Die Macher Tobias Förtsch (li.) und Carsten Fichtel mit ihren Aktenordner-Taschen. Links das Modell "Dienstweg" (189 Euro), im Hintergrund die Tasche "Assistent" für 119 Euro. In der Hand halten sie ein Münchner Sondermodell (199 Euro).

Serie: Made in Munich

Münchner Taschen-Macher: Ein zweites Leben für Aktenordner

München - „Made in Munich“ – klingt doch gut. Viele Jungunternehmer haben sich entschieden, ihre Marken und Produkte in der Landeshauptstadt aufzubauen. Wir stellen die Münchner Macher in einer losen Serie vor. Zum Auftakt: Die Aktentaschen von „Adacta“.

Viele Geschäftsideen beginnen mit einer einfachen Frage. Beim Taschenhersteller Adacta war es nicht anders. Die Frage, die das Fundament für das junge Münchner Unternehmen legte, stellte sich Adacta-Gründer Tobias Förtsch bereits vor einigen Jahren während des Studiums beim Aufräumen. Der heute 32-Jährige wollte sich gerade von ein paar alten Aktenordnern trennen. „Da habe ich mich gefragt, was eigentlich in großen Unternehmen mit alten Aktenordnern passiert – und ob man mit ihnen nicht auch noch etwas anderes machen könnte als wegschmeißen“, erzählt er.

2011 nach seinem Studienabschluss beantwortete sich der Produktdesigner seine Frage schließlich selbst – und gründete mit seinem Jugendfreund Carsten Fichtel die Firma Adacta, die den ausgemusterten Ordnungshilfen als Aktentaschen ein zweites Leben einhaucht. Die ersten Prototypen bastelten die Gründer noch selber, kurz vor Weihnachten desselben Jahres begannen sie mit der Serienproduktion und dem Verkauf über eine eigene Internetseite.

Ein Zuhause fanden die Gründer für ihr Taschenunternehmen in einem kleinen Bürogebäude an der Knorrstraße, in dem auch viele andere Startups tätig sind. Hergestellt werden die Taschen hier allerdings nicht. Trotzdem sind alle Adacta-Produkte bayerische Handarbeit. Produziert werden die Taschen in einer kleinen Näherei im fränkischen Mistelbach, in der Nähe von Bayreuth. Beide Gründer wuchsen in der Nähe auf, die Manufaktur erregte ihre Aufmerksamkeit eher zufällig bei einem Familienbesuch. „Durch diese Nachbarschaft hatten wir von Anfang an ein gutes Gefühl“, sagt Förtsch lachend über den Glückstreffer.

Die Produktion der Taschen in Deutschland wirkt sich allerdings auf deren Preis aus. Das günstigste Modell kostet 119 Euro und nennt sich „Assistent“. Will man „Diplomat“ sein, muss man schon 199 Euro hinlegen. „Natürlich könnten wir woanders billiger produzieren“, erklärt Fichtel, „aber hier wissen wir, dass wir gute Qualität kriegen, auch ohne ständig vor Ort zu sein.“ Förtsch ergänzt: „Viele vergessen, wie viel Arbeit in jede unserer Taschen fließt.“

Um aus einem Aktenordner ein modisches Accessoire zu machen, sind vier Näherinnen rund eine Dreiviertelstunde beschäftigt. Das Rohmaterial kommt von größeren Firmen und Universitäten, die sich so eine teure Entsorgung ihrer ehemaligen Bürohilfen sparen. Wurden die erst einmal mit einer Ummantelung aus italienischem Glattleder versehen, sieht man ihnen ihr Vorleben zumindest von außen fast nicht mehr an. Im Inneren sorgt ein Futter mit mehreren Taschen für Ordnung. Dafür, dass die Taschen auch vor Regen und Schnee geschützt sind, sorgt eine spezielle Lackierung.

Durch den Pappdeckel können die Taschen zumindest theoretisch beliebig gestaltet werden. Erst vor kurzem entstanden mit dem Künstler Alexander Heitkamp von „Buchstabenorte“ mehrere Taschen mit verschieden Städtemotiven auf den Ordnerdeckeln. Einige dieser Taschen hat Adacta noch auf Lager, verkauft werden sie auf Anfrage.

Als Käufer für die Taschen hat man bei „Adacta“ vor allem junge Kreative im Kopf. Aber auch umweltbewusste Käufer soll das „Upcycling“-Konzept – also die Idee, Aussortiertes zu neuen Produkten aufzuwerten – ansprechen. In der Heimatstadt von Adacta sieht Förtsch da allerdings noch Aufklärungsbedarf: „München und Upcycling müssen sich noch ein bisschen kennenlernen“, glaubt er.

Generell ist das Unternehmen für seine Gründer momentan noch eher „Herzensangelegenheit“ als Profitfabrik. Das Geschäft mit den Taschen sei stark saisonabhängig und funktioniere besonders gut vor großen Festen wie Ostern oder Weihnachten.

Langweilig wird es den beiden Gründern aber auch den Rest des Jahres nicht. Neben Adacta betreiben sie noch das Designbüro „Casitoo“ und bauen gerade ein Unternehmen für modulare Steckdosenleisten auf. Wo bei all diesen Geschäftsideen die Reise mit Adacta hingeht, das wissen die beiden Unternehmer selbst noch nicht genau. Aussortieren wie einen alten Aktenordner werden sie ihre Idee aber so schnell sicher nicht.

Taschen von „Adacta“ gibt es über den Online-Shop der Firma unter www.adacta-original.de. Hier gibt es auch alle Informationen zum Sortiment.

Annika Schall

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