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War es eine Falle? In diesem Hinterhof wurde der couragierte Münchner von den Jugendlichen attackiert.

Drei brutale Taten in München 

Er wollte helfen: Münchner (39) brutal verprügelt - fast erblindet

München - Es ist eine Gewalttat, die unweigerlich an den Fall Dominik Brunner erinnert. Aber das Motiv ist vermutlich ein anderes: Fremdenfeindlichkeit. In Freimann ist ein 39-jähriger dunkelhäutiger Münchner bewusstlos geprügelt worden – weil er sich schützend vor Asylbewerber stellte. Der Staatsschutz ermittelt.

+++ Update +++ Dem in Freimann verprügelten 39-Jährigen geht es mittlerweile wieder so gut, dass ihn die Polizei vernehmen konnte. Dabei beschrieb er die Täter wie folgt.

Täterbeschreibung: Vier bis fünf Täter zwischen 16 und 20 Jahre alt, alle mitteleuropäisches Aussehen und alle mit kurzen Haaren; Bekleidung im Rapper-Style. Einer der Täter war 180 cm groß, schlanke, athletische Figur; locker getragene Bekleidung, seitlich sehr kurz rasierte Haare. Einzelne detailliertere Beschreibungen der weiteren Täter liegen nicht vor. 

Zeugenaufruf: Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 44, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Der ursprüngliche Artikel:

Er hätte fast sein Augenlicht verloren, erlitt zahlreiche Knochenbrüche im Gesicht und muss noch mehrmals operiert werden: Unweit der Bayernkaserne bemerkte der Lagerist nach Angaben der Polizei am Freitagabend eine Menschenansammlung. Der Münchner mit afrikanischen Wurzeln war gegen 22.45 Uhr mit dem Bus 171 an der Heidemannstraße/Ecke Werner-Egk-Bogen angekommen und wollte heimgehen. Der 39-Jährige sah, dass vier bis fünf Männer mit weißer Hautfarbe eine Gruppe Migranten, vermutlich Asylbewerber, anpöbelte.

Der Lagerist, der in München geboren ist und wohnt, ging auf die Jugendlichen zu und forderte sie auf, „die Leute aus Somalia in Ruhe zu lassen“. Die Heranwachsenden ließen tatsächlich ab. Ob die Angepöbelten tatsächlich aus Somalia kommen, ist bisher unklar. Die Situation schien jedenfalls befriedet, und der ledige Lagerist setzte seinen Heimweg fort.

Als er am Boden lag, traten sie in sein Gesicht

Doch plötzlich stand einer der Pöbler neben ihm. Er entriss ihm die Aktentasche und lief weg. Der Lagerist verfolgte den jungen Mann in einen Hinterhof am Werner-Egk-Bogen und nahm ihm die Tasche wieder ab. Doch womöglich war es eine Falle: Bevor er weglaufen konnte, kamen die anderen Jugendlichen dazu. Wie das Opfer später der Polizei schilderte, wurde er mit einer Holzlatte niedergeschlagen. Als der 39-Jährige bereits am Boden lag, hätten mehrere Jugendliche mehrmals gegen sein Gesicht getreten – so oft und so heftig, dass er das Bewusstsein verlor.

Ein Anwohner hörte Geräusche im Hinterhof und rief die Polizei. Als die Beamten kamen, waren die Jugendlichen verschwunden. Der Schwerverletzte wurde in eine Klinik eingeliefert. Der Staatsschutz, der bei politisch motivierter Kriminalität eingeschaltet wird, ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Tatverdächtigen schätzt das Opfer auf 17 bis 20 Jahre. Anwohner in Freimann wurden befragt, laut Polizei stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Noch ist das Motiv der Täter unklar, sollte sich aber ein rassistischer Hintergrund bestätigen, wäre es der schwerste ausländerfeindliche Übergriff der letzten Jahre in München.

