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Die Messe München wird für das Kongresswesen immer attraktiver. Ganz besonders bei den Ärzten: Im September werden zur Jahrestagung der europäischen Diabetologen 20 000 Mediziner erwartet. 

Vor allem für IT und Medizin

Inoffizielles "Isar-Valley": München, die Stadt der Kongresse

München - Die Isarmetropole entwickelt sich immer mehr zum Magnet für große Zusammenkünfte. Nicht nur die Messe München profitiert davon. 

Sie sind in Gruppen und Grüppchen in der Stadt unterwegs. Oft tragen sie Teilnehmerausweise um den Hals oder am Revers. Man sieht sie in der U-Bahn, in Cafés, Restaurants, Geschäften und auf dem Marienplatz: Mediziner, die sich in München zu Kongressen treffen. Die Messe München hat sich als Veranstaltungsort für Großkongresse einen Namen gemacht, und sie will diesen Zweig ausbauen – zum Wohl der Stadt, denn kaum ein Gast lässt so viel Geld hier wie Kongressbesucher.

„2016 ist ein Spitzenjahr“, sagt Reinhard Pfeiffer, der für das Kongresswesen zuständige Vizechef der Messe München. Im März tagte der europäische Urologenkongress mit knapp 15 000 Teilnehmern, und im September werden zur Jahrestagung der europäischen Diabetologen 20 000 Mediziner erwartet. „Vor langer Zeit“ seien die Diabetologen schon einmal zu Gast in München gewesen, sagt der Geschäftsführer. Seither haben die Experten der Messe München nicht locker gelassen. Pfeiffer weiß: „Es dauert Jahre, die großen Veranstalter zu gewinnen.“

Die Messe München spielt in der Champions League der Kongress-Standorte. „Wir sind unter den Top 10 in Europa und bundesweit ganz klar die Nummer zwei hinter Berlin – noch vor Hamburg und Frankfurt“, sagt Pfeiffer selbstbewusst. Das heißt aber auch: München steht im direkten Wettbewerb mit Metropolen wie London, Paris, Barcelona, Amsterdam, Madrid, Rom und Wien.

Da bedarf es gemeinschaftlicher Anstrengungen. „Wir arbeiten Hand in Hand mit der Landeshauptstadt“, berichtet Pfeiffer. „Das Referat für Arbeit und Wirtschaft stellt mit dem Tourismusamt und dem Kongressbüro die Vorzüge der Stadt heraus.“

Münchens Stärken

Die Ausgangsbasis ist gut: „München ist attraktiv. Nur Barcelona ist vielleicht noch etwas beliebter unter Kongressteilnehmern“, so Pfeiffer. „Wir haben München als Stadt definiert, wo man als Gast teilhaben kann.“ Hier gebe es keine Touristen-Ghettos, sondern der Slogan laute „mit Münchnern essen gehen“. Die Biergartenkultur, aber auch die bayerische Wirtshauskultur allgemein sei für Besucher interessant, dazu komme ein großes kulturelles Angebot.

Messe-Vize Reinhard Pfeiffer sieht die Stadt München bereits europaweit unter den Top 10 der Kongress-Standorte. Nun will er dieses Standbein weiter stärken.

Ganz wichtig sei der Ruf Münchens als sicherste Großstadt in Deutschland. „Wenn Gäste einen Abend im Hofbräuhaus verbracht haben und um Mitternacht aufbrechen, dann sind sie meistens angenehm überrascht, wenn wir ihnen sagen: Du musst jetzt kein Taxi nehmen, sondern kannst ganz beruhigt zu Fuß zum Bayerischen Hof gehen.“

Gerade für die großen Kongresse mit mehr als 10 000 Teilnehmern ist das Angebot der Hotellerie essenziell, und zwar im gehobenen Sektor – Ärzte lassen sich nicht in Absteigen locken. „Nur wenige Standorte haben die nötigen Kapazitäten im vier- bis fünf-Sterne-Bereich“, berichtet Pfeiffer.

Ein weiteres Plus der Landeshauptstadt ist die Erreichbarkeit. „Der Flughafen spielt bei europaweiten Kongressen die Kernrolle“, sagt der Manager. „Besonders wichtig sind Direktverbindungen.“ Gerade das sei eine der großen Stärken des Münchner Flughafens: „Er hat mehr Direktverbindungen innerhalb Europas als Frankfurt.“

Nicht zuletzt kann auch die Messe München selbst gewichtige Argumente in die Waagschale werfen – weit über das Internationale Kongresscenter ICM hinaus: „Unser Gelände ist relativ neu, übersichtlich und gut strukturiert“, sagt Pfeiffer. Und die Messe habe Erfahrung darin, das ICM zu erweitern: „Bei großen Kongressen verwandeln sich mehrere Messehallen in Kongress-Einrichtungen“, sagt Pfeiffer. Das sei zwar „ein enormer Aufwand“, doch den müsse man treiben, um gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Beliebt bei Medizinern

Der Erfolg kann sich sehen lassen: 2008 holte die Messe München erstmals den europäischen Kardiologenkongress an die Isar, mit 30 000 Teilnehmern der größte europäische Kongress überhaupt. Den Herzspezialisten, die durchaus auf Abwechslung erpicht sind, gefiel es so gut, dass sie 2012 wiederkamen und für 2018 erneut gebucht haben. 2014 tagten erstmals die Pneumologen in München. Die größten Medizin-Kongresse Europas haben München auf dem Tourneeplan, jährlich gibt es laut Pfeiffer in der Stadt „sechs bis sieben Kongresse mit Medizinbezug“. Dabei hilft, dass München mit zwei Universitätskliniken, bedeutenden Firmen und Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut als medizinisches Schwergewicht auftreten kann.

