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Nathalie Örlecke flüchtet zwischendurch aus München, wenn sie die Ignoranz und Selbstgefälligkeit der Münchner Hundehalter nicht erträgt.

Gastbeitrag einer Hundetrainerin 

An die Münchner, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegmachen

München - Hundetrainerin Nathalie Örlecke hat den Münchnern, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegmachen, etwas Wichtiges zu sagen. Lesen Sie ihren wütend geschriebenen Gastbeitrag. 

Spur des Grauens. 

Morgens hatte ich es eilig. Ich sprang in meine neuen Glitzerballerinas und wollte nur schnell was aus dem Auto holen, rannte aus der Tür, sprang auf den Grünstreifen und direkt in einen Hundehaufen rein. Na toll. Riesen-Wut machte sich in mir breit, niemand weit und breit, dem ich meine Schuhe in Rechnung stellen konnte, denn aus Glitzerballerinas bekommt man keinen Hundekot mehr heraus. 

Ich sehe auf den Gehweg zur Eingangstür des Nachbarn. Da ist es jemandem nicht besser ergangen. Vom Grünstreifen bis zur Eingangstür ziehen sich Spuren des Versuchs, einen Hundehaufen vom Schuh wieder loszubekommen. 

Ich ärgere mich noch mehr, denn das sehe ich in letzter Zeit öfter: Hundekot auf Gehwegen. 

Nicht, dass es auf dem Grünstreifen schon genug wäre, nein, manche Hundehalter lassen ihren Fiffi auf den Gehweg kacken und machen den Haufen nicht weg. Da fragt man sich, was in den Köpfen von manchem Hundebesitzer vorgeht.

Wohin mit dem Kotbeutel? Viele Hundehalter entscheiden sich für den Boden. 

Es gibt drei Sorten Hundehalter, die ein Problem mit der Hinterlassenschaft ihres Lieblings haben: Es gibt erstens die Hundehalter, die die Hinterlassenschaft ihrer Hunde aus Prinzip nicht wegräumen. Ihr liebstes Argument: Ich zahle ja Hundesteuer. Ob sie diese tatsächlich zahlen und der Hund überhaupt angemeldet ist, ist eine andere Sache. Im Merkblatt für Hundesteuer der Stadt München steht: „Heute fließen die Einnahmen in soziale, kulturelle, schulische und wirtschaftliche Maßnahmen der Stadt und dienen nicht explizit der Beseitigung von Hundekot.“ Nicht explizit für die Entfernung für Hundekot also, aber ein bisschen schon. Dessen bin ich mir nicht so sicher, wenn ich sehe, wie die Stadt mit Hundekottüten an Hundekottütensammelstellen verfährt. Schaut euch das Foto an.

In München gibt es übrigens auch kein offizielles, festgesetztes Bußgeld für Hundedreckwegmachverweigerer.In anderen Gemeinden ist man etwas bissiger. Ob sich das Problem lösen lässt, indem man solche Bußgelder einführt, ist fraglich. Beweispflicht wäre nötig und das dürfte schwierig werden. Hilft also eigentlich nur, dem Verursacher seinen Scheiß mal nachzuwerfen.

Die zweite Sorte Hundehalter sind solche, die am Tag brav das Häuflein wegräumen, sobald es dunkel wird, aber ihre guten Manieren vergessen. Sieht ja erstens keiner und zweitens liegt daneben ein anderer Haufen. Was andere machen, kann ich auch, denken die. Zusammen sind wir stark, auch wenn es um die Verschmutzung unserer Stadt geht. Da ist ein Grünstreifen bald nicht mehr grün, sondern braun und es würgt einen ein bisschen, wenn man bei 30 Grad Hitze an diesem Weg entlang gehen muss. Vom Anblick mal ganz zu schweigen.

Die dritte Gruppe Hundehalter räumt den Kackhaufen ordentlich weg. Ab mit dem Gackerl ins Sackerl – und dann? Wo ist der nächste Mülleimer? Nirgends. Irgendwie ist es ein Phänomen, dass es zwar viele Kottütenspender in München gibt, aber keine Mülleimer dafür. Dass unter den Spendern oft Hundehaufen zu finden sind, soll wohl ein Protest dafür sein. Wo sind die 10.000 Mülleimer der Stadt München? Wer keine Lust hat, seine Tüte zu tragen, weil sie zum Himmel stinkt, wirft sie ins Gebüsch, auf den Gehweg oder hängt sie an einen Baum. So entstehen im Sommer übrigens geschmückte Bäume in Schwarz, Rot, Gelb, ist fast wie Weihnachten, riecht nur nicht nach Zimt und Vanille.

Ich wüsste gerne, wer auf so eine grandios doofe Idee kommt. Soll das lustig sein? Ich kann darüber jedenfalls nicht lachen und mein Humor ist ziemlich tiefschwarz. 

Auffallend ist auch, dass gerade die Halter von kleinen Asphaltpiranhas erstaunlich oft den Hundehaufen nicht wegräumen. Wieso? Denkt ihr, es ist weniger schlimm, in einen kleinen Haufen zu treten? 

Es ist genauso schlimm und genauso ärgerlich. Fragt mal eine Mutter, die ihrem Kind zum 20. Mal die Kacke aus dem Schuh puhlt. Mit meinen Sneakers verhält sich das übrigens ähnlich. 

Die 32.000 Hundehalter in München teilen sich also offensichtlich auf in „Mein Hund darf alles" – ja, vor allem alles anpinkeln und überall seinen Haufen legen – und in "Leinen los für alle" – ohne Rücksicht auf andere Menschen, Kinder und Tiere.

Es sind die ignoranten Hundehalter dieser Stadt, die den guten Ruf schädigen, die Stadt verschmutzen und damit den Hass auf Hunde schüren.

Ich habe gelesen, dass in München pro Jahr sechs Millionen Kotbeutel verbraucht werden. Bei 32.000 Hunden, die im Durchschnitt zwei Mal am Tag ihr großes Geschäft verrichten, komme ich auf eine Zahl von 25 Millionen Haufen. Ganz schön viele Haufen, die dann so herumliegen. Aber wundert mich nicht. 

Ich frage mich, was die Gassigeher mit ihren 25 Hunden an der Isar eigentlich machen, wenn die alle frei laufen. Haben die wirklich jeden Haufen fest im Griff? Und wenn kein Mülleimer in Sicht ist? Trägt dann jeder Hund sein Tütchen selbst? Und was ist mit den vielbeschäftigten Telefon-Junkies, deren Hunde frei laufen? Wird der Hundehaufen am Telefon wegdiskutiert?

Ich wünsche mir, dass Münchnes Zamperlhalter für mehr Ordnung sorgen. An der Leine und auf dem Boden. Dann wären sicher viele Menschen nicht so verärgert über Hunde, den Hundekot auf Münchens Wegen, in den Grünanlagen oder in den Gärten.

Es kann nicht so schwer sein, die Verantwortung für seinen Hund und den dazugehörigen Mist zu übernehmen. Vielleicht gäbe es dann insgesamt mal wieder eine freundlichere Stimmung den Hundehaltern gegenüber.

Diesen Gastbeitrag schrieb die professionelle Hundetrainerin und zertifizierte Tierpsychologin Nathalie Örlecke. Ihr Blog heißt 089dogs.

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