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"Man leidet mit": Werner Kick mit seinem Labrador-Rüden Kimba, dem das linke Hinterbein  amputiert werden musste.

Gerechtigkeit für Kimba

Warum ein Hundehalter gegen LMU und Freistaat klagt

München - Nach einer Strahlenbehandlung in der Tierklinik der LMU musste Werner Kick seinem krebskranken Hund ein Bein amputieren lassen. Warum er jetzt nicht nur die behandelnde Ärztin, sondern auch den Freistaat Bayern verklagt.

Schön langsam gewöhnt sich Kimba an die neue Situation. Aber der Labrador tut sich schwer. Auf drei Beinen und mit traurigem Blick humpelt der Hund durch die Wohnung seines Herrchens Werner Kick. „Man leidet mit“, sagt der. „Für mich ist Kimba ein Freund, ein Vertrauter, ein Familienmitglied.“ Mitte vergangenen Jahres ließ er seinem geliebten Rüden das linke Hinterbein abnehmen. Eine Notlösung nach langer Krankheitsgeschichte.

Als Kimba 2014 zum dritten Mal von einem Mastzellentumor befallen wurde, habe er sich an die Universitäts-Tierklinik der LMU gewandt, erzählt der 65-jährige Kick. Dort sei der Tumor operativ entfernt worden. „Die Oberärztin der Onkologie hat mir daraufhin geraten, eine Strahlenbehandlung durchführen zu lassen. 15 Mal, mit Vollnarkose.“ Die Begründung, so Kick: Ohne Behandlung bestünde die Gefahr, dass kein operierbares Muskelgewebe mehr da wäre, sollte der Krebs wieder wuchern. „Ich bin auch über die Nebenwirkungen aufgeklärt worden, aber die waren nicht so gravierend. Hätte ich gewusst, dass am Schluss der Oberschenkel amputiert werden muss, hätte ich das nie machen lassen.“

Die Wunde am Bein des Hundes brach nach der Strahlenbehandlung wieder auf.

Im Dezember 2014 sei die Behandlung beendet gewesen. Das Resultat war wenig erfreulich: „Es wurde direkt in die nur dünnflächig verheilte OP-Wunde hineingestrahlt“, sagt Kicks Rechtsanwalt Michael Fingerhut. „Daraufhin brach die Wunde wieder auf.“ Nicht nur sei die Wunde deshalb nicht wieder zugewachsen – das gestreute Karzinom sei nicht mehr behandelbar gewesen. Es habe, wie befürchtet, kein Gewebe mehr gegeben, das man hätte wegschneiden können. „Das passiert eben, wenn man die Chemo in eine offene Wunde donnert“, so Fingerhut.

Über Silvester habe die Wunde plötzlich geeitert, erzählt Werner Kick. Daraufhin habe Kimba täglich ein Antibiotikum bekommen. Ohne Resultat. Der Leiter der Onkologie habe daraufhin einen Abstrich angeordnet. Um festzustellen, ob das passende Antibiotikum ausgewählt worden sei. Kick: „Und siehe da: Es war das verkehrte Antibiotikum.“

Zudem habe Kimba während der Strahlenbehandlung einen weiteren Mastzellentumor im Genitalbereich bekommen. „Mir ist geraten worden, ich soll eine Chemotherapie machen lassen, wenn die Wunde zugewachsen ist.“ Die Chemo kam im April 2015. „Aber dann ist die Wunde nach innen gesunken und hat faulig gestunken“, so Kick. Die Leiterin der chirurgischen Abteilung habe ihm verraten, dass es sich um Strahlenschäden handle. „Dann habe ich den Anruf bekommen: Entweder Amputation oder einschläfern.“ Werner Kick entschied sich für ersteres. Und beschloss, einen Anwalt einzuschalten. „Michael Fingerhut hat die Tierklinik mehrmals angeschrieben, aber die haben sich nicht gerührt. Dann hat er die Klage eingereicht.“

Kurz darauf haben Kick und Fingerhut die Klage auf den Freistaat Bayern ausgeweitet, er ist der offizielle Träger des Klinikums. „Ein tauglicher Beklagter“, findet Fingerhut.

Da war noch alles in Ordnung: Kimba beim Tollen im Wasser, heute fällt ihm das Laufen schwer.

Im Februar dieses Jahres erhielt er von den Klinik-Anwälten eine Antwort. „Als ich das Schreiben von der Gegenseite bekommen habe, war mein Blutdruck auf 500“, sagt Werner Kick. Er empfindet das Schreiben als untragbar: „Die lügen wie gedruckt“, empört er sich. „Die sagen zum Beispiel, ich habe meinem Hund nicht regelmäßig Tabletten gegeben, es habe nie geeitert, und lauter solche Sachen.“ Tatsächlich wird in der Klageerwiderung abgestritten, dass die fragliche Wunde eine Folge der Bestrahlung sei: „Die Sachverhaltsdarstellungen in der Klageschrift sind korrekturbedürftig und lückenhaft sowie außerdem auch widersprüchlich“, heißt es da.

Kick ist empört. „Ich habe schon viel gesehen vor Gericht“, sagt der pensionierte Kriminalhauptkommissar. „Aber dass eine Ärztin so dreist lügt, habe ich mir nicht vorstellen können.“ Für ihn sei sie eine ehrlose Gesellin. „Sie hat die Schuld auf mich geschoben und behauptet, dass ich unachtsam mit meinem Hund umgegangen sei.“

Werner Kick verfolgt ein klares Ziel: „Ich möchte Genugtuung.“ Außerdem möchte er ein Zeichen setzen. „Damit andere Tiere nicht das durchmachen müssen, was mein Hund erleiden musste.“ Um vor Gericht selbst als Zeuge auftreten zu können, hat er die Klage an seine Frau weitergereicht, die nun die offizielle Klägerin ist.

Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Und Prognosen bezüglich des Ausgangs möchten weder Werner Kick noch Michael Fingerhut wagen. „Wie in allen Fällen von Medizinschaden ist das schwierig“, sagt Fingerhut. „Um ein Sachverständigen-Gutachten werden wir nicht herumkommen.“

Marian Meidel

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