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Auch Rentner versorgen sich an der Münchner Tafel.

Zahl der hilfsbedürftigen Rentner steigt

Immer mehr Münchner in der Armutsfalle

München - Immer mehr Senioren sind auf Hilfe vom Amt angewiesen, weil ihre Rente nicht mehr fürs Auskommen reicht. Die Stadt versucht gegenzusteuern.

Die Gründe dafür, dass eine Rentnerin oder ein Rentner viel zu wenig Geld zum Überleben hat, können vielfältig sein. Beispielsweise kann das passieren, wenn man in den letzten Jahren vor der Rente arbeitslos geworden ist. In dieser Zeit bekommt man kaum noch einen neuen Job.

Auch Fehlzeiten durch Kindererziehung können große Löcher in die Rentenberechnung reißen. Geringverdiener, die trotz Vollzeitstellen nur Niedriglöhne bekommen, wie in der Gastronomie, sind im Alter generell armutsgefährdet. Auch Krankheiten oder familiäre Entwicklungen wie Scheidungen sorgen häufig für Löcher in der Rentenkasse.

Steigende Mieten und Kosten erschweren die Lage

In München sorgen die enorm steigenden Mieten und auch andere Lebenshaltungskosten oft zusätzlich dafür, dass das Geld hinten und vorne nicht ausreicht. Manche Menschen haben sich verschuldet, weil sie auf Pump Dinge gekauft haben.

Kein Wunder also: Die Zahl der Rentner, die vom Amt Grundsicherung im Alter beziehen mussten, steigt an der Isar stetig an: Ende vorigen Jahres bezogen 14 253 Ruheständler Zuschüsse zur Rente vom Sozialamt – insgesamt wurden 95 Millionen Euro an sie ausgezahlt. Am 30. Juni dieses Jahres waren es schon 14 382 Münchnerinnen und Münchner, deren Einkommen im Alter nicht zur Sicherung des Existenzminimums genügte.

Stadt hilft mit Beratungen

Das berichtet Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) heute im Sozialausschuss. Sie rechnet bis zum Jahresende mit 14 833 Renten-Aufstockern, das wären 4,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt rechnet Schiwy für Ende des Jahres mit rund 80 000 Menschen, die Sozialhilfe beziehen – darunter übrigens 23 000 Kinder und 7100 Flüchtlinge.

Die Stadt versucht Senioren mit Beratungsangeboten zu helfen, die rege angenommen werden. 2015 suchten 88 500 Menschen die Alten- und Servicezentren der Stadt auf, in den Beratungsstellen wurden etwa 13 500 Gespräche durchgeführt. Außerdem fördert die Stadt 19 Projekte mit dem Schwerpunkt „Wohnformen für ältere Menschen“.

Habe meine Rücklagen verloren

Heinz Keil (73):„Ich bin gelernter Maschinenbauer und bin ganz normal mit 65 Jahren in Rente gegangen. Ich stehe heute hier, weil ich meine persönlichen Rücklagen, die ich für mein Rentenalter angespart hatte, bei meiner Scheidung verloren habe.Rente und Grundsicherung zusammengenommen ergeben circa 1000 Euro. Ich komme jeden Montag hierher und freue mich sehr über den netten Umgang.“

Immer den Falschen vertraut

Clara Schuster (Name geändert, 76), Rentnerin: „Ich war mit einem Mann verheiratet, der Alkoholiker war. Wir hatten ein erfolgreiches Unternehmen, das aufgrund meines Ex-Mannes bankrott ging. Obwohl ich nachweislich 46 Jahre berufstätig war, stehen mir laut System nur 457,60 Euro Rente zu. Leider habe ich nach dem Verlust meiner Firma und der Scheidung meine letzten Ersparnisse einem Betrüger anvertraut. Dieser sitzt nun im Gefängnis, und mein Geld ist weg. Ich habe immer den Falschen vertraut.“

Kurz vor 60 einfach gekündigt

Vally B. 60, Frührentnerin, München: „Nach 40 Jahren im Arbeitsleben wurde mir einfach gekündigt. Nachdem ich zwei Krebserkrankungen überstanden habe, bin ich nun nicht mehr voll arbeitsfähig. Ich erhalte eine Art Frührente, die mit 750 Euro grade so meine Miete und die Nebenkosten abdeckt. 403 Euro Hartz V erhalte ich als Unterstützung. Davon muss von der Versicherung über Lebensmittel alles bezahlt werden. Da das leider nicht reicht, freue ich mich, hier bei der Tafel unterstützt zu werden. Ich bin und bleibe positiv. Ich bin eine Kämpferin und dankbar für dieses tolle Angebot hier.“ 

Jahr

Zahl der hilfsbedürftigen Rentner in München

2006

8.746

2007

9.544

2008

9.961

2009

10.543

2010

11.164

2011

11.645

2012

12.370

2013

13.082

2014

13.527

2015

14.253

2016

14.840

J. Welte/S. della Malva

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