+
Feierabend. Johannes Welte fährt zum Schyrenbad. Es ist warm. Doch das Freibad hat schon geschlossen. Seit 18 Uhr. 

Frust der Berufstätigen wird ignoriert

Servus Freibäder, warum schließt ihr im Sommer um 18 Uhr?

München - München, wir müssen über deine unberechenbaren Öffnungszeiten der Freibäder  im Sommer reden. Oft schließen sie schon um 18 Uhr. Dann wieder nicht. Ein wütender Beitrag von Redakteur Johannes Welte.  

Kennen Sie Waltershausen? Ein kleines Dorf im äußersten Norden Bayerns, 330 Einwohner, der größte Betrieb vor Ort ist die Zwei-Mann-Brauerei. Am Waldrand lädt in dem Ort ein kleines schnuckeliges Freibad zu erfrischender Abkühlung ein. Warum ich das erzähle? Weil ich aus dieser Gemeinde stamme und weil dieses Bad den ganzen Sommer lang von 9 bis 20 Uhr geöffnet ist, egal, ob es stürmt, regnet und wie kalt es gerade ist. 

So oder ähnlich ist es auch in Hunderten kleiner Freibäder in der Republik. In Waltershausen kann man mit einer Jahreskarte (kostet 25 Euro) sogar rund um die Uhr ins Becken hüpfen. Warum ich das erzähle? Weil ich seit 20 Jahren im Millionendorf München wohne, sehr gerne übrigens, genau gesagt lebe ich keine 300 Meter vom schönsten Freibad Münchens und vielleicht ganz Oberbayerns entfernt: dem Schyrenbad. Nur leider komme ich sehr selten in den Genuss der blauen Fluten inmitten von uralten Eschen und Linden beschatteten Wiesen. 

Denn das Schyrenbad in Untergiesing öffnet morgens um 9 Uhr und schließt um 18 Uhr, das sind die offiziellen Öffnungszeiten. Dummerweise sind das aber in etwa exakt die Zeiten, zu denen ich auf dem Weg ins Büro, im Büro und auf dem Rückweg nach Hause bin - immer am Schyrenbad vorbei. Nur wenn es mal richtig heißt wird, ja dann hat das Bad dann tatsächlich auch mal bis 20 Uhr geöffnet - und ist dann proppenvoll. Nur: Heuer war das bislang nur an zwei Tagen der Fall. 

Die Stadtwerke sorgen sogar dafür, dass die jeweilige Schließzeit der Freibäder jeden Tag auf ihrer Homepage veröffentlicht wird. So weit, so gut. Nun erlauben die SWM ihren Badleitern vor Ort, spontan zu entschieden, bei halbwegs prächtigem Wetter ihre Schwimmbecken bis 19 Uhr geöffnet zu lassen. Nur, um das zu erfahren, muss man die Durchsage im Schwimmbad hören oder an der Kasse fragen. Anrufen kann man dort nicht. So wird ein Schwimmbadbesuch für Berufstätige unplanbar. 

Tatsächlich verweisen die Stadtwerke darauf, dass die Wetterlagen innerhalb Münchens unterschiedlich sein können. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es im Schyrenbad stürmt und schneit, wenn sich im Prinze die Menschen gleichzeitig in der Sonne aalen. Wer sich trotz all dieser Widrigkeiten dennoch dazu entschließt, der Fitness halber kurz vor Feierabend ins Freibad zu hüpfen, um noch eine halbe Stunde lang ein paar Runden zu Schwimmen, wird genauso zur Kasse gebeten wie der Frühbadegast, der vor der Arbeit mal schnell ins Bad springt - oder derjenige, der sich von 9 bis 18 oder gar 20 Uhr im Schyrenbad aalt. 

Tatsächlich argumentieren die Stadtwerke gerne damit, dass die Freibäder bei regnerischem Wetter wenig frequentiert werden. Das mag stimmen, nur haben die SWM mit dem Umbau des Schyrenbades selbst dafür gesorgt, dass das Freibad bei weniger schönem Wetter nicht mehr so nutzbar ist wie früher: Denn vor dem Umbau gab es eine Warmumkleide direkt am Schwimmerbecken, in der man sich umziehen konnte. Nach dem Bad konnte man schnell unter die warme Dusche flüchten. Jetzt sind es 100 Meter bis zur Umkleide, und die Duschen im Freien sind so kalt, als würde es Eiswürfel aus ihnen regnen. 

Jetzt sollte man meinen, die Sportstadt München sei eine reiche Stadt, die es sich leisten könnte, den Bürgern Freibäder zur Verfügung zu stellen, die auch berufstätige Steuerzahler benutzen können. Doch die Stadtwerke lehnen längere Öffnungszeiten seit Jahren notorisch ab. Begründung: „Eine Verlängerung des Öffnungszeiten ist nicht wirtschaftlich.“ 

Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Seit Jahrzehnten erzählt uns die Stadtspitze, vor allem die Leute von der SPD, dass die Stadtwerke nicht privatisiert werden dürfen, um die Daseinsvorsorge der Bürger zu gewährleisten. Effizienz dürfte da keine Rolle spielen. Die Kritik aus der CSU an den Öffnungszeiten der Bäder ist übrigens verstummt, seit die Partei mitregiert.

Aber bei den Freibäder benehmen sich die SWM wie ein Unternehmen: Wir haben dann offen, wenn die Kasse klingelt. Nur: Ein Unternehmer könnte sich solch unberechenbare Öffnungszeiten nicht leisten.

München-News per WhatsApp gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten aus München direkt über WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Unsere besten München-Geschichten posten wir auch auf unseren Facebookseiten Merkur.de und tz München

Video: Sommer in unserer Lieblingsstadt

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Helene Fischer hilft in Münchner Pizzabäckerei aus

München - Helene Fischer kann nicht nur singen! Jetzt hat sich der Schlagerstar auch als Pizzabäckerin profiliert. Als Teil einer ARD-Sendung packte sie in Haidhausen …
Helene Fischer hilft in Münchner Pizzabäckerei aus

Paul-Heyse-Villa vor Rettung - das sind die Pläne

München - Die Paul-Heyse-Villa steht offenbar kurz vor der Rettung. Es soll konkrete Pläne für die Zukunft des Anwesens geben. Wir stellen diese vor.
Paul-Heyse-Villa vor Rettung - das sind die Pläne

Einbrecher schlagen am Freitag drei Mal zu

München -  Einbrecher haben allein am vergangenen Freitag mindestens drei Mal in München zugeschlagen und dabei teilweise fette Beute gemacht.
Einbrecher schlagen am Freitag drei Mal zu

Nikolaus-Service-Chef packt aus: „Münchner Kinder immer frecher“

München - Seit 30 Jahren lässt Günter Tobsch als Krampus oder Nikolaus Kinderherzen schneller schlagen. Er hat aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Darüber …
Nikolaus-Service-Chef packt aus: „Münchner Kinder immer frecher“

Kommentare