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Anfrage an Justizminister

Kritik nach Stalking-Mord: Waren die Behörden zu langsam?

München - Nach dem Stalking-Mord in Obergiesing im August fehlt immer noch jede Spur vom mutmaßlichen Täter. Der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisiert die Arbeit von Polizei und Justiz.

Die Giesinger Architektin Jeannie L. (Name geändert) hatte Angst. Sechs Jahre lang stellte Robert Burzik (45) seiner Ex-Freundin nach. Die 45-Jährige protokollierte alle Annäherungsversuche. Im August diesen Jahres stellte sich heraus, dass sie zu Recht Angst hatte: Sie wurde im Flur ihres Wohnhauses erstochen.

Seitdem ist ihr mutmaßlicher Mörder auf der Flucht. Der Stalker war der Polizei und der Staatsanwaltschaft bekannt. Er hätte zwei Tage nach der Tat einen Termin beim Amtsgericht gehabt, wo er sich wegen Nachstellung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verantworten hätte sollen.

Burzik beantragte Verschiebung des Gerichtstermins

Roland Burzik wusste aber bereits einen Monat zuvor, dass er sich an diesem Tag nicht in München aufhalten würde. Das schreibt Justizminister Winfried Bausback in seiner Antwort auf die Anfrage des Münchner Landtagsabgeordneten Florian von Brunn (SPD). Damals hatte er eine Verschiebung des Termins beantragt. Möglicherweise hat Burzik den Mord an seiner Ex-Freundin und die anschließende Flucht sorgfältig geplant. Ein Suizid des Tatverdächtigen ist mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen, schreibt die Süddeutsche Zeitung

„Die Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking fühlen sich oft allein gelassen“

Florian von Brunn fordert mit weiteren Abgeordneten in seiner Anfrage, „den Schutz der Betroffenen zu verbessern und für schnellere Verfahren bei Nachstellung zu sorgen“. Im aktuellen Fall habe die Polizei den Mord trotz deutlicher Hinweise nicht verhindern können. Die zur Verfügung stehenden Schutzmaßnahmen hätten nicht gereicht. „Die Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking fühlen sich oft allein gelassen. Bis ein Verhandlungstermin vor Gericht festgelegt wird, wenn es überhaupt zu einer Anklage kommt, vergehen in der Regel mehrere Monate. Wir müssen endlich handeln“, so von Brunn.

Der Landtagsabgeordnete beurteilt die Arbeit der Polizei als formal korrekt. Allerdings müssten sie und die Staatsanwaltschaft fragen, „ob sie wirklich alle Register gezogen haben." Die Polizei hätte etwa die Möglichkeit, jemanden 24 Stunden lang festzusetzen, um zu prüfen, ob die Haftvoraussetzungen vorliegen. Das hätte möglicherweise eine präventive Wirkung gehabt. 

Staatsanwaltschaft hatte dringendere Fälle

Von Brunn und seine Mitantragsteller kritisieren außerdem die lange Bearbeitungszeit der Staatsanwaltschaft. Bis zum Prozesstermin vergingen vier Monate. Laut Bausback sei ein früherer Termin nicht möglich gewesen. Es habe eine personelle Neubesetzung des Referats gegeben und andere Verfahren habe man als noch eiliger bewertet.

Als Grund dafür führen Polizei und Justiz an, dass das Opfer nicht vermutete, ihr Stalker könnte ihr körperlich etwas antun. Allerdings habe sie auch ihre Verfolgungsangst gemeldet. Und sie habe davon gesprochen, nicht zu wissen, was ihr Exfreund vorhabe.

Die Kriminalpolizei fand erst nach der Tat heraus, dass sich Burzik freiwillig in psychiatrische Behandlung gegeben hatte. Mit dieser Information wäre die Einschätzung der Situation möglicherweise anders ausgefallen. 

Nach dem mutmaßlichen Mörder wird international gefahndet. Die Polizei setzt Zielfahnder ein, es gab eine Flugblattaktion auf Berghütten im bayerisch-österreichischen Alpenraum und der Fall wurde in der Sendung "Aktenzeichen XY" thematisiert. Dennoch fehlt bisher die heiße Spur.

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