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Jugendamtsleiterin Maria Kurz-Adam ist seit zwei Jahren krankgeschrieben.

Krankschreibung seit 2 Jahren

Jugendamts-Chefin in Bedrängnis

München - Seit zwei Jahren hat das Jugendamt keine ordnungsgemäße Führung. So lange ist die Chefin, Maria Kurz-Adam, bereits krankgeschrieben. Nun kommt heraus: Die 55-Jährige hält im Krankenstand Vorträge und hat ein Buch geschrieben. Die Stadt arbeitet mit Hochdruck daran, die Stelle endlich neu ausschreiben zu können.

Die Unruhe im größten Jugendamt Deutschlands ist groß. Seit zwei Jahren ist die Chefin krank geschrieben, weshalb es einen kommissarischen Leiter in der Behörde mit rund 2000 Mitarbeitern gab. Dieser Vertreter musste im August seinen Posten wegen einer ungeklärten Vertragsvergabe vorläufig räumen, weshalb aktuell die Stellvertreterinnen des Stellvertreters die Geschäfte führen. Das ist die aktuelle Situation im Münchner Stadtjugendamt.

Seit 2006 hatte die Psychologie-Professorin Maria Kurz-Adam das Amt inne – bis sie sich im Herbst 2014 zunächst zeitweise und ab Januar 2015 dauerhaft krankschreiben ließ. Hinter den Kulissen war von einem Burnout die Rede. Für diesen Juli hatte Kurz-Adam nach Informationen unserer Zeitung ihre Rückkehr angekündigt. Dies geschah aber nicht – eine schwierige Situation auch für Dorothee Schiwy (SPD), die seit 1. Juli das Sozialreferat führt, dem das Jugendamt unterstellt ist.

Die Krankschreibung Kurz-Adams erscheint nun in einem neuen Licht. Nach Recherchen unserer Zeitung war die gebürtige Hindelangerin offenbar nicht zu krank, um das Buch „Kinder auf der Flucht: Die Soziale Arbeit muss umdenken“ zu schreiben, das im Juni im „Barbara Budrich Verlag“ veröffentlicht wurde. Auf 99 Seiten plädiert sie hier für ein Umdenken der Sozialen Arbeit im Umgang mit den Flüchtlingskindern, die seit Sommer 2015 zu Tausenden in Deutschland angekommen sind. Auch für die Publikation „Dialog Erziehungshilfe“ verfasste sie 2015 einen vierseitigen Beitrag.

Zudem soll Kurz-Adam munter Vorträge in der Republik halten, kürzlich in Berlin. Lediglich Kurz-Adams Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule Kiel, wo sie im Sommersemester 2016 im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit als Dozentin eingeplant war, entfielen. Kurz-Adam war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bei der Stadt München, die als Kurz-Adams Dienstherrin in der Pflicht steht, will man sich zu den Erkenntnissen nicht äußern. Matthias Winter, Sprecher des Sozialreferates, bittet um Verständnis, „dass wir zur Personalie aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der Fürsorgepflichten keine Stellungnahme abgeben können“. Dieselbe Auskunft ist aus dem Personal- und Organisationsreferat, das die dienstrechtlichen Fragen klären muss, zu hören. Sprecher Tobias Stephan sagt aber: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Stelle bald neu ausschreiben können.“

Warum sich die Klärung des Personalproblems so schwierig gestaltet, ist unklar. Beamte, die innerhalb von sechs Monaten mindestens drei Monate krank sind und bei denen innerhalb der folgenden sechs Monate keine Aussicht auf eine Rückkehr besteht, sind verpflichtet, sich einer amtsärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Zu dieser Untersuchung wird der Betroffene in einem persönlichen Gespräch mit seinem Vorgesetzten aufgefordert. Bescheinigt der Arzt einem Beamten eine Dienstunfähigkeit, muss geklärt werden, ob dieser anderswo eingesetzt werden kann – oder sogar in den Ruhestand versetzt wird.

Noch Anfang September hatte Personal- und Organisationsreferent Alexander Dietrich (CSU) auf die Anfrage der Stadtrats-Grünen, wann das Jugendamt wieder eine Leitung bekomme, Antwort gegeben. Die Behörde stehe „unter ordnungsgemäßer Leitung“, teilte Dietrich mit, das Referat sei sich „seiner Verantwortung bewusst“ und prüfe und ergreife „alle möglichen Maßnahmen“. Nach Informationen dieser Zeitung verhandelt Dietrichs Rechtsabteilung derzeit mit Kurz-Adams Anwalt. Es sei sicher ein vergleichsweise „langes Verfahren“, räumt Referats-Sprecher Tobias Stephan ein.

Doch selbst wenn die Personalie Kurz-Adam in Kürze vom Tisch sein sollte, hat die Stadt ein Problem. Der kommissarische Jugendamts-Chef Markus Schön muss seit August sein Amt ruhen lassen. Seit September prüft das Revisionsamt, ob bei den Verträgen, die Schön mit Sozialverbänden zur Betreuung von jungen Flüchtlingen abgeschlossen hat, alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Das Ergebnis der Prüfung steht aus. Selbst wenn Schön wieder auf seinen Posten zurückkehren kann: Jugendamtsleiter kann er nicht werden. Dem SPD-Mann fehlen für die Leitungsposition die geforderten Qualifikationen.

Die Folge wäre eine Neuausschreibung mit anschließender Wahl durch den Stadtrat. Ein Vorgang, der mindestens sechs bis neun Monate in Anspruch nimmt. Dazu kommt, dass qualifizierte Bewerber rar sind. Im Vorfeld der Wahl im Jahr 2006 war zunächst die Favoritin für den Posten abgesprungen – dann kam auch noch die Absage des bereits designierten neuen Chefs. Schließlich setzte sich Kurz-Adam durch – gegen die damalige SPD-Stadträtin Brigitte Meier, die später Sozialreferentin wurde, das Amt wegen der Debatte um versäumte Erstattungsfristen für Flüchtlingskosten im Sommer aber räumen musste.

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