Der höchste Isar-Pegel seit 2005

München - Schneller als ursprünglich erwartet ist die Isar in München angeschwollen. Seit Samstagabend standen in der Au wieder Keller unter Wasser. Womöglich muss sogar die Thalkirchner Brücke gesperrt werden.

Seit dem großen Pfingst-Hochwasser 2005 mit dem rekordstand von 5,42 Meter hat die Isar nicht mehr so viel Wasser geführt: Bei knapp 3,50 Meter stand gestern Abend der Pegel - Tendenz steigend.

Dramatische Szenen erlebten Passanten am Samstagabend an der Ludwigsbrücke. Zeugen hatten den Notruf gewählt, weil sie glaubten, einen Ertrinkenden in den reißenden Fluten treiben zu sehen. Von einem Hubschrauber aus versuchten Einsatzkräfte, das mutmaßliche Hochwasseropfer zu finden. Doch nach kurzer Zeit brachen sie den Einsatz ab - Entwarnung! Wie die Polizei gestern mitteilte, hatte ein Baumstamm die Zeugen genarrt. Die Wasserwacht appelliert an alle Schaulustigen, sich nicht zu nah ans Ufer zu wagen und auf Kinder Acht zu geben.

Während der Hubschrauber abdrehte, gingen die ersten Hilferufe aus der Au bei der Feuerwehr ein: Grundwasser drang in Keller und Tiefgaragen, insbesondere an der Lilienstraße. Abpumpen, so sagte ein Feuerwehrsprecher gestern, habe meist wenig Sinn: „Das Wasser läuft schneller nach, als man pumpen kann.“ Zudem schütze es die Mauern, wenn sich von innen ein Gegendruck aufbaue. Gestern stand das Wasser schon kniehoch in manchen Kellern.

In Feldmoching halten städtische Pumpen das Grundwasser unter Kontrolle. „Unsere Keller sind noch trocken, weil die Stadt pumpt. Sonst wären wir schon längst abgesoffen“, berichtete gestern Anwohner Erwin Gierszewski.

Verglichen mit dem Oberland, hielt sich der Regen in München zurück: 77,8 Millimeter fielen laut Wetteramt München in den 48 Stunden von Freitag bis Sonntag um 14 Uhr im Stadtgebiet. Doch weiter im Süden prasselte deutlich mehr aus den Wolken.

Die Folge: Die Isar ist in den vergangenen Tagen kontinuierlich angeschwollen. Am Fronleichnamsabend überstieg der Pegel die Ein-Meter-Marke. Am Freitagabend stand er knapp unter zwei Meter. „Die Pegel steigen rapide und schneller als prognostiziert an“, meldete ein Mitarbeiter des Baureferats um 21 Uhr. Eilig, zwei Stunden früher als geplant, wurden die Obdachlosen unter den Isarbrücken aufgefordert, den Gefahrenbereich zu verlassen. Gleichzeitig begannen die Männer des Baureferats, Fuß- und Radwege an der Isar sowie Flaucher- und Marienklausensteg zu sperren.

Noch in der gleichen Nacht um 4 Uhr morgens erreichte der Wasserstand 2,40 Meter - Meldestufe 1. Die Drei-Meter-Marke und damit Meldestufe 2 wurde am Samstagnachmittag überschritten.

Am Sonntagabend bewegte sich der Pegel langsam auf die 3,50-Meter-Marke zu. Rund 570 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen tosend durch München - ein Wert, der statistisch nur alle fünf Jahre erreicht wird. Bereits damit liegt die Flut deutlich über dem Hochwasser-Durchschnitt von 402 Kubikmeter pro Sekunde. Und es könnte noch dicker kommen. Die Prognosen des Wasserwirtschaftsamtes schlossen auch einen Anstieg über den Pegel von 4,50 Meter nicht aus. Dann müsste die Thalkirchner Brücke sicherheitshalber gesperrt werden.

Peter T. Schmidt

Meistgelesene Artikel

Rockavaria: So geht es mit der U-Bahn zum Festival

München - Die Fans fiebern dem Rockavaria-Festival entgegen - und es sieht so aus, als ob das Wetter mitspielt. Um den erwarteten Ansturm bewältigen zu können, fahren …
Rockavaria: So geht es mit der U-Bahn zum Festival

Vorsicht: Trickbetrüger auf Münchner Friedhöfen unterwegs

München - Friedhöfe gelten als stille Orte. Doch zuletzt kam es in München häufig zu pietätlosen Vorfällen: Betrüger zockten Besucher mit miesen Tricks ab. Wie kann man …
Vorsicht: Trickbetrüger auf Münchner Friedhöfen unterwegs

Hitze mit Unwettern im Anmarsch: Es wird tropisch

München - Nass, kalt und ungemütlich - das wechselhafte Aprilwetter geht im Mai munter weiter. Muss man sich etwa Sorgen machen, dass auch der Sommer dieses Jahr ins …
Hitze mit Unwettern im Anmarsch: Es wird tropisch

Stammstrecken-Chaos: Darum war die Bahn machtlos

München - Diese Szenen nach dem Stammstrecken-Chaos waren nichts für Menschen, die ein Problem mit Enge haben. Die Bahn erklärt, wieso sie gegen überfüllte Züge machtlos …
Stammstrecken-Chaos: Darum war die Bahn machtlos

Kommentare