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Einzugs-Ritual: Rabbiner Israel Diskin befestigt die Mesusa am Türpfosten des Konsulats. Die Kapsel enthält ein Gebet und kennzeichnet ein jüdisches Haus. Religiöse Juden berühren die Mesusa vor Betreten des Hauses.

Festakt mit hohen Gästen

Neues Generalkonsulat eröffnet: Israel ist jetzt am Karolinenplatz

München - Im ehemaligen NSDAP-Viertel weht jetzt die Flagge Israels: Am Dienstag wurde am Karolinenplatz das neue israelische Generalkonsulat eröffnet – genau einen Tag nach dem Gedenken an das Novemberpogrom von 1938.

Noch werkeln Bauarbeiter in dem Hinterhaus am Karolinenplatz – ein Wasserrohrbruch hatte die Fertigstellung des israelischen Generalkonsulats verzögert. Deshalb können die Diplomaten wohl erst in drei Monaten ihren provisorischen Sitz an der Briennerstraße verlassen und ihr neues Domizil beziehen. Am Termin für die Einweihung hielt man trotzdem fest. Schließlich ist der 10. November nicht irgendein Tag: In Israel ist es Tradition, auf einen Tag der Trauer einen Tag der Freude folgen zu lassen. So wird der Tag der Staatsgründung Israels am Tag nach dem Gedenken an gefallene Soldaten und Terror-Opfer begangen, und so wollte Israels Generalkonsul Dan Shaham die neue Vertretung des jüdischen Staates auch am Tag nach dem Gedenken an das Novemberpogrom einweihen. 

Mitten im ehemaligen NSDAP-Viertel befindet sich jetzt das israelische Generalkonsulat. Das Haus wurde entkernt und umgebaut. Seine Fassade schmückt eine Grafik, die das bayerische Rautenmuster mit dem Davidstern verbindet.

Gut gelaunt führen der promovierte Psychologe, der 1965 als Sohn marokkanischer Einwanderer in Israel geboren wurde und seine südafrikanische Ehefrau, die Gäste durch die Flure des Gebäudes. Es riecht nach frischer Farbe, der helle Steinboden ist noch staubig.
Das Haus, das dem Freistaat gehört und in dem zuletzt die Lotterie-Zentrale saß, wurde entkernt und den Sicherheitsanforderungen entsprechend umgestaltet. Die Fassade schmückt jetzt eine Grafik, die das bayerische Rautenmuster mit dem Davidstern verbindet. Gerade eben haben die Gäste zugeschaut, wie Rabbiner Israel Diskin die Mesusa an der Eingangstür angebracht hat. Die Schriftkapsel, die ein Gebet enthält, hängt an der Tür eines jeden jüdischen Hauses.

Zum Festakt, der vor dem Rundgang in der benachbarten Musikhochschule stattfand, waren etwa 400 Gäste gekommen. Darunter die erst 37 Jahre alte israelische Vize-Außenministerin Tzipi Hotovely. Sie machte in ihrer Rede deutlich, dass sie mit gemischten Gefühlen nach München gereist war – ihr Mann ist der Sohn eines Dachau-Überlebenden. Hotovely bedankte sich bei Ministerpräsident Horst Seehofer für sein Bekenntnis zu Israel. „München hat sich vom Zentrum des Bösen in einen Ort verwandelt hat, der das Böse bekämpft“, erklärte die konservative Likud-Politikerin. „Thank you, Primeminister!“

Neuer Staatsvertrag zwischen Freistaat und Kultusgemeinden

Gut gelaunt sind Ministerpräsident Horst Seehofer, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch und Israels Generalkonsul Dan Shaham (v.l.).

Seehofer sagte, das Konsulat sei ein starkes Zeichen für ein vertrauensvolles Miteinanders zwischen Israelis und Bayern. Er hatte am gestrigen Dienstag auch den neuen Staatsvertrag zwischen dem Freistaat und den Israelitischen Kultusgemeinden unterzeichnet. Der sichert den jüdischen Gemeinden den Status von Körperschaften Öffentlichen Rechts zu – und stellt sie damit den Kirchen gleich. Außerdem hatten Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Hoptovely eine Urkunde zur Errichtung der Gedenkstätte für das Olympia-Attentat unterzeichnet. „Heute ist ein sehr bewegender Tag“, resümierte Seehofer. Zwar gebe es mehr als 100 Konsulate in München, „aber ihr seid das Sahnehäubchen“, sagte er den Israelis, die seit 2011 eine provisorische diplomatische Vertretung in München haben.

Nebenan wurde das Münchner Abkommen unterzeichnet

Bewegend war die Ansprache von IKG-Präsidentin Knobloch. Sie erinnert sich noch, wie sie im Alter von sechs Jahren beobachtete, dass Mussolini und Chamberlain den Führerbau – die heutige Musikhochschule – betraten, um das Münchner Abkommen zu unterzeichnen. Knobloch mahnte, Stimmungsmache gegen Israel zu unterbinden. Sie kritisierte die Entscheidung des Verwatungsgerichts, am 9. November, dem Tag des Gedenkens, eine Demonstration von Pegida zuzulassen. Auch Seehofer übte Kritik an der Entscheidung des Verwaltunsggerichts: „Es wäre keine Einschränkung des Demonstrationsrechts gewesen, hätte das Gericht eine Demonstration ausgerechnet am 9. November nicht zugelassen.“

Mit roten Krawatten: OB Dieter Reiter (l.) und Zentralratspräsident Josef Schuster.

Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman erklärte: „Die Entscheidung, neben Berlin eine weitere diplomatische Vertretung Deutschland zu unterhalten, unterstreicht, welche Bedeutung wir den deutsch-israelischen Beziehungen beimessen.“ Auch der Nachbar des neuen israelischen Konsulats, die Musikhochschule, freut sich über den Einzug der Israelis. Der Präsident der Hochschule, Professor Bernd Redmann, schenkte seinen Nachbarn sogar ein Musikstück, das ein Kompositionstudent eigens für diesen Anlass komponiert hatte.

Der Hausherr des neuen Israelischen Konsulats Dan Shaham fasste sich kurz: „Toda raba“, sagte er – vielen Dank – "und Shalom!"

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