Münchenstift will Gehälter deutlich anheben

Der bizarre Kampf um die Pfleger

München - Die Jagd nach gutem Pflegepersonal wird immer grotesker: Jetzt kritisiert die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Münchenstift GmbH und damit auch die Stadt, weil diese die Tarife für junge Fachkräfte nach der Ausbildung deutlich anheben wollen – und zwar um rund 300 Euro.

Heißt: Eine Pflegefachkraft würde dann dort zum Einstieg gut 3000 Euro verdienen.

Ein Schlag für viele andere Anbieter: Die schim­pfen, dass sie mit diesen Löhnen nicht mithalten können. Die AWO bläst nun zum Gegenangriff und will gezielt Mitarbeiter der Münchenstift anwerben. Mit Lebkuchenherzen!

Dauerstress, Überstunden, und das bei schlechter Bezahlung – nein, Pflegekraft ist wahrlich kein leichter Job. Dass Fachkräfte zu wenig Geld ­bekommen, ist auch ­AWO- Geschäftsführer Christoph Frey klar. „Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass sie ein besseres Einkommen haben sollen. Ganz im Gegenteil.“ Auch bei vielen anderen Anbietern werden Pflegekräfte ein wenig besser bezahlt, als der Tarif das vorsieht. „Man muss einfach auch eingestehen, dass die Lebenshaltungskosten in München immens sind. Hier ist das Geld nicht so viel Wert wie anderswo.“

Gut 2700 Euro erhält ein Pfleger im Einstiegsjahr. Hinzu kommen Zuschläge, Nachtarbeit oder Wochenenddienste. Die Münchenstift will nun 3000 Euro zahlen. Der Stadtrat muss zustimmen. „Für mich ist das aber nicht nachvollziehbar“, sagt Frey. Denn zum einen kann die AWO da nicht mithalten. Und zum anderen müsse eine Erhöhung der Gehälter refinanziert werden. Das geschieht über die Einnahmen, also die Tarife, die von den Kunden gezahlt werden ­müssen. Doch: „Die Münchenstift wird ihre Pflegesätze aber nicht anheben. Da frage ich mich, wo das Geld herkommen soll.“

Münchenstift-Chef Siegfried Benker kann da nur den Kopf schütteln. „Ich verstehe den Ärger nicht. Seit Jahren reden alle davon, dass Pfleger mehr Geld verdienen müssen. Wir reden nun nicht mehr – sondern handeln.“

Bundesweit als erster Pflegeanbieter übrigens. Städtische Zuschüsse würde es jedenfalls keine geben. Benker: „Um das zu finanzieren, haben wir nach Prozessen im Haus gesucht, wo wir wirtschaftlicher arbeiten können. Dieses eingesparte Geld wird nun für die Gehaltserhöhungen verwendet.“ Natürlich müssten auch die Bewohner nicht tiefer in die Tasche greifen. Und der Stadtrat? „Der muss halt zustimmen, wenn wir mehr bezahlen wollen, als der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst vorsieht.“

AWO-Boss Christoph Frey hätte das Thema hingegen auf städtischer Ebene gerne anders geregelt – und an einem Tisch gemeinsam mit Politik und Pflegeverbänden eine „Fix-Gehaltserhöhung“ ausgehandelt. Damit entstünde kein Wettbewerb auf dem überschaubaren Markt.

Klar – die AWO fürchtet, beim Kampf um den Nachwuchs einen Nachteil zu haben. „Es wird im Einzelfall sicher passieren, dass sich Bewerber aufgrund des Geldes gegen uns entscheiden. Der Wettbewerb um die Fachkräfte sollte aber über die Qualität und nicht das Gehalt geführt werden.“

Ende September wird sich der Sozialausschuss mit dem Tarif-Thema befassen. Die AWO wird reagieren. „Wir haben Hunderte Lebkuchenherzen bestellt, die werden wir an die Mitarbeiter der Münchenstift verteilen.“ Der Gedanke: Die AWO will der Konkurrenz zeigen, dass sie der bessere Arbeitgeber ist: „Die schon länger angestellten Pflegefachkräfte dort müssen ja erst mal ein paar Jahre arbeiten, um auf das Gehalt von 3000 Euro zu kommen, das die Münchenstift nun schon den gerade fertig gewordenen Azubis zahlen will. Wir möchten zeigen, dass es bei uns fairer zugeht und Erfahrung belohnt wird.“

Sascha Karowski, Armin Geier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Sascha Karowski

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E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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