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Moses K. (li.) und Venecia W. sind angeklagt.

Trickser vor Gericht

Er (29) und sie (23) betrogen Senioren um tausende Euro

München - Zwei Enkeltrick-Betrüger erleichterten Senioren um bis zu 75.000 Euro. Nun stehen beide vor Gericht, im Januar soll ein Urteil fallen.

Moses K. (29) schleppt sich zur Anklagebank. Er setzt sich seufzend und schiebt seinen schweren Bauch unter den Tisch. Dann sieht er rüber zu Venecia W. (23). Die junge Frau hat einen üppigen Schal umgewickelt und verschränkt die Arme. Aussagen? Das kam für beide gestern nicht in Frage. Am Landgericht schwiegen sie zur seitenlangen Anklage.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Teil einer international operierenden Betrügerbande zu sein. Deren Ziel: Senioren und ihr Erspartes. Mit dem bekannten Enkeltrick sollen die Angeklagten vorgegangen sein: Dabei ruft ein deutsch-sprechendes Mitglied der Bande an, gibt sich als Verwandter der Senioren aus und gibt an, dringend Geld zu brauchen, das ein Bote dann in bar abholt.

So funktionierte der Enkel-Trick

9000 Euro waren es bei Rosemarie P. aus Dachau. Am 18.11.2015 erhielt sie einen Anruf – angeblich von ihrem Sohn Stefan: Er brauche für einen Hauskauf 9000 Euro. Und zwar sofort! Die Seniorin hob das Geld bei der Volksbank ab. Später übergab sie das Geld, wie von ihrem „Stefan“ aufgetragen, an eine vermeintliche Notariatsmitarbeiterin, die zur Abholung vorbeikam. Laut Anklage eine Täuschung: Tatsächlich kam Venecia W. – und das Geld war weg.

Moses K. soll die Aktionen geplant haben, laut Anklage mietete er drei Apartments in Breslau – von hier aus riefen sogenannte Keilerteams in München und Umgebung an. Mal gaben sie sich als Nichte aus, mal als Tochter, mal als Enkel – und forderten Bargeld-Beträge bis zu 75 000 Euro.

100 Fälle des versuchten Enkeltricks sind bei der Münchner Staatsanwaltschaft für das laufende Betrugsverfahren aktenkundig. Geklappt hat die Masche zum Glück nur selten – wenn, dann waren die Verluste aber heftig. So wie bei Rudolf U., ebenfalls aus Dachau. Ihn riefen die Telefon-Profis am 19. November 2015 gegen neun Uhr morgens an. Eine Frau gab sich als Hausärztin des Senioren aus. Sie stecke in Schwierigkeiten und brauche dringend 17 000 Euro. Rudolf U. glaubte ihr und hob den Betrag von seinem Tagesgeldkonto bei der Sparkasse ab, um ihr zu helfen. Später holte ein Komplize das Geld ab – angeblich der Mitarbeiter eines Rechtsanwaltes. Sein Erspartes sah der Senior nie wieder.

Zu beiden Fällen werden die Geschädigten morgen Vormittag aussagen. Dann müssen Moses K. und Venecia W. ihnen in die Augen schauen – und miterleben, wie die Senioren leiden, wenn sie hinterlistig betrogen werden. Den Angeklagten droht Gefängnis. Mitte Januar soll das Urteil im Prozess fallen.

Aus diesem edlen „Büro“ operierten die Betrüger

Edle Apartments mit Blick auf die Stadt: Von hier aus arbeiten die Betrüger-Banden, die sich meistens im Ausland zusammentun. Ihre Aktionen haben die Enkeltrick-Betrüger genau geplant: Im Internet suchen sie die Telefonnumern heraus, die nach Senioren klingen – etwa Helga, Josef oder Franz. Dann rufen sie im Minutentakt die Nummer in Deutschland an, um Geld, Handys oder Uhren abzuzocken. In der Regel übernehmen Muttersprachler diesen Teil – sie sind geschult und rhetorisch clever. Allein im polnischen Breslau konnten 700 solcher ­Anrufe von der Polizei geortet werden. Um dem zu entgehen, arbeiten die Banden mit SIM-Karten, die sie nach der Benutzung wegwerfen. So sind sie noch schwieriger zu finden. „Häufig haben wir es mit Familien-Clans zu tun“, sagt Polizeipräsident Hubert Andrä. Er arbeitet mit den polnischen Behörden zusammen, um alle Betrüger zu schnappen.

Ein Opfer (71) erzählt

Haya L. (71) half der Polizei, Betrüger zu fassen

„Hallo, Tante! Kennst du mich eigentlich noch?“ So meldete sich der Anrufer bei Haya L. (71). Aber die Seniorin ließ sich nicht beeirren. Sie spürte an der Stimme, dass ein Fremder sie zu überrumpeln versucht, denn schon öfter hatte sie solche Anrufe erhalten und ahnte: Das ist der Enkel-Trick! Anstatt aufzulegen, spielte sich dieses Mal zunächst mit. „Andi, bist du es?“, fragte sie den Anrufer, der sofort darauf anspringt. „Genau“, antwortete er. Und bat die liebe Tante kurz darauf um 50 000 Euro. Die brauche er für einen Wohnungskauf - er sitze gerade beim Notar. „Ich sollte sofort zur Bank gehen und das Geld abheben“, erzählt Haya L. Sie aber hielt den Betrüger hin: Sie müsse sich erst ein Taxi rufen und brauche eine halbe Stunde Zeit, sagte sie am Telefon. In der Zwischenzeit rief die Seniorin die Polizei und schmiedete einen Plan: Mit einem Umschlag voller Falschgeld sollte sie die junge Frau empfangen, die angeblich für ihren Neffen Andi das Geld abholen sollte. Zwei Beamte warteten bei der Seniorin im Haus - und konnten die Betrügerin so noch während der Tat festnehmen. Später wurden die Gauner zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Über ihre Handydaten machten die Beamten auch die Hintermänner in Polen ausfindig. „Zu diesem Erfolg kann man der Polizei gratulieren“, sagt Haya L. „Da bin ich auch ein bisschen stolz auf mich.“ Und zwar zu Recht. Denn mit Mut und Klarsicht ist den Trick-Betrügern hier schnell das Handwerk gelegt worden.

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