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Zukunftsfähig modernisieren will die Stadt den 30 Jahre alten Gasteig. Abriss und Neubau sind für OB Dieter Reiter keine realistische Option.

OB Reiter gegen Abriss

Klares Bekenntnis zur Gasteig-Sanierung

München - OB Dieter Reiter (SPD) hat beim Kulturempfang der Stadt ein klares Bekenntnis zum Gasteig abgegeben. Auch der Neubau des Volkstheaters und die Sanierung des Stadtmuseums stehen für ihn nicht zur Disposition.

„Wir werden Europas erfolgreichstes Kulturzentrum zukunftsfähig modernisieren“, es waren offene Worte, zu denen sich Reiter am Montagabend genötigt sah. Gerüchte gibt es immer wieder, wonach Abriss und Neubau des Gasteigs eine realistische Option seien. Viel zu teuer, findet der OB.

Dass alles so schleppend vorangehe bei der geplanten Sanierung des Gasteigs und des Stadtmuseums, ist eine Kritik, die Reiter ärgert. Er mahnte beim Kulturempfang im Foyer der Philharmonie zur Geduld. Die Renovierung des Gasteigs mit größeren Räumen für Stadtbücherei und Volkshochschule sowie einem akustisch verbesserten Philharmoniesaal dürfte etwa eine halbe Milliarde Euro kosten. Angesichts eines derart hohen Betrags möchte der OB bei den Planungsschritten nichts überstürzen: „Die Stadt muss abwägen zwischen der erforderlichen Sorgfalt und der Geschwindigkeit.“

Anfang 2017 soll im Stadtrat ein Grundsatzbeschluss zur Sanierung gefasst werden. Der Baubeginn ist für 2020 avisiert. Den Gasteig besuchen jährlich gut zwei Millionen Gäste, mehr als 1700 Veranstaltungen werden dort abgehalten. Während der Renovierungsphase müssten alle Nutzer des Gasteigs für drei bis vier Jahre ausziehen. Stadtbibliothek, Volkshochschule und Philharmonie bräuchten dann Ausweichquartiere. Bei der Philharmonie gelten der neue Konzertsaal des Freistaats im Werksviertel am Ostbahnhof, das alte Heizkraftwerk in Aubing oder die Paketposthalle an der Friedenheimerbrücke als wahrscheinlichste Optionen für eine Interims-Spielstätte. Problem: Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, ob die möglichen Ausweichquartiere bis 2020 zur Verfügung stehen. Und den Konzertsaal müssten sich die Philharmoniker ohnehin mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks teilen. Gleichwohl beteuert Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD): „Wir sind gewappnet für eine Interimslösung.“

Die Grünen hatten zuletzt die Idee ins Spiel gebracht, in der Paketposthalle ein Musikzentrum inklusive neuer Philharmonie zu etablieren. Eine Investorengruppe namens „Resonanz“ hatte in Zusammenhang mit der Diskussion um den neuen Konzertsaal konkrete Entwürfe für ein Musikzentrum präsentiert. Den Plänen der Grünen zufolge würden als zentrale Nutzer des Gasteigs nur Stadtbibliothek und Volkshochschule verbleiben. Reiter und auch Kultur-Bürgermeister Josef Schmid (CSU) halten aber nichts von dem Plan, den Gasteig auseinanderzureißen.

Reiter bekräftigte am Montagabend – allen haushaltspolitischen Unkenrufen zum Trotz –, dass er nicht gewillt sei, an der Kultur zu sparen. Explizit nannte er die umfassende Sanierung des Stadtmuseums und den Neubau des Volkstheaters. „Wir bauen in dieser Zeit ein neues, erstklassiges Theater“, sagte der OB und schob hinterher: „Wir können es uns auch leisten.“

Christian Stückl, Intendant des Volkstheaters, geht davon aus, dass sein Haus spätestens zur Spielzeit 2021/22 den Betrieb am Viehhof aufnehmen wird. Der Mietvertrag für das Volkstheater am derzeitigen Standort an der Brienner Straße läuft Ende 2020 aus. Eine grobe Kostenschätzung geht von 115 Millionen Euro für den Neubau aus. Den Standort am Viehhof findet Stückl ideal: „Das Theater passt ins Schlachthofviertel. Es ist ein schöner Ort, den ich mir immer gewünscht habe – nicht irgendwo am Stadtrand.“ Sollte wie geplant Ende 2017 die Baugrube ausgehoben werden, würden das Open-Air-Kino und der Biergarten am Viehhof im Sommer 2017 ihre letzte Saison haben.

Der OB versicherte, dass auch die Generalsanierung des Stadtmuseums nicht auf die lange Bank geschoben werde. Das Haus soll von 2018 an komplett überholt werden. Die Kosten dafür dürften mindestens 150 Millionen Euro betragen. Reiters Resümee an diesem Abend im Gasteig: „Wir fördern in München ein Klima, in dem kulturelle Vielfalt gedeihen kann.“

Klaus Vick

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