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Johanna und Johann Linz zahlen 894 Euro Miete. 

Große Umfrage von Merkur.de und tz.de

Münchens wahrer Mietspiegel: Das erzählen die Mieter 

München - Wir wollten München wahre Mieten wissen und haben 6.700 Menschen befragt. Ergebnis: Das Wohnen ist noch teurer als offiziell deklariert. Was die Mieter erzählen. 

Haben Sie Glück, liebe Leser, und zahlen vielleicht weniger Miete als Ihr Nachbar? Oder müssen Sie gar mehr berappen? Das können Sie in unserer Tabelle überprüfen. Denn bei einer Preisumfrage von Münchner Merkur und tz wurden die Daten von 6700 Münchnern ausgewertet, die im Juli und August an einer Mietanalyse teilgenommen haben.

Die große Preisumfrage brachte Folgendes ans Licht: Das Wohnen ist in München deutlich teurer, als der amtliche Mietspiegel der Stadt vorgibt, denn 13,58 Euro müssen die Münchner im Schnitt hinblättern. Der von der Stadt regelmäßig erhobene Mietspiegel gibt lediglich eine durchschnittliche Quadratmetermiete von 10,73 Euro an, das sind 2,85 Euro weniger - pro Monat, pro Quadratmeter.

Dabei gibt es in der Stadt erhebliche Preisunterschiede. So werden in Feldmoching-Hasenbergl im Schnitt 11,75 Euro pro Quadratmeter fällig, in der Altstadt durchschnittlich 16,99 Euro. Aber auch innerhalb der Viertel geht die Schere auseinander: So gibt es in der südlichen Altstadt Gegenden, in denen man sogar 18,60 Euro Miete bezahlen muss. Im Gegensatz dazu bezahlt man rund um die U-Bahnstationen Harthof sowie Am Hart in Milbertshofen-Moosach sogar nur 11,10 Euro Kaltmiete – weniger als in Feldmoching-Hasenbergl. 

Wie die Reaktionen vom Mietverein, OB Reiter und dem Verband der Haus- und Grundstücksbesitzer ausfallen, haben wir bereits berichtet. Hier lesen Sie, was die Mieter selbst sagen. 

894 Euro Miete 

Seit sie sich verliebt haben, also seit 1968, sind Johanna und Johann Linz Mieter in drei verschiedenen Wohnungen gewesen. Ihr heutiges Zuhause in Obersendling „war ein echter Glücksgriff für uns“, sagt Johann. Die Dreizimmerwohnung der Genossenschaft Verein für Volkswohnungen e.V. ist nun seit 1999 das Zuhause der Eheleute. 

Auch der gemeinsame Sohn Michael (50) wohnt mit seiner Familie im selben Haus. „Wir unterstützen uns gegenseitig. Das familiäre Beisammensein ist sehr schön“, sagt Johanna. Mit 1112 DM starteten die Mieter in der Rupert-Mayer-Straße. Heute bezahlen sie 894 Euro. In den Jahren 1999 bis heute wurde die Miete nur zwei Mal erhöht. „Das ist natürlich sehr entgegenkommend. Wir sind sehr zufrieden mit der Genossenschaft“, sagt Johann Linz. Auch der Service und der Kontakt zum Vermieter lässt nicht zu wünschen übrig, sagen die Eheleute. Für Johann und Johanna Linz ist ihre Wohnlage ideal, ihre kleine Gartenanlage ist bequem in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen. „Wir genießen unsere viele Zeit gern im Garten. Meine Frau kümmert sich um Gemüse und Blumen, ich mich um die gröberen Arbeiten“, sagt Johann Linz.

476 Euro

476 Euro zahlt Waltraud Mähl. 

In dem sonnengelben Wohnblock der Schachenmeierstraße (Neuhausen) wohnt Waltraud Mähl. Seit 1992 ist die gemütliche Zweizimmerwohnung im Stadtteil Neuhausen ihr Zuhause. Mit der ruhigen Wohnlage ist die Rentnerin sehr zufrieden, erzählt sie. „Auch in die Innenstadt hab ich’s nicht weit. Mit dem Fahrrad ist man in 15 Minuten am Marienplatz – wenn man sich denn auf die Fahrradwege traut.“ Für ihre knapp 50 qm bezahlt die ältere Dame monatlich 467 Euro warm. Mit der Miete ist Waltraud Mähl zufrieden - das gilt nicht für das Wohnen im Ganzen. Mangelnder Service schmälere trotz guter Lage das Wohlgefühl, sagt die Mieterin.

