Viel Arbeit und trotzdem entspannt: Schon mehr als die Hälfte seines Lebens engagiert sich Hans Podiuk als CSU-Stadtrat für München. Foto: Marcus Schlaf

Hans Podiuk zum 70. Geburtstag

Der loyale Strippenzieher

München - Hans Podiuk hat jahrzehntelang die Kommunalpolitik der CSU geprägt. Ohne ihn wäre Josef Schmid wohl nicht Bürgermeister geworden. In wenigen Wochen gibt Podiuk den Fraktionsvorsitz ab. Am Sonntag wird er 70 Jahre alt. Über einen, der irgendwie aus der Zeit gefallen ist – und dessen Rat doch immer gefragt sein wird.

Politiker sind fast immer eitle Menschen. Sie stehen gerne im Mittelpunkt. Macht abzugeben, zurückzutreten ins zweite Glied, gehört nicht zu ihren Stärken. Hans Podiuk ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Münchner Kommunalpolitiker. Es sagt viel über den Menschen und Politiker Hans Podiuk, was er auf die Frage nach seinem schönster Moment in den vergangenen Jahren antwortet. Der CSU-Stadtrats-Fraktionschef, der an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird, muss nicht nachdenken. „Das war die Wahl Schmids zum Bürgermeister.“ 2014 wurde Josef Schmid Zweiter Bürgermeister. Jener Josef Schmid, für den Podiuk vor genau zehn Jahren den Fraktionsvorsitz abgegeben hat – weil er überzeugt war, das sei zum Wohle der Partei.

Ein paar Tage vor seinem runden Geburtstag sitzt ein ausgeruhter Hans Podiuk in seinem Büro im Rathaus. Man besucht einen Mann, der in wenigen Wochen wie schon 2006 ins zweite Glied rücken wird. Podiuk wird wieder einfacher Stadtrat, will 2020 ganz aufhören. Und wirkt sehr zufrieden damit. „Dann bin ich 42 Jahre im Stadtrat gewesen“, sagt er. „Mehr als die Hälfte meines Lebens. Dann soll es gut sein.“ Podiuk muss sich nicht mehr in den Vordergrund drängen. Vielleicht hat er es nie gemusst. „Er ist in sehr hohem Maße loyal“, sagt Bürgermeister Josef Schmid, dessen Weg an die Rathaus-Macht ohne diesen Hans Podiuk nicht zu erklären ist.

Schmid profitierte 2006, Schmid profitierte 2014, als Podiuk erneut für den Fraktionsvorsitz einsprang, als sich kein anderer fand, der das Kreuz gehabt hätte für die schwierige Koalition mit der SPD. Vor allem profitierte Schmid, weil Podiuk seinen Kurs unterstützte, eine liberale, großstädtische CSU-Politik zu entwerfen. „Obwohl er ein konservativer CSUler ist, ist er bereit, die Veränderungen mitzutragen.“ Schmid ging zum Christopher Street Day, Schmid sprach über die Bedeutung der Migranten in der Politik, Schmid machte Wahlkampf fast ohne CSU-Logo, ohne Blasmusik und Weißbier. Podiuk ließ Schmid gewähren – mit Erfolg.

Und doch darf man davon ausgehen, dass Podiuk intern ein Mahner geblieben ist. Die alten Münchner, das Bayerische nicht zu vergessen. „In der Großstadt verändert sich der Lebensstil viel schneller“, sagt Podiuk. „Aber unser Kernstamm sind nach wie vor sehr viele Konservative. Das Risiko, dass sie abwandern, ist hoch.“ Podiuk ist einer, der die alten Konservativen noch versteht. Natürlich. Der Mann ist seit 1978 im Stadtrat, „seit dem 1. Mai 1978“.

Er ist einer der alten Schule. Ein Arbeitsessen mit jungen Stadträten: stilles Mineralwasser, Putenbrust-Salat, leider, leider muss man gleich weiter zum nächsten Termin. Ein Arbeitsessen mit Hans Podiuk: Schweinsbraten, Zeit für ein ausgiebiges Gespräch – und in aller Regel ein guter Frankenwein. Dabei sollte niemand glauben, Podiuk arbeite weniger als die Jungen. Er hat auch in den vergangenen zwei Jahren viele Konflikte moderiert. Ihm ist es gelungen, dass das gelegentliche Grummeln aus der Fraktion, nun sei es doch mal gut mit dem alten Mann an der Spitze, nie lauter geworden ist. Sein Bürgermeister Schmid nennt ihn ein „wandelndes Vermittlungsbüro“. Der Mann hat sich eine Grund-Entspanntheit bewahrt, aus seinen Augen blitzt aber auch Angriffslust, wenn er eine offene Flanke beim politischen Gegner entdeckt.

Für linke SPDler, für Grüne, mag all das ein wenig aus der Zeit gefallen sein. „Die Podiuk-CSU“, stöhnen sie, wo immer sie der CSU unterstellen, zu weit nach rechts zu rücken. Podiuk, davon darf man ausgehen, stört das nicht. Der Mann hat viel erlebt – vor allem Jahrzehnte in der Opposition. Innerhalb seiner Partei ist das konservative Image sowieso wichtig gewesen: Er stand immer dafür, dass es nicht nur junge Liberale gibt. Sondern auch alte Konservative, die all das in Ordnung finden. Hans-Peter Uhl sei in den 90ern als Kreisverwaltungsreferent doch der letzte CSUler gewesen, der etwas geworden sei, sagt Podiuk. „Danach wurde keiner mehr was. Nichtmal Pförtner.“ Bis zu jenem Tag 2014. Der schönste für Hans Podiuk. Ob er damit gerechnet habe, das noch zu erleben: die CSU zurück an der Rathaus-Macht? Da ist Podiuk, der eigentlich immer auf alles gleich eine Antwort weiß, kurz still. Dann schüttelt er vehement den Kopf.

Dass er in wenigen Wochen ein Hinterbänkler wird, 2020 nirgends mehr auftaucht, so ganz kann man sich das nicht vorstellen. Podiuk sagt, er wolle viel reisen. Podikuk werde „immer als Ratgeber gefragt sein“, sagt Josef Schmid. Sein Bürgermeister.

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