Viertel-Politiker sind tief betroffen

Patric Wolf (CSU), Flüchtlingsbeauftragter im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann, ist tief betroffen. „Das ist schrecklich“, sagte er am Mittwoch. „Mit sowas habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Neben Gesprächen mit der Bevölkerung seien die Bürgerversammlungen ein Seismograph zur Stimmung im Stadtteil. 2014, als immer mehr Flüchtlinge kamen, sei „ein Grollen zu vernehmen“ gewesen. „Aber bei der letzten Versammlung gab es nur eine einzige Wortmeldung, und die war positiv für die Flüchtlinge.“

Dass hier junge Männer offenbar aus fremdenfeindlichen Motiven handelten, macht Wolf besonders traurig. „Oft ist es ja so, dass Jugendliche sich bestärkt fühlen, wenn Erwachsene schlecht über Flüchtlinge reden. Die Jungen leben das dann mit Gewalt aus“, sagt er. Er hoffe nur, dass es dem mutigen Mann bald besser gehe.

Rechte Gewalt steigt auch in München an

Auch Miriam Heigl von der städtischen Fachstelle für Demokratie macht der Vorfall betroffen. Dies sei eine „dramatische Entwicklung“, sagt sie. Sie weist darauf hin, dass es immer wieder zu rassistischen Gewalttaten komme. Bei rechtsmotivierten Gewaltdelikten in München gab es laut Polizei zuletzt einen Anstieg: von 24 im Jahr 2014 auf 39 im vergangenen Jahr. Auch die neue Beratungsstelle für Opfer rassistischer Gewalt registriere „beunruhigende Fälle“. Der 39-Jährige habe sich vorbildlich verhalten, sagt Heigl. Es sei immer wichtig, sich auch selbst zu schützen, doch in diesem Punkt lasse sich die Situation noch nicht einschätzen. In jedem Fall gelte: „Die Stadtgesellschaft steht hinter so couragierten Bürgern.“

Zivilcourage hatte auch Dominik Brunner gezeigt. Der Geschäftsmann hatte sich 2009 am S-Bahnhof Solln schützend vor vier Kinder gestellt, als ihn zwei Jugendliche zusammenschlugen. Er starb an Herzversagen.

Zwei weitere Schlägereien mit Schwerverletzten

Die Mutter des Opfers erhofft sich mit Bildern ihres Sohnes nähere Hinweise zur Tat.

Ebenfalls am Freitag haben sich in München zwei weitere brutale Auseinandersetzungen zugetragen. In der Schützenstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs wurde ein 37-Jähriger kurz vor Mitternacht von vier Männern verfolgt und angeschrien. Ein etwa 20- bis 30-Jähriger schlug dem Arbeitslosen mit der Faust ins Gesicht. Der 37-Jährige fiel zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf. Aufgrund von Einblutungen im Gehirn verschlechterte sich sein Zustand derart, dass er in Lebensgefahr schwebt. Er musste notoperiert werden. Seitdem liegt er im Wachkoma. Nach Auskunft der Ärzte werden Schädigungen am Gehirn bleiben. Zum Hintergrund des Vorfalls ist der Polizei bislang nichts bekannt – die Mutter des Opfers erhofft sich mit Bildern ihres Sohnes nähere Hinweise (an Tel. 089/29 10-0).

In Obergiesing gerieten gegen 20 Uhr vor einem Penny-Markt an der Perlacher drei Schüler im Alter von 14, 15 und 17 Jahren mit einem 40-Jährigen aneinander. Da die Zeugenaussagen voneinander abweichen, ist unklar, von wem die Aggression ausging. Auf jeden Fall ging der 40-Jährige nach einem Schubser und möglicherweise Faustschlägen zu Boden. Erste Untersuchungen im Krankenhaus ergaben bei dem Mann einen Schädelbasisbruch hinter dem linken Ohr mit einer geringfügigen Einblutung im Gehirn. Lebensgefahr besteht nicht.

Christine Ulrich

Christine Ulrich

E-Mail:christine.ulrich@merkur.de

Stefanie Wegele

Stefanie Wegele

E-Mail:stefanie.wegele@merkur.de

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