700 Euro

700 Euro müssen die Freundinnen Julia und Veronika für ihre Miete aufbringen. 

Nach dem großen Seefahrer benannt, herrscht am Kolumbusplatz (Untergiesing) heute quirlig-reger Betrieb. Hier wohnen die Freundinnen Julia F. und Veronika K. Seit einem Jahr leben die beiden gemeinsam in der schnuckeligen Zweizimmerwohnung. Veronika ist Genossenschaftsmitglied und erzählt, was für ein Glück es war, die Wohnung zu bekommen. „Wir zahlen eine echt faire Miete und fühlen uns sehr wohl“, so die Studentin. Auch Julia stimmt zu: „Nicht zu schicki-micki - ideal für junge Leute.“ Für ihre 55 Quadratmeter zahlen die Freundinnen 700 Euro warm. Die Wohnlage besticht durch ihre Nähe zum Zentrum. „Fünf Minuten an die Isar!“

Die ganze Tabelle als PDF finden Sie hier

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Kommentare

erich
(2)(0)

der Mietspiegel ist kein Naturgesetz, sondern ein von der Politik, Verbänden und verschiedenen Interessensgruppen geschaffenes künstliches Konstrukt! Hohe Mieten sind nicht immer und unbedingt ein Folge von Angebot und Nachfrage, sondern oft künstlich herbeigeführt, z.B. durch gezielten Leerstand u.a., um andere Ziele zu erreichen! Z.B. die Bevölkerungsstruktur einer Stadt zu steuern und umzuwälzen, alteingesessene Bewohner mit beschränkten finanziellen Mitteln zu deplazieren um Platz für Neue zu schaffen, die z.B. die Sozial- und Einkommensstruktur aufwerten, indirekt zukünftige Wahlergebnisse durch Konzentration und Deplazierung von Gesellschaftsmilieus beeinflussen. Denn merke, Mietspiegel wurde ursprünglich eingeführt um Mietwucher zu unterbinden. Mittlerweile dient er Immobilienbesitzern als Garant für stetige Mietzuwächse.

kürzlich war zu lesen:
Mieterbund: Zwei Millionen Sozialwohnungen fehlen, jedes Jahr gehen zwischen 60.000 und 80.000 Sozialwohnungen verloren. Aus den Antworten des Bundesbauministeriums auf parlamentarische Anfragen geht hervor.
In Deutschland fehlen nach Berechnungen des Deutschen Mieterbunds (DMB) mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen. „Um genug Wohnraum für einkommensschwache Haushalte, aber auch für Durchschnittsverdiener zu haben, brauchen wir 3,5 bis vier Millionen Wohnungen“, sagte DMB-Sprecher Ulrich Ropertz. Derzeit gebe es aber nur 1,5 Millionen Wohnungen, Tendenz sinkend. „Jedes Jahr gehen zwischen 60.000 und 80.000 Wohnungen verloren“, kritisierte Ropertz. Schuld seien die Länder, die nicht genügend in den Neubau investierten. Tatsächlich ist trotz des Mangels an bezahlbaren Wohnungen besonders in den Ballungszentren die Zahl der öffentlich geförderten Sozialwohnungen in Deutschland auf einen Tiefststand gesunken – im Jahr 2013 um 63.500 Wohnungen auf 1,48 Millionen, das ist ein Rückgang um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verglichen mit dem Jahr 2011 sind es sogar 11,2 Prozent weniger.
Und wer dafür sorgt, das immer mehr Menschen auf günstigen Wohnraum angewiesen sind, aber gleichzeitig dafür sorgt, dass immer weniger günstiger Wohnraum zur Verfügung steht, der schafft absichtlich und gewollt Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit. Somit nur ein weiterer Baustein im Projekt der Prekarisierung von Teilen der Bevölkerung.

Jonas Berger
(2)(0)

Dank Mietspiegel dürfen wir jetzt statt 920€ 1000€. Danke schön.

Unglaublich
(2)(0)

Nicht nachprüfbare Märchen werden hier "wahre Mieten" verkauft.
Das ist Qualitäts Journalismus vom Feinsten. Herzlichen Glückwunsch!