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Trauerfeier für Münchens türkische Amok-Opfer: Verpasste Chance

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MM-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Klaus Haag

München - Die Trauerfeier für die getöteten jungen Deutsch-Türken wäre für Politiker auch eine gute Gelegenheit gewesen zu zeigen: Die türkischstämmigen Opfer und ihre Familien gehören dazu. Doch man hat sie verstreichen lassen.

Wer wissen will, wie es um die Integration der drei Millionen Türkischstämmigen in Deutschland bestellt ist, hat zuletzt viel Anschauungsunterricht erhalten: Erst gab es wegen der Armenien-Resolution Morddrohungen eines türkisch-nationalistischen Mobs gegen Bundestagsabgeordnete. Dann, nach dem gescheiterten Putsch, gingen vor Nationalstolz vibrierende Erdogan-Fans, auch solche mit deutschem Pass, zu Zehntausenden in deutschen Städten auf die Straße. Und deutsch-türkische Halbwüchsige, die ihr ganzes Leben bei uns verbracht haben, hüllen sich stolz in rote Fahnen mit dem Halbmond und bejubeln die Außerkraftsetzung der Demokratie durch „ihren“ Sultan. Ein Wort von ihm, und in „Almanya“ ginge es richtig zur Sache.

Der Befund ist, auch mit Blick auf die versuchte Eingliederung einer Million meist muslimischer Flüchtlinge, bitter: Viele Deutsche und Türken sind sich, obwohl sie seit Jahren oft Tür an Tür leben, fremd geblieben. Zuwanderer schauen türkisches TV, Bräute werden wie früher aus der alten Heimat importiert und verstorbene Angehörige, auch wenn sie seit ihrer Geburt in Deutschland lebten, in türkischer Muttererde begraben. 

Umgekehrt haben Kinder türkischer Eltern bei uns oft keine Chance, wenn sie mit Konkurrenten mit deutschem Namen um Wohnung oder Job konkurrieren. 50 Jahre nach der großen Gastarbeiterwelle leben Deutsche und Zuwanderer vom Bosporus in parallelen Welten. Es gibt Ausnahmen, gewiss. Aber es sind zu wenige.

Die Trauerfeier am Dienstag für die von einem Amokläufer getöteten jungen Deutsch-Türken wäre für Münchner und bayerische Politiker eine gute Gelegenheit gewesen zu zeigen, dass man Anteil nimmt, dass die türkischstämmigen Opfer und ihre Familien doch dazugehören. Man hat sie leider verstreichen lassen. Und die Menschen einmal mehr dem Verführer Erdogan in die offenen Arme getrieben.

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