: 2015 wurde ein „Runder Tisch Hauptbahnhof“ gegründet, wo regelmäßig Polizei, Deutsche Bahn und andere Betroffene weitere Schritte beraten. Unter anderem geht die Polizei regelmäßig am und um den Hauptbahnhof gegen Drogenkonsum, Streitereien und Gewalt vor. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat etliche Aufenthaltsverbote erlassen. Streetworker sind vier Mal die Woche unterwegs, vor allem um Menschen mit Drogenproblemen zu erreichen. Trotz allem ist der Hauptbahnhof zunehmend Brennpunkt. Passanten und Geschäftsleute klagen über Pöbeleien, über Gruppen von Alkoholisierten, Politiker aller Stadtratsfraktionen fordern zusätzliche Maßnahmen, um die Situation zu verbessern.

Der nächste Schritt: Alkoholverbot von 22 bis 6 Uhr

In diesen Bereichen soll das Alkoholverbot gelten.

Am kommenden Mittwoch vorentscheidet der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrats daher über einen nächsten Schritt. So soll in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens in bestimmten Bereichen rund um den Hauptbahnhof eine Alkoholverbots-Zone eingerichtet werden. Tatsächlich ist Alkohol Auslöser vielen Ärgers. Gerade rund um den Bahnhof treffen sich viele Männer und Frauen regelmäßig, um gemeinsam Alkohol zu trinken. Und das werden nach Aussagen des Polizeipräsidiums München immer mehr. Den Argumenten von Streetworkern sind sie nach deren Erfahrungen wenig zugänglich.

Mit dem Pegel steigen auch die Aggressionen

Zum besonders beliebten Treffpunkt hat sich der Bereich unter dem Vordach am Haupteingang gemausert – der im Zuge des Umbaus auch abgerissen werden soll. Laut Polizei stehen dort am Nachmittag oft mehr als 100 Personen beisammen und trinken. Neben Deutschen sind vor allem Osteuropäer und Schwarzafrikaner darunter. Besonders bedenklich findet die Polizei, dass sich viele teils stundenlang dort aufhalten und durch den vielen Alkohol enthemmt und oft aggressiv sind. Ordnungsstörungen, Belästigungen von Passanten, Streitereien untereinander und Gewaltdelikte wie gefährliche Körperverletzung und Raub sind oft die Folge. Häufig richtet sich die Aggression dann auch gegen die Polizeibeamten.

Zahl der Straftaten stieg um 60 Prozent

Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Um 60 Prozent ist die Zahl der Straftaten im und um den Hauptbahnhof im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem gleichen Vorjahres-Zeitraum gestiegen. Besonders schlimm ist es in der Nacht: Zwischen 22 Uhr und 7 Uhr kam es sogar zu 85 Prozent mehr Straftaten, bei den so genannten Rohheitsdelikten, zum Beispiel Körperverletzung, sogar um 138 Prozent. Besonders schlimm ist es im Außenbereich des Bahnhofs: Hier gab es im ersten Halbjahr 2016 zwischen 22 und 6 Uhr morgens 604 Straftaten (erstes Halbjahr 2015: 260), davon 188 Rohheitsdelikte (2015: 70) und 167 Körperverletzungen (2015: 63).

Wo das Verbot gelten würde

Dort im Außenbereich soll künftig auch das Alkoholverbot gelten – und dazu beitragen, die Zahl der Straftaten zu senken. Laut Gesetz dürfen Gemeinden den Konsum und auch das Mitführen (mit dem Ziel des Konsums) alkoholischer Getränke zwischen 22 und 6 Uhr verbieten, wenn es – wie im Fall des Hauptbahnhofs – Anhaltspunkte gibt, dass wegen übermäßigen Alkoholkonsums regelmäßig Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten begangen werden. Das Verbot darf jedoch nur für Flächen außerhalb des Hauptbahnhofs erlassen werden – auch das sieht das Gesetz vor.

Behörden erhoffen sich vom Verbot schnelle Erfolge

Sollte der Stadtrat der Verordnung zustimmen, gilt sie – zunächst für vier Jahre – für bestimmte öffentliche Flächen außerhalb des Bahnhofsgebäudes. Ausgenommen davon sind öffentliche Freischankflächen. Hält sich jemand nicht an das Verbot, muss er mit Geldstrafe, Platzverweis oder im Einzelfall auch Verhaftung rechnen.

Die Behörden erhoffen sich schnelle Erfolge, indem der Bahnhof so für viele Trinker unattraktiv wird. Gute Erfahrungen mit einem Alkoholverbot hat etwa die Stadt Aschaffenburg gemacht: Dort halbierte sich im Geltungsbereich die Zahl der Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.

Lesen Sie hier einen Kommentar von unserem Stadt Redakteur Johannes Welte.

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