Das Kongressbüro, so Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) unterstütze das unter anderem mit seinen regelmäßigen „Prof-Treffs“: „Da laden wir die Professoren ein und ermutigen sie, Tagungen und Kongresse abzuhalten.“

Gewinn für die Stadt

Wenn die Messe-Kassen klingeln, nützt das auch der Stadt. „Jeder Euro, der bei uns ausgegeben wird, verzehnfacht sich“, berichtet Pfeiffer. „Umwegrentabilität“ nennt die Wissenschaft das Phänomen: Wer in München eine Messe oder einen Kongress besucht, lässt Geld hier – in Hotels und Gastronomie, im Nahverkehr, bei Taxlern, im Einzelhandel und im Dienstleistungsgewerbe. Ein Kardiologenkongress mit 30 000 Teilnehmern generiert so bis zu 50 Millionen Euro Umsatz in der Stadt. Insgesamt beziffert die Messe ihre Umwegrentabilität mit rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr. In den Jahren, in denen die Bauma stattfindet, die größte Messe der Welt, sind es sogar 3,6 Milliarden.

Das Kongressgeschäft ist dabei zwar mit fünf bis zehn Prozent des Messe-Umsatzes nur ein kleiner Teil, aber ein feiner. „Ein Messebesucher lässt viel Geld in der Stadt“, fasst Pfeiffer zusammen, „aber ein Kongressbesucher noch mehr.“

Das bestätigt Bürgermeister Josef Schmid. Er hat neben den Eigen- und Gastveranstaltungen der Messe auch all jene Veranstaltungen im Auge, die Tag für Tag in Münchens Hotels oder Veranstaltungsorten wie der BMW Welt und der Olympiahalle stattfinden. „81 000 Kongresse und Tagungen aller Größenordnungen“ seien das im Jahr, sagt Schmid. Geschätzte Umwegrentabilität: 1,33 Milliarden Euro.

Und manchmal werden aus kleinen Treffen große Marken: Der dreitägige Gründer-Kongress „Bits & Pretzels“, der im September zum dritten Mal stattfindet, sei „aus dem Löwenbräukeller herausgewachsen“, berichtet Pfeiffer. Nun belegt er das ICM, „und sollte die Entwicklung anhalten, gibt es unbegrenzte Wachstumsmöglichkeiten“.

Die Messe wächst

Gerade entstehen die letzten beiden Hallen auf dem Messegelände, und in einer wird ein Konferenzcenter gebaut. „Da können wir Veranstaltungen bis 1200 Personen machen“, sagt Pfeiffer. Das fülle nicht nur eine Lücke – im großen ICM fange „das Wohlfühlen erst bei 2000 Teilnehmern an“ –, sondern es mache die Messe flexibler. Bisher sei das ICM oft mit Begleitveranstaltungen zu Messen belegt. Wenn diese im neuen Konferenzcenter Platz finden, könne man das ICM flexibler und häufiger separat belegen, so Pfeiffer.

Strategische Ziele

Die IT-Branche hat Pfeiffer als potenziellen Wachstumsmarkt auf dem Kongress-Sektor ausgemacht. Auch hier sei München, das inoffizielle „Isar-Valley“, dank namhafter Unternehmen gut aufgestellt und die Anfragen häuften sich. Als weitere Themenschwerpunkte, in denen er expandieren will, nennt der Messe-Manager das Finanz- und Versicherungswesen, die Medienbranche und „hochwertige Firmenevents“. Wenn Weltkonzerne ihre Führungskräfte über neue Entwicklungen informieren wollen, kann die Messe München ihnen den passenden Rahmen bieten. „Das sind schnell mal 3500 Leute“, berichtet Pfeiffer, „und manchmal ist das so geheim, dass wir gar nicht dabei sein dürfen.“

Bilder

Doch noch machen die großen Versammlungen der Mediziner 50 Prozent des Kongresswesens aus. Als „Besucher, die ein entsprechendes Einkommen haben“, sind die Ärzte Bürgermeister Schmid hochwillkommen. Ob das Geld bei allen medizinischen Fachdisziplinen gleich locker sitzt, weiß Pfeiffer nicht. Doch optisch ließen sich durchaus Unterschiede erkennen, berichtet er: „Es gibt einen Kleiderkodex. Bei den Chirurgen sind Anzug und Krawatte sehr oft zu sehen. Bei den Augenärzten ist eher die Jeans die Standardkleidung. Die laufen extrem lässig herum.“

Groß kann der Unterschied beim Trinkgeld nicht sein: Dem Münchner Taxler Paul Rusch jedenfalls sind sie alle willkommen. Mediziner-Kongresse, so berichtet er, seien ebenso wie die großen Messen für die ganze Branche immer „sehr belebend“